Insektensterben seit Jahrzehnten bekannt
Auf bunte Vielfalt im Garten setzen

Sassenberg -

Mehr als 30 000 Insektenarten sind in Deutschland beheimatet. Doch egal ob Libellen, Fliegen, Käfer oder Schmetterlinge – ihre Population sinkt.

Freitag, 24.05.2019, 12:00 Uhr
Dr. Berit Philipp referierte im Sitzungssaal des Rathauses über das Insektensterben und gab viele Tipps, wie jeder den Tieren helfen kann. Denn ihr Überleben ist für die Natur immens wichtig.
Dr. Berit Philipp referierte im Sitzungssaal des Rathauses über das Insektensterben und gab viele Tipps, wie jeder den Tieren helfen kann. Denn ihr Überleben ist für die Natur immens wichtig. Foto: Christopher Irmler

„Das Insektensterben ist seit Jahrzehnten bekannt“, betonte nun Dr. Berit Philipp von der NABU-Naturschutzstation Münsterland . Im Sitzungssaal des Rathauses referierte sie am Dienstagabend vor rund 30 Zuhörern über Möglichkeiten, die Artenvielfalt zu fördern.

Die Ursachen für die teils dramatisch gesunkenen Populationszahlen seien vielfältig. Neben der Versiegelung von Flächen, der Intensivierung der Landwirtschaft, der Zerstörung von Wasserlebensräumen sei auch die immer naturfernere Gartengestaltung ein Faktor. In Schottervorgärten etwa fänden Insekten weder Nahrung noch eine angemessenen Lebensraum. Doch das Fehlen von Insekten in der Nahrungskette falle es Singvögeln immer schwerer, den eigenen Nachwuchs mit Nahrung zu versorgen. Entsprechend sinke auch deren Population. Zudem sorgten Insekten für die Bestäubung heimischer Blumen und Pflanzen, verbreiteten Samen und trügen zur Zersetzung von Nährstoffen bei.

Wer nun denke, selbst keinen Beitrag leisten zu können, irre. „Auch ein Garten ist ein kleiner Lebensraum.“ Dr. Philipp empfiehlt, auf eine bunte Vielfalt heimischer Pflanzen zu setzen. Ideal sei ein quasi das gesamte Jahr über blühender Garten mit Frühblühern wie Krokussen, Primeln und Schneeglöckchen sowie ein- und mehrjährigen Pflanzen wie Sonnenblumen einerseits sowie Königskerzen und Stockrosen andererseits. Auch Obstbäume und Kräuter seien empfehlenswert. Im Kern gehe es darum, die recht sterile Rasenfläche durch blühende Vielfalt zu ersetzen. „Es muss ja nicht der ganze Garten verwildert sein.“ Wilde Ecken mit Laubhaufen seien ausreichend, um den Insekten auch im Winter einen Lebensraum zu geben.

Grundsätzlich, so Dr. Philipp, müssten viel mehr Brachflächen entstehen. Im Rahmen der folgenden Diskussion monierten einige Zuhörer auch das allzu „deutsche“ Verhalten vieler Mitbürger sowie der Stadtverwaltung. So würden städtische Flächen oft der Einfachheit halber als Rasenflächen gestaltet und gemäht, damit es „ordentlich“ und „sauber“ aussehe. Naturnah seien diese Areale keineswegs.

Bürgermeister Josef Uphoff zeigte einerseits Verständnis, verwies jedoch zugleich auf kommunale Pflichten. Zudem forderten die Anwesenden, die Verwaltung solle sich stärker für eine grünere, nachhaltigere Stadt einsetzen und die Bürger dabei unterstützen.

Zwei Bausteine könnten die Projekte „8Plus summt auf“ und „Bachpatenschaften in der 8Plus-Region“ sein. Beide hatte Dr. Philipp an diesem Abend im Rathaus vorgestellt. Bei „8Plus summt auf“ geht es darum, die Insektenvielfalt in acht Kommunen des Kreises Warendorf zu fördern. Dabei sollen Blühflächen angelegt werden, Obstbäume gepflanzt werden und Saatgutmischungen aus der Region verteilt werden. Auch Firmen und Behörden könnten einen Beitrag leisten. „Oft sind das grüne Rasenflächen, die alle zwei Wochen gemäht werden.“ Im Falle der Bachpatenschaften soll das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung gefördert werden. „Es geht darum, Verantwortung für ein Gewässer vor der Haustür zu übernehmen.“ Dazu sollen Kindergärten und Grundschulen ins Boot geholt werden, um den Artenschütz „vor der Haustür“ frühzeitig voranzutreiben.

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