Sassenberger restauriert Oldtimer
Das erste Auto zum Leben erweckt

Sassenberg -

Martin Rottmann steigt in den maisgelben Ford Taunus ein. Er dreht den Zündschlüssel um, der Motor springt sofort an, und ein zufriedenes Lächeln huscht über sein Gesicht. Er fährt den Oldtimer rückwärts aus der Garage und stellt sich zum Fototermin neben das seltene Gefährt.

Freitag, 19.04.2019, 05:24 Uhr aktualisiert: 19.04.2019, 06:01 Uhr
Martin Rottmann stellt stolz seinen frisch restaurierten Ford Taunus GT vor. Der ganze Stolz von Martin Rottmann ist dieser Peugeot 504 Cabrio, den er vor 20 Jahren restauriert hat.
Martin Rottmann stellt stolz seinen frisch restaurierten Ford Taunus GT vor. Der ganze Stolz von Martin Rottmann ist dieser Peugeot 504 Cabrio, den er vor 20 Jahren restauriert hat. Foto: Ulrich Lieber

Der ehemalige Nachrichtentechniker der Telekom hat sich zum 60. Geburtstag einen kleinen Traum erfüllt. „Das war das erste Auto, das ich als 18-Jähriger hatte. Nach einem halben Jahr habe ich dann schon einen Unfall gebaut“, erinnert sich Rottmann an das nur kurze Fahrvergnügen.

Es ist nicht der erste Wagen, den der Hobbyschrauber restauriert hat, denn zu jedem runden Geburtstag bringt er ein altes Fahrzeug auf Vordermann. Nachdem der Mercedes /8 200 D zum 50. Geburtstag fertiggestellt war, kam schnell die Idee, den Ford Taunus GT in exakt der damaligen Ausführung zu bauen. Als Vorlage diente ihm dabei unter anderem noch eine Originalzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ aus dem Jahr 1971. „Darin waren auch die Sitze abgebildet, denn die zu bekommen, war mit das Schwierigste“, berichtet der 60-jährige Sassenberger. Sie wurden nämlich nur von 1971 bis 1973 im GT verbaut. „Ein Sattler aus Rietberg hat sie mir schließlich gebaut.“

Doch zunächst musste Martin Rottmann erstmal einen Ford Taunus GT finden. Fünf Jahre dauerte die Suche im Internet, bis er endlich in Ostdeutschland fündig wurde. Ein Koch hatte den Wagen aus Kroatien gekauft, konnte ihn aber nicht restaurieren. „Zum Glück wollte er ihn aber auch nicht verhunzen und hat ihn mir verkauft“, freut sich Rottmann.

Zum Glück wollte er ihn aber auch nicht verhunzen und hat ihn mir verkauft.

Martin Rottmann

Umfangreiche Schweißarbeiten seien notwendig gewesen, denn an dem Fahrzeug sei viel gespachtelt worden. Zudem war der Wagen weiß und hatte den falschen Motor, einen 1,6-Liter mit vier Zylindern. „Ich hatte aber einen maisgelben Wagen mit Zwei-Liter-Motor und sechs Zylindern“, berichtet der Oldtimer-Experte.

Die Lösung war der Kauf eines zweiten Ford Taunus, der 25 Jahre in einer Halle gestanden hatte und den richtigen Motor besaß. „Der hat nur 78000 Kilometer gelaufen“, sagt Rottmann. „Ich habe immer ein zweites Auto als Ersatzteillager dabei, so habe ich alles doppelt und kann immer das beste Teil nehmen. Außerdem habe ich eine Vorlage“, verrät der Restaurator.

Ich habe immer ein zweites Auto als Ersatzteillager dabei, so habe ich alles doppelt und kann immer das beste Teil nehmen.

Restaurator Rottmann

Die Lackiererei Taflan in Warendorf hatte die Farbrezeptur maisgelb tatsächlich noch als Originalkarte. „Ich bin hochzufrieden“, strahlt Rottmann, der die Restaurierung nun zwar abgeschlossen hat, aber noch am Feintuning arbeiten muss. „Der Motor läuft noch nicht ganz rund, und die Hinterachse macht Geräusche.“

Die Faszination des Schraubens hat Martin Rottmann schon sehr früh gepackt. Schon als Zehnjähriger hatte er mit einem Freund ein Moped zusammengebaut. „Mein Vater sagte damals, wenn ihr das zum Laufen bringt, dann dürft ihr auf der Wiese fahren“, schmunzelt der heute 60-Jährige. Klar, dass die beiden das schafften. Mit elf Jahren war schon das erste Auto in seinem Besitz. „Das war ein alter Käfer. Damals wurde der Feldmarksee ausgebaggert, und wir sind auf der Fläche gefahren.“ Den Käfer hatte er vom Schrott gekauft, und finanziert wurde es durch Pfandflaschen sammeln.

Eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker wollte er dennoch nicht absolvieren, stattdessen wurde er Nachrichtentechniker. Aber durch seinen guten Freund Helmut Vennemann, später Kfz-Meister, lernte er jede Menge. „Er hat mir alles beigebracht.“ Mit 25 Jahren startete Rottmann sein erstes richtiges Projekt, einen Fiat Cabrio, den er als Schrottwagen für 600 Mark kaufte und restaurierte. „Der war rundum zerbeult, dabei habe ich mir das Schweißen beigebracht.“ Es folgte fünf Jahre später ein Alpha Romeo GT Junior, und zum 40. Geburtstag ein Peugeot 504 Cabrio. „Das ist mein Lieblingswagen“, gesteht Rottmann.

Damit untertreibt der 60-Jährige sogar noch ein wenig, denn eigentlich: „ist der Peugeot mein Leben. Er hat mich durch schwere Zeiten gebracht“. Die Idee war damals, ein ganz seltenes Auto zu besitzen, und von diesem Peugeot wurden in 13 Jahren nur 8900 gebaut. Heute gebe es vielleicht noch 400. Die Restaurierung sei damals sehr aufwendig, und erst der zweite gekaufte Peugeot sei gut genug zur Reparatur gewesen. „Damals gab es zum Glück bei Peugeot noch Ersatzteile.“ Mit dem Ergebnis ist der Sassenberger hochzufrieden. „Das ist mein ganzer Stolz. Ich bin auch im Peugeot-Club 504 CCC, und wir haben schon ganz Europa bereist.“ Der Höhepunkt sei 2010 eine zweiwöchige Fahrt durch Tunesien gewesen. „Zwei Wochen später war der arabische Frühling.“

Zum Glück ist seine zweite Ehefrau Sabine Czalinna ebenfalls vom Autovirus befallen und unterstützt ihren Mann auf allen Ebenen. „Die Grundvoraussetzung ist, dass man Platz hat, denn es dauert oft über vier Jahre, bis ein Wagen fertig ist.“ Den Platz bietet die ehemalige Scheune, die er noch mit seinem Vater umgebaut hat. Dort stehen Hebebühne und mehrere Räume zur Verfügung.

Eigentlich ist Martin Rottmann nun mit der Arbeit fast fertig, und ein weiteres Fahrzeug noch in weiter Ferne. „Wenn so ein Auto fertig ist, dann ist das toll. Aber dann fehlt auch etwas“, gesteht Rottmann. Kein Wunder, dass er im Hinterkopf schon die nächste Idee hat: „Zum 70. fände ich es nicht schlecht, einen Oldtimer auf Elektroantrieb umzustellen.“

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