Studie zur Klärschlammentsorgung
Engpässe sind programmiert

Sassenberg -

Die Klärschlammverwertung und -entsorgung wird für die Gemeinden zunehmend zum Problem. Eine Studie des Ingenieurbüros Frilling+Rolfs, die Dennis Ahlhorn im Betriebsausschuss am Dienstag vorstellte, verweist darauf, dass die landwirtschaftliche und landbauliche Verwertung seit Jahren kontinuierlich abnimmt.

Donnerstag, 07.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 16:00 Uhr
Aufgrund möglicher Schadstoffbelastung von Boden, Pflanzen oder Grund- und Oberflächenwasser ist die Nutzung des Klärschlamms als Düngemittel schon längere Zeit umstritten.
Aufgrund möglicher Schadstoffbelastung von Boden, Pflanzen oder Grund- und Oberflächenwasser ist die Nutzung des Klärschlamms als Düngemittel schon längere Zeit umstritten. Foto: privat

Dieses begründet sich sowohl aus den sich verschärfenden gesetzlichen Bedingungen zur Verwertung, als auch aus Konkurrenzsituationen zwischen Klärschlamm und Wirtschaftsdünger. Zentrales Element dieser neuen Klärschlammverordnung sind die Pflichten zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm beziehungsweise Klärschlammverbrennungsaschen. Aufgrund der derzeitig thermischen Verwertung des Klärschlammes gilt für die Kläranlage Sassenberg eine Pflicht zur Phosphorrückgewinnung ab 2032.

Grundsätzlich kann in Deutschland Klärschlamm durch stoffliche oder thermische Verwertung entsorgt werden. Aufgrund möglicher Schadstoffbelastung von Boden, Pflanzen oder Grund- und Oberflächenwasser ist die Nutzung des Klärschlamms als Düngemittel schon längere Zeit umstritten. Es werden somit nur noch sehr schadstoffarme Klärschlämme landwirtschaftlich verwertet werden können.

Die vorhandenen Kapazitäten in Mitverbrennungsanlagen sind jedoch begrenzt. Schon heute werden Kohlekraftwerke nicht mehr als Grundlastkraftwerke zur Stromerzeugung genutzt, sondern nur noch zur Spitzenabdeckung gefahren. Mit dem „Kohleausstieg“ verknappen sich die Kapazitäten weiter. Die sich, auch bei der thermischen Verwertung, ergebenden Engpässe müssen durch Zwischenlagerung des zur Verwertung anstehenden Klärschlamms kompensiert werden. Darum empfiehlt Ahlhorn eine möglichst große Zwischenlagerungsmöglichkeit in Form einer Schlammlagerhalle, die rund 285 Kubikmeter Schlamm fasst. Die Kosten belaufen sich auf rund 500 000 Euro. „Das hat den Vorteil, dass Entsorgungsnotstände überbrückt werden können. Container bergen das Risiko, dass sie mal nicht abgeholt werden können“, sagte Ahlhorn.

„Die Lagerkapazität halte ich nicht für sinnvoll. Wir sollten die Entsorgung im Fluss halten“, sagte Johannes Philipper (FDP). „Auch wenn sie Verträge haben, haben Sie keine Sicherheit“, entgegnete Jürgen Varnhorn vom Ingenieurbüro. Werner Ber­heide ( CDU ) schlug vor, nach einer interkommunalen Lösung zu suchen, denn letztlich seien ja alle Gemeinden betroffen.

„Desto mehr bei uns gelagert wird, desto erpressbarer werden wir“, meinte Rüdiger Völler (CDU). Das sah auch Philipper so: „Das Problem der finalen Entsorgung ist nicht gelöst. Wir planen ins Blaue.“ „Es werden alle in der thermischen Verwertung landen und dies ist nicht ausreichend verfügbar, deshalb wäre die Halle ein Puffer“, sagte Varnhorn. „Wir müssen Spielraum haben, aber den überkommunalen Denkansatz beibehalten“, sagte Alfons Westhoff (CDU).

Am Ende wurde noch nichts beschlossen und die Verwaltung beauftragt, Kontakt zu den anderen Kommunen im Kreis aufzunehmen, um eine interkommunale Lösung zu finden.

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