130 Jahre Bücherei in Sassenberg
Doppeljubiläum für Bücherfreunde

Sassenberg -

Die Sassenberger Bücherei feiert einen besonderen Geburtstag. Vor 130 Jahren wurden die ersten Bücher verliehen.

Samstag, 29.06.2019, 13:00 Uhr
Bücherei mit Leidenschaft: Hiltraut Bergmann und Alexandra Kruse blättern in mehr oder weniger historischen Unterlagen.
Bücherei mit Leidenschaft: Hiltraut Bergmann und Alexandra Kruse blättern in mehr oder weniger historischen Unterlagen. Foto: Ulrike von Brevern

Ganz unten in dem Plastik-Schnellhefter, den Büchereileiterin Hiltraut Bergmann von ihrer Vorgängerin Cilly Rutemöller übernommen hat, steckt das bislang älteste bekannte Dokument über die Katholische Büchereiarbeit in Sassenberg: Ein gelbgeflecktes Formular, das mit schwarzer Tinte in feiner Sütterlinschrift ausgefüllt Auskunft gibt über die Nutzerdaten von 1924. Dass in Sassenberg schon viel länger leihweise gelesen wird, darüber bestand beim Büchereiteam nie Zweifel. Nur seit wann? Die Antwort auf diese Frage blieb lange im Vagen.

Nun hat Bergmann das Rätsel mit einiger Hartnäckigkeit gelöst: 1889 registrierte das Bistum die ersten Sassenberger Einzahlungen für den Borromäus-Verein – ein sicheres Zeichen dafür, dass eine Bücherei gegründet war. Damit kann in diesem Jahr gleich ein doppeltes Jubiläum gefeiert werden: Die Bücherei besteht seit 130 Jahren, und vor genau 20 Jahren bewahrten engagierte Bücherfreunde sie vor dem unvermeidbar scheinenden Aus.

Mitgliedsbeiträge in Höhe von 46,50 Mark

1889 zahlten Sassenberger genau 46 Mark und 50 Pfennig an Mitgliedsbeiträgen beim „Verein vom Heiligen Karl Borromäus zur Förderung des katholischen Lebens und zur Begünstigung guter Schriften und Bücher” ein, um ihre Leihbücherei zu begründen. 1898, als zum ersten Mal ausgeliehen werden konnte, sind 33 Vereinsmitglieder und damit Leser registriert. Erst ab 1900 durften auch Nicht-Mitglieder lesen.

Das Jahr 1924 gehörte mit zu den leserstärksten der ersten 50 Jahre. 2100 „Seelen“, wohlgemerkt nur katholische, gehörten zum potenziellen Nutzerkreis, 158 von ihnen waren Leser. Die Bücherei befand sich in der Kaplanei an der Elisabethstraße, wo sie vor wenigen Jahren während der Bauarbeiten für das neue Pfarrheim für kurze Zeit erneut Unterschlupf fand. Der Kaplan leitete die Ausleihe „sonntags nach dem Hochamt“ gemeinsam mit drei Hilfskräften.

Die Nationalsozialisten bekämpften die Leihbücherei auch in Sassenberg mit Erfolg. 1934 gab es gerade noch 79 bekennende Leser. Doch die Zahl erholte sich bereits ab Ende der 30er Jahre wieder.

Nach dem Krieg übernahmen dann auch Laien die Leitung. Anfang der 60er Jahre stand für kurze Zeit die Schülerin Gertrud Horstmann an der Spitze. Von ihren neun Mitarbeitern waren sieben unter 19 Jahre alt und damit minderjährig.

Bücherei zieht 1969 ins Pfarrheim um

1969 zog die Bücherei ins Pfarrheim. Der zweite Entleihtag, der in den 70er Jahren samstags hinzugekommen war, wechselte 1984 auf den heute bekannten Mittwoch. „Dann ist der Mittwoch gar nicht so in Stein gemeißelt“, schmunzelt Bergmann überrascht.

Doch dann begann der Niedergang. Eine Statistik des Bistums aus dem Jahr 1993/94 belegt: Der Bestand wächst, die Zahl der Ausleihen sinkt dramatisch. Es gibt gerade noch 91 Leser. Zum Vergleich: in Füchtorf waren des 241. „Deutlicher kann man kaum sagen, dass am Bedarf vorbei gearbeitet wurde“, bekennt Bergmann.

Ein neues Team stemmte sich gegen den Verfall. Im August 1999 übernimmt Cilly Rutemöller die ehrenamtliche Leitung und sicherte sich „mit einer flammenden Rede bei Bürgermeister Schwienheer“, so Bergmann, die Unterstützung der Stadt. Fast ein Drittel der Medien wird aus dem Bestand gefegt und das jetzt 23-köpfige Team orderte neu.

Die Trendwende gelingt. 2002 war die Schallmauer von 10.000 Ausleihen geknackt. Rund 370 Leser werden heute mit aktuellstem Lesestoff versorgt. Wegen der besonders hohen Ausleihzahlen darf die Bücherei gut ein Drittel mehr Medien im Bestand haben als üblich, erläutert Bergmann: „Die sind ja nicht da.“

Für die viele Ideen des aktiven Teams –vom Einrichten einer Comic-Abteilung über die Digitalisierung bis zum Vorlesetheater Kamishibai – reicht der reguläre Haushalt gar nicht aus. Daher wird das Jubiläum heute als erstes nicht nur mit langjährigen Mitarbeitern, sondern auch mit den immer wieder bereitwilligen Sponsoren gefeiert.

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