Volkstrauertag in Füchtorf und Sassenberg
Gegen Populismus wehren

Sassenberg/Füchtorf -

Deutschlandweit stand der vergangene Sonntag im Zeichen der Trauer für die Opfer von Krieg und Vertreibung. Auch auf dem Füchtorfer Kirchplatz gedachten Vertreter aus Politik und Vereinsleben der Gefallenen und Opfer und legten Kränze vor den beiden Kriegerehrenmalen Kränze nieder.

Dienstag, 20.11.2018, 13:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 20.11.2018, 13:00 Uhr
Kranzniederlegung vor dem Sassenberger Rathaus: Thomas Meinersmann und Fabian Hülsmann (Freiwillige Feuerwehr) sowie Herbert Kledzik und Hans-Werner Herweg (VDK).
Kranzniederlegung vor dem Sassenberger Rathaus: Thomas Meinersmann und Fabian Hülsmann (Freiwillige Feuerwehr) sowie Herbert Kledzik und Hans-Werner Herweg (VDK). Foto: Christopher Irmler

„Überall erleben wir eine Verrohung der Worte, eine Verrohung der Gesellschaft“, bedauerte der stellvertretende Bürgermeister Dirk Schöne . Zugleich appellierte er an die Gesellschaft, sich gegen Populismus zu wehren. „Der Wunsch nach Freiheit in einer gerechten Welt hat sich immer durchgesetzt.“ Das Einstehen für gemeinsame Werte sei die Voraussetzung, um menschliche Tragödien abzuwenden. Neben dem Männergesangverein Frohsinn waren auch die beiden Füchtorfer Musikzüge an der Gedenkzeremonie beteiligt.

Am Sassenberger Rathaus beteiligten sich vier Jugendliche der Schülervertretung der Sekundarschule am Volkstrauertag . Sie schlugen eine Brücke von den historischen Ereignissen zweier Weltkriege zur Gegenwart. „Auch heute wird noch im Namen von Ideologien gemordet“, stellten sie ernüchtert fest. Leid geschehe jedoch nicht nur auf Schlachtfeldern. „Können wir damit leben, dass vor den Küsten Europas Menschen sterben?“ hinterfragten sie die aktuelle Politik europäischer Staaten.

Pfarrer Michael Prien zeichnete die Geschichte vom Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren bis zur Gegenwart nach. Er erinnerte an das Vergessen und Verdrängen nach dem Zweiten Weltkrieg und das „selbstverständliche“ Aufwachsen jüngerer Generationen in der Bundesrepublik. „Als Jugendlicher war es für mich völlig normal: Freiheit, Demokratie, Wohlstand, Nato, stabile Verhältnisse – das war so.“ Doch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung und den vermeintlich selbstverständlichen Rahmenbedingungen werde man ganz konkret mit Leid konfrontiert, so Prien mit Blick auf die auch in Sassenberg lebenden Flüchtlinge und jene, die auf der Flucht umkämen. „Und wieder gucken Nationen auf ihre Stärken. Wir sind doch wer, wir müssen unsere Interessen nach vorne bringen.“ Diese Entwicklungen stimmten Prien nachdenklich. „Kommt als Lösung wieder ein starker Mann infrage?“. Bürgermeister Josef Uphoff bedauerte die erneut geringe Resonanz von Seiten der Bevölkerung, dankte jedoch den Schülern und den Vertretern der Vereine für ihre Beteiligung und ihr Engagement.

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