25 Jahre Vorstandsarbeit bei urgewald: Interview mit Hedwig Tarner
Klimafrage muss gelöst werden

Seit 25 Jahren ist Hedwig Tarner im Einsatz für die Sassenberger Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. Anlässlich dieses Jubiläums sprach WN-Redakteur Ulrich Lieber mit der engagierten Aktivistin.

Freitag, 08.11.2019, 12:00 Uhr
Hedwig Tarner ist seit 25 Jahren im Vorstand von urgewald tätig und hat dabei viele positive Erfahrungen gesammelt.
Hedwig Tarner ist seit 25 Jahren im Vorstand von urgewald tätig und hat dabei viele positive Erfahrungen gesammelt. Foto: Ulrich Lieber

Sie sind seit mehr als 25 Jahren Mitglied bei urgewald. Wie kamen Sie mit der damals sehr jungen Organisation in Kontakt?

Hedwig Tarner : Das war vor allen Dingen die Ausstrahlung von Heffa Schücking , wir waren in den gleichen Kreisen und bei den Grünen zusammen aktiv. Wir haben eine Zeitlang sogar zusammen gewohnt. Heffa hatte durch ihr Biologiestudium Menschen kennengelernt, die in der Regenwald-Schutzarbeit tätig waren. So bin ich dann Mitglied bei urgewald geworden, und irgendwann kam die Frage, ob ich Lust habe, Vorstandsarbeit zu machen.

Seit wann sind Sie im Vorstand von urgewald tätig?

Hedwig Tarner: Seit 1994 bin ich im Vorstand. Das waren noch ganz andere Zeiten. Es war eine Zeit, in der es ganz normal war, die Umwelt auszubeuten und immer die Wachstumsphilosophie zu haben, dass es der Wirtschaft immer gut gehen muss, damit es auch den Menschen gut geht. Aber es musste damals schon der Preis dafür bezahlt werden, zum Beispiel durch das Baumsterben.

Was sind Ihre Aufgaben für die Organisation?

Hedwig Tarner: Ich würde mich als Alarmsystem von außen sehen. Bei urgewald arbeiten mittlerweile über 20 Mitarbeiter hauptamtlich an den wichtigen Themen. Wir sind dafür da, die Inhalte voran zu bringen und vorzugeben, wie es weitergeht. Der dreiköpfige Vorstand vertritt den Verein, und ganz wichtig, wir sind die Arbeitgeber und unterschreiben die Arbeitsverträge. Wir achten darauf, dass die Mitarbeiter zusammenpassen. Es herrscht bei urgewald ein ganz tolles Klima, aber natürlich passiert es auch, dass Dinge schief laufen. Das müssen wir dann als Vorstand lösen. Irgendwann stoßen wir im Ehrenamt aber auch an unsere Grenzen, dann haben wir uns Hilfe von außen geholt, zum Beispiel unser Steuerberaterbüro.

Wie wichtig ist urgewald für unsere Gesellschaft?

Hedwig Tarner: Ich bin ein Anhänger davon, dass es belegbare Fakten gibt, so dass man alles nachvollziehen kann - dafür steht urgewald. Wir machen Recherchen und sagen, wer an problematischen Unternehmen und ihren Projekten beteiligt ist. Da bleiben keine ungeklärten Leerstellen stehen, sondern es wird mit einer unheimlichen Akribie immer weiter nachgeforscht. In einer Zeit, in der alle über alternative Fakten diskutieren, ist dies ganz wichtig.

Sie waren von 1995 bis 2000 als Landtagsabgeordnete der Grünen in Düsseldorf. Konnten Sie urgewald in Ihrer dortigen Funktion politisch unterstützen?

Hedwig Tarner: Das war richtig spannend während dieser Zeit. Da gab es die WestLB noch, die riesige Kredite für die Ölpipeline in Ecuador bewilligt hatte. Wolfgang Clement war damals der Landesvater, und da wurden Diskussionen vor Ort geführt. Es war eine Verzahnung der Landespolitik mit den Themen von urgewald. Das hat wirklich Spaß gemacht. Durch diese fünf Jahre im Landtag habe ich viele Beziehungen aufbauen können, die ich auch heute noch nutzen kann. Die Zeit im Landtag war aber auch verletzend, und urgewald hat viel zur Heilung beigetragen, denn hier werde ich wertgeschätzt.

Sie haben im Jahr 2009 das Bundesverdienstkreuz für ihr politisches und ehrenamtliches Engagement erhalten. Unter anderem waren Sie für die Grassroots-Stiftung in Düsseldorf tätig. (Unterstützt zivilgesellschaftliche Bewegungen in ihrem Bestreben, die Umwelt zu schützen und Menschenrechte einzuhalten.) Sind Sie dort noch engagiert?

Hedwig Tarner: Das ist mein Arbeitgeber. Ich arbeite für die Grassroots-Foundation, das ist eine Stiftung, die auch einige Projekte von urgewald unterstützt. Das ist ein richtig schöner Synergieeffekt. Auf der einen Seite bin ich in der Stiftung und sehe, was die Stifter erwarten, wenn ich mit dem Stifterrat diskutiere. Auf der anderen Seite sehe ich bei urgewald, woran es eventuell hapert und warum der Bericht vielleicht etwas zu detailfreudig und damit manchmal zu leblos geschrieben ist.

Was sind Ihre Ziele für die nähere Zukunft?

Hedwig Tarner:    Ich möchte andere Umgangsformern umsetzen. Ich bin ja auch grüne Kreissprecherin, bin im Kreistag und im Regionalrat tätig. Das ist eine andere Ebene. Auch dort versuche ich, ein Motor fürs Wertschätzen zu sein: denn wenn eine anfängt, werden die anderen hoffentlich mitmachen.

Was wird das nächste Projekt von urgewald?

Hedwig Tarner: Urgewald arbeitet an den verschiedensten inhaltlichen Punkten, das ist unsere Arbeitsweise. Wir setzen uns als Vorstand zwei Mal im Jahr zusammen und diskutieren dann, was im letzten halben Jahr war, wo wir stehen und wie es weiter geht. Ein wichtiger Punkt ist einfach die Finanzierung von Kohleenergie aufzubrechen. Das ist im Moment unserer wichtigstes Thema. Wenn wir diese Klimafrage nicht relativ schnell ordentlich gelöst haben, dann wird der Spielraum für alle anderen Dinge in unserem Leben eng.

Wie sieht Ihr Fazit nach 25 Jahren Engagement für urgewald aus?

Hedwig Tarner: Dass es manchmal Zeiten gab, die ich durchaus hart gefunden habe. Vor allem 2008, als die ganze Finanzierung unserer Arbeit in Frage gestellt worden ist. Wir hatten die Sorge als Arbeitgeber, wie wir es schaffen können, dass wir Geld bekommen, damit unsere Mitarbeiter weiter arbeiten können. Aber ansonsten gab es sehr viele positive Erfahrungen. Wir sind hier in Sassenberg Exoten, wir werden von vielen auch als Exoten angesehen, aber wir werden auch von vielen Seiten geschätzt und unterstützt.

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