Westfassade wird saniert
Eingangshalle wird Schmuckstück

Füchtorf -

Mit 200 000 Euro im Gepäck kamen Sigrid Karliczek, Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, und Kristina Sauerstein von WestLotto am Dienstag zum Haus Harkotten. Mit dieser Förderung wird die Sanierung der Westfassade unterstützt.

Donnerstag, 20.12.2018, 12:00 Uhr
Der Fördervertrag wurde am Dienstag symbolisch überreicht (v. l.): Sigrid Karliczek, Myriam Freifrau von Korff, Hauptamtsleiter Martin Kniesel, Ferdinand Freiherr von Korff, Kristina Sauerstein, Christian Steinmeier, Restauratorin Eva Möllenkamp und Bernhard Bramlage,
Der Fördervertrag wurde am Dienstag symbolisch überreicht (v. l.): Sigrid Karliczek, Myriam Freifrau von Korff, Hauptamtsleiter Martin Kniesel, Ferdinand Freiherr von Korff, Kristina Sauerstein, Christian Steinmeier, Restauratorin Eva Möllenkamp und Bernhard Bramlage, Foto: Ulrich Lieber

„Es entsteht oft der Eindruck, dass wir mit Geld überschüttet werden, aber es wird dringend benötigt“, versichert Myriam Freifrau von Korff. „Ich war erschrocken, wie viele Baustellen es sind“, ergänzt Ferdinand Freiherr von Korff. Die Eigentümer sind für die große Unterstützung durch die Denkmalbehörde sehr dankbar. „Bei den Führungen stelle ich immer klar, wie hoch die finanziellen Belastungen sind“, erklärt Myriam Freifrau von Korff. Sigrid Karliczek macht zudem deutlich: „Förderungen gibt es nur, wenn auch Eigenmittel eingesetzt werden. Das darf man nicht vergessen.“

Oft wird erst während der Restaurierung festgestellt, wie groß die Schäden eigentlich sind. „Auf den Fotos sieht man die Risse nicht. Aber wenn man hier durchgeht, dann sieht man, dass noch viele Millionen nötig sind“, sagt Sigrid Karliczek.

„Das ist ein Herrenhaus, das für Familien gebaut wurde. Die Ansprüche waren natürlich damals anders als heute, aber es gab auch schon Komfort. Alle Räume wurden geheizt und es gab auf jeder Etage Aborte“, berichtet Architekt Bernhard Bramlage . „Bei der Sanierung stellt man oft noch weitere Dinge fest.“ Statische Risse müssen dann behoben oder der Putz fachlich restauriert werden. Dazu benötige man eine hohe Fachkompetenz. „Die Restauratoren und die Handwerksbetriebe leisten tolle Arbeit. Sie sind mit viel Sorgfalt und Sachverstand dabei.“

Bevor nun aber weitere Baustellen eröffnet werden, sollen erstmal die bestehenden fertiggestellt werden. In der Eingangshalle ist noch viel Arbeit, die aber im März beendet werden soll. Zudem ist derzeit die Fenstersanierung in Arbeit. „Alle Fenster sind historisch und werden mit alter Verglasung saniert“, erklärt Bramlage. Zum Teil seien die Fenster tatsächlich 200 Jahre alt. „Aber sie sind noch erstaunlich gut und technisch in Ordnung.“

Seit ein paar Wochen wird mit den Thermo-Hydrographen Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Räume gemessen (WN berichteten). „Wir haben festgestellt, dass bei feuchtem Wetter und großen Führungen die Luftfeuchtigkeit ansteigt. Aber es lässt sich alles mit intelligentem Heizen regeln“, sagt Myriam Freifrau von Korff.

Die Arbeiten werden wissenschaftlich durch Christian Steinmeier vom LWL begleitet. „Wir sind ein wenig in Verzug mit der Halle, weil die Mittel nicht immer so abgerufen werden können. Beim Reinigen wurde festgestellt, dass noch sehr viel mehr vorhanden ist als gedacht.“ Die Wand wird nun von den späteren Schichten behutsam befreit. Das Ergebnis gibt den Wissenschaftlern recht. „Das war die Verzögerung wert“, versichert Steinmeier.

Neben der Halle wird derzeit der Mittelbau der Westfassade saniert. Giebelkopf und Wappen wurden bereits von den Restauratoren bearbeitet. „Als nächstes steht der Balkon mit Säulen an. Dort gibt es statische Probleme. Sobald das Wetter es zulässt, wird an der Fassade weitergearbeitet“, sagt der Architekt.

Die Eingangshalle wird wohl bald ein echtes Schmuckstück werden. „Wir wussten gar nicht, dass der Raum komplett in Marmor war. Diese Erkenntnisse hatten wir gar nicht“, berichtet die Eigentümerin. Sie lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stiftung: „Das ist eine echte Freude.“

Für Bernhard Bramlage ist Haus Harkotten „eine Aufgabe, die sich lohnt“. Die Restaurierung sorge dafür, dass die Menschen auch in 100 und 200 Jahren Freude am Herrenhaus haben werden. „Das ist ein fantastisches Ensemble, das in sich geschlossen ist.“ Und Sigrid Karliczek ergänzt: „Das gibt es in dieser Form fast gar nicht mehr.“

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