Vortrag von Familienzentrum und Haus der Familie in der Kita „Blauland“
Begleitung auf dem Weg zur linken Hand

Füchtorf -

Früher wurden Linkshänder auf die rechte Hand umerzogen. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Diplom-Sozialpädagoge Matthias Wüstefeld ist Linkshänder-Berater und referierte zu diesem Thema.

Freitag, 07.02.2020, 14:28 Uhr
Der Diplom-Sozialpädagoge Matthias Wüstefeld aus Münster referierte auf Einladung von Kita-Leiterin Nadja Sowa über das Thema Linkshändigkeit.
Der Diplom-Sozialpädagoge Matthias Wüstefeld aus Münster referierte auf Einladung von Kita-Leiterin Nadja Sowa über das Thema Linkshändigkeit. Foto: Christopher Irmler

Zu einem Vortrag zum Thema Linkshändigkeit luden das Haus der Familie und das Familienzentrum Füchtorf in die Kita „Blauland“ ein. Schon vor einigen Jahren, so berichtet „Blauland“-Leiterin Nadja Sowa , habe das Familienzentrum zu diesem Thema eingeladen. Doch damals sei das Angebot auf wenig Interesse gestoßen. Nun kam der Impuls von Seiten einiger Eltern von Kindergartenkindern, den das Familienzentrum aufgriff. Rund 20 Erwachsene nahmen in der Turnhalle Platz.

Diplom-Sozialpädagoge Matthias Wüstefeld ist Linkshänder-Berater und Feinmotoriktherapeut. Die Grundlage seines Vortrags sei sein Erfahrungsschatz aus jahrzehntelanger Arbeit, betonte der Referent. „Ich gehöre zu der Generation, die in der Schule darauf hingewiesen wurde, mit der anderen Hand zu schreiben“, so der 60-Jährige. Entsprechend wurde er vom Links- zum Rechtshänder. Diese Zeiten seien zwar mittlerweile vorbei und auch Wüstefeld selbst schulte sich wieder zurück zum Linkshänder. „Linkshändigkeit ist kein Makel, aber wir leben in einer Welt, die für Rechtshänder optimiert ist.“

Dies habe mitunter gravierende Folgen für Linkshänder. „Musikinstrumente und Arbeitsgeräte sind meistens für Rechtshänder konzipiert. Mir ist in ganz Deutschland nur eine Akku-Säge für Linkshänder als echte Ausnahme bekannt.“ Wüstefeld erlernte zunächst den Beruf des Feinmechanikers. „Ich fand dabei keine einzige Maschine, die ich mit links hätte bedienen können.“ Auch einer seiner Söhne machte negative Erfahrungen in der „Handfrage“: Er erlernte als vermeintlicher Rechtshänder in der ersten Klasse das Spiel auf der Geige. Die Euphorie sei jedoch schnell Frustration und Tränen gewichen.

Mindestens jeder Fünfte in Deutschland sei Linkshänder und nach wie vor gelte es als „normal“, mit rechts zu schreiben und zu arbeiten. „Ich begleite Kinder, Eltern und Erwachsene auf dem Weg zur linken Hand.“ Die Händigkeit sei bereits bei der Geburt festgelegt und hänge mit der Frage zusammen, welche der beiden Hirnhälften die dominante sei. In den 1920er und 30er Jahren habe es Bemühungen gegeben, Schülern eine Beidhändigkeit beizubringen. Doch deren Erreichen bleibe ein Mythos, so der Münsteraner. „Man kann nicht beide Hände gleich fördern.“ Wer Linkshänder sei müsse sich dafür nicht schämen und solle dies auch bleiben dürfen. Wüstefeld bezeichnet seine Arbeit daher auch als „Begleiter von Erwachsenen auf dem Weg zu ihrer Identität als Linkshänder“.

 

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