Konzertlesung der Flüchtlingshilfe
„Odysseus“ erweist sich als Erfolg

Sassenberg -

Als erfolgreiches Experiment erwies sich die Konzertlesung aus dem Roman „Odysseus aus Bagdad“ des französischen Erfolgsautors Eric-Emmanuel Schmitt, zu der die Flüchtlingsinitiative von Stadt und Kirchen ins Pfarrheim eingeladen hatte.

Dienstag, 05.11.2019, 12:00 Uhr
Das Trio „ReziTon“ – Susanne Seipel, Wolfgang Borgmann und Knut Neuschäfer – überzeugte bei der ersten, von der Flüchtlingshilfe organisierten Konzertlesung.
Das Trio „ReziTon“ – Susanne Seipel, Wolfgang Borgmann und Knut Neuschäfer – überzeugte bei der ersten, von der Flüchtlingshilfe organisierten Konzertlesung. Foto: Ulrike von Brevern

Die Organisatoren hatten im Vorfeld „zwischendurch schon ein mulmiges Gefühl, ob eine Konzertlesung das richtige für die Flüchtlingshilfe“ sei, gab Sprecherin Elisabeth Lückewerth bei der Begrüßung zu. Doch sie konnten schon zum Auftakt beruhigt sein: Für die rund 60 Zuhörer mussten noch Stühle nachgestellt werden. Im Sinne des Integrationsgedanken, der mit der Veranstaltung belebt werden sollte, waren auch einige Geflüchtete gekommen.

„Odysseus aus Bagdad ist vordergründig eine Fluchtgeschichte, aber handelt hintergründig über unser aller Leben“, schickte Rezitator Knut Neuschäfer der Lesung voran. Episoden aus drei wichtige Stationen des Romans hatte der Beckumer ausgewählt: Die behütete Kindheit des Protagonisten Saad Saad in einem von Diktator Saddam Hussein beherrschten Irak, die große Liebe des jungen Mannes in Bagdad, der eine Panzerrakete das Ende bereitet, und die teils glückliche, teils tragische Flucht, zu der ihn seine Familie nach dem Tod des Vaters schließlich drängt.

Der Vater hatte den pubertierenden Jungen in ein Geheimnis eingeweiht: sein „Babel für die Hosentasche“. Im Keller hatte der Bibliothekar im Irak verbotene Bücher gesammelt, um die Tradition der freien irakischen Geisteskultur wachzuhalten. „Ich fand Geschmack am Lesen und an der Freiheit“, sagt Saad. „Denn beides ist das Gleiche.“

Die Auswahl der Textpassagen, die nicht nur die Geschichte, sondern auch die intelligente Konstruktion des Romans abbildeten, kam beim Publikum ebenso gut an, wie der besonnene Vortrag des Rezitators. Susanne Seipel und Wolfgang Borgmann überzeugten mit Songs, die – mal temperamentvoll, mal behutsam – die Texte, musikalisch fortführten. Dass die selbst gemachten orientalischen Leckereien angesichts der großen Besucherzahl schnell verschwunden waren, beeinträchtigte die lebhaften Pausengespräche nicht.

Nach der Pause folgte mit dem Weg des Protagonisten über das Mittelmeer emotional härtere Kost. Das Hallelujah“ von Leonard Cohen setzte den musikalischem Schlusspunkt. Aus dem Publikum, das den Abend über gebannt gelauscht hatte, kam die Bitte nach Wiederholung des Titels. Dass die Zuhörer seiner Aufforderung zum Mitsingen nachkamen, rührte Gitarristen Wolfgang Borgmann sichtlich: „Eine solche Stimmung trifft man eher selten.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7042818?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F130%2F
FMO will bis 2030 klimaneutral sein
Flughafen Münster/Osnabrück: FMO will bis 2030 klimaneutral sein
Nachrichten-Ticker