Justizminister im Zauberland
Gefangenenprojekt „Manpower“ überzeugt Biesenbach

Sassenberg -

Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach hat sich in Sassenberg das Projekt „Manpower“ angesehen und war davon sehr überzeugt.

Samstag, 22.02.2020, 11:56 Uhr aktualisiert: 23.02.2020, 13:40 Uhr
Justizminister Peter Biesenbach tauschte sich mit Kerstin Höltkemeyer Schwick (JVA Bielefeld-Senne) und Bürgermeister Josef Uphoff über die guten Erfahrungen mit „Manpower“ aus.
Justizminister Peter Biesenbach tauschte sich mit Kerstin Höltkemeyer Schwick (JVA Bielefeld-Senne) und Bürgermeister Josef Uphoff über die guten Erfahrungen mit „Manpower“ aus. Foto: Ulrike von Brevern

Hoher Besuch in der Kita Zauberland: Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach kam, um mehr über „Manpower“ zu erfahren, ein nicht nur landes-, sondern sogar bundesweit einmaligen Projekt, bei dem die Stadt Sassenberg und die Justizvollzugsanstalt Gröblingen kooperieren. Im Rahmen von „Manpower“ haben seit 2018 mehr als 70 Strafgefangene aus dem dortigen offenen Vollzug in ihrer Freizeit ehrenamtlich Außenanlagen aller Sassenberger Kitas gepflegt und gestaltet.

Mit „Manpower“ seien „alle Wünsche erfüllt, die ein Justizminister für den offenen Vollzug nur haben kann, lobte Biesenbach. Es strahle Botschaften in zwei Richtungen: zum einen sei ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft unverzichtbar. Zum anderen ermögliche das Projekt Strafgefangenen eine sinnstiftende Tätigkeit, bei der sie Respekt erleben könnten. „Sie haben in mir einen Botschafter gefunden“, betonte Biesenbach auch in Richtung von Kerstin Höltkemeyer-Schwick, Leiterin der JVA Bielefeld-Senne, nach eigenen Angaben Europas größter Einrichtung für den offenen Vollzug, der Gröblingen als Außenstelle untersteht. Er wolle sich für die Projektidee einsetzen.

Bürgermeister Josef Uphoff, der sich bei der JVA für ein „ganz, ganz tolles Projekt mit ganz, ganz tollen Ergebnissen“ bedankte, machte als einen Schlüssel zum Erfolg die offene Kommunikation aus. So seien berechtigte Sorgen in Eltern- und Nachbarschaft frühzeitig zerstreut worden. Inzwischen sei „Manpower“ eine klassische „Win-Win“-Situation.

Unbestrittener Motor ist Volker C. (Name geändert), der als Landschaftsgärtner über das notwendige Knowhow verfügt. Der Strafgefangene hatte „Manpower“ im Herbst 2018 in Gröblingen angeschoben. In über 50 Einsätzen haben Strafgefangen seitdem rund 1550 Arbeitsstunden in Sassenberg geleistet. Es habe anfangs viel Skepsis gegeben, berichtete C. dem Minister. Doch unter den Gefangenen habe sich der Wert des Projekts schnell herumgesprochen und ihr Einsatz sei „unglaublich“. „Wenn wir abends nach Hause fahren, sind alle platt, der Kopf ist frei und niemand kommt auf komische Gedanken.“

Aus dem Kitaträger-Rettungspaket stellte die Stadt Material im Wert von rund 80 000 Euro zur Verfügung. Tonnenweise Sand und Mutterboden wurden überwiegend per Muskelkraft verarbeitet, Pflaster frisch verlegt, Spielgeräte abgeschliffen und lackiert oder gleich ganz ersetzt. Die Strafgefangen hätten sich vorbildlich verhalten, streicht Sozialamtsleiter Helmut Helfers heraus. Beschwerden habe es nie gegeben.

Als „sehr zuverlässig“ hat auch Zauberlandleiterin Borchers die Helfer erlebt die nur kamen, wenn keine Kinder auf dem Gelände waren. Sie erinnert noch einmal daran, wie das inzwischen schmucke Außengelände vorher aussah. „Man vergisst den Zustand sehr schnell.“

Das Projekt läuft in Sassenberg weiter, der organisatorische Schwerpunkt ist seit neuesten allerdings in die JVA-Außenstelle Westkirchen gewechselt. Auch da hat C. bereits wieder knapp 20 Mann für das Ehrenamt begeistert.

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