Kunsthistorikerin Christine Kolm arbeitet im Haus Harkotten
Mini-Urlaub für die Familie

Füchtorf -

Kunsthistorikern Christine Kolm gerät ins Schwärmen. „Das Haus erzählt die Geschichte der Familie, das ist lebendige Geschichte“, sagt die 33-Jährige.

Freitag, 07.12.2018, 18:00 Uhr
Kunsthistorikerin Christine Kolm ist seit Mitte Oktober im Haus Harkotten tätig. Ihr Lieblingsraum ist das Landschaftszimmer mit den märchenhaften Malereien, aber auch die Porträts der Familie im nächsten Raum begeistern die 33-Jährige.
Kunsthistorikerin Christine Kolm ist seit Mitte Oktober im Haus Harkotten tätig. Ihr Lieblingsraum ist das Landschaftszimmer mit den märchenhaften Malereien, aber auch die Porträts der Familie im nächsten Raum begeistern die 33-Jährige. Foto: Ulrich Lieber

Seit Mitte Oktober ist sie im Haus Harkotten tätig und arbeitet 20 Stunden die Woche auf Honorarbasis. „Ich bin hier Mädchen für alles. Ich sehe das Potenzial, dass es ab Januar eine Vollzeitstelle werden kann.“ Das wünscht sich auch Myriam Freifrau von Korff: „Ich hoffe, dass wir sie auch Dauer halten und wir die Stelle über den Förderverein finanzieren können. Aber es fehlt noch etwas.“

Christine Kolm ist jedenfalls schon mit Herzblut bei der Arbeit. „Es soll ein halboffenes Museum werden. Wir wollen das Programm ausweiten und auch VIP-Führungen anbieten.“ Dabei soll der Fokus vor allem auf junge Familien gelegt werden, denn bislang waren es doch eher ältere Besucher. Obwohl sie primär als wissenschaftliche Mitarbeitern die Kunstgegenstände des Hauses katalogisieren und eine digitale Datenbank aufbauen soll, hat sie noch viel mehr vor.

Die in Münster lebende Kunsthistorikerin sprudelt geradezu über vor Ideen. Sie will digitale Medien einsetzen, Installationen präsentieren, Visuelles und Auditives bieten, und das alles generationenübergreifend. „Es gibt den neuen Begriff Edutainment, der beschreibt das ganz gut.“ Die Geschichte des Hauses soll dabei in unterhaltsamer Form geboten werden. Mit medialer Technik könnten beispielsweise Architekt Vagedes und Kunstmaler Bartscher im Eingangssaal visuell erscheinen und in ein Gespräch vertieft sein. „Es soll ein spannendes Erlebnis werden.“

Christine Kolm wünscht sich, dass Workshops angeboten werden, und dass die Schulen kommen. „Ich habe schon mit Frau Borisch gesprochen. Die vierten Klassen beschäftigen sich gerade mit dem Adel“, schmunzelt sie. Dass es sich dabei um die von-Ketteler-Schule in der von-Korff-Straße handelt, sei noch ein besonderer Aspekt der Geschichte.

„Wir wollen ein Kulturzentrum der Region werden und alle abholen.“ Das soll auch schon während der Restaurierungsarbeiten passieren, denn der Arbeitsprozess soll offen gestaltet und deutlich werden. Christine Kolm plant, einen Blog auf der Homepage zu platzieren, um über den Stand der Dinge zu informieren.

„Die Inszenierung des Hauses ist eine große Herausforderung, denn wir wollen, dass sich das Haus langfristig selbst trägt“, sagt die Kunsthistorikerin, die aber nicht nur das Haus Harkotten, sondern auch das gesamte Ensemble in ihre Überlegungen einbezieht. „Es soll ein Mini-Urlaub für die Familie werden. Wir wollen die alten Flurdenkmale wiederbeleben“, nehmen ihre Ideen kein Ende. Da gebe es die Liebestanne, die Gerichtslinde und die Frühstücksbuche, und es „wäre schade, wenn das verloren ginge“. Zudem läuft ein neues Projekt mit der Tourismusgemeinschaft, das die Wanderwege rund um Harkotten im Fokus hat. Es sollen ein Flyer und eine Wander-App entstehen.

Das große Ziel sei es, den ersten musealen Raum zum Weihnachtsmarkt 2019 zu eröffnen, und das soll die Eingangshalle sein, in der momentan kräftig gearbeitet wird. Ihr bisheriger Lieblingsraum ist allerdings das Landschaftszimmer, oder wie sie es nennt: „das Paradieszimmer“. „Das gefällt mir im Moment am besten. Das, was noch da ist, erzählt viel Geschichte, und Philipp Bartscher hat sehr märchenhaft gemalt.“ Auch die vielen Porträts der Familie seien interessant, denn durch sie werde Kunst erfahrbar. „Die Geschichte strahlt bis in die Region hinaus.“

Christine Kolm hat in Münster studiert, wohnt auch heute noch dort und schreibt an ihrer Dissertation. Beruflich war sie anschließend vier Jahre lang im Museum Abteil Liesborn tätig. „Ich habe viele Projekte mit Kindern gemacht“, berichtet sie. Seit gut zwei Jahren ist sie im wissenschaftlichen Beirat des Fördervereins für das Haus Harkotten aktiv und gewann dabei die ersten Eindrücke. Nun hofft sie, dass sie langfristig eine Perspektive erhält. Mit ihrem Enthusiasmus und ihren Ideen ist sie in jedem Fall eine Bereicherung für Haus Harkotten.

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