Besuche im Altenzentrum St. Josef eingeschränkt
Herausforderung fürs Pflegepersonal

Sassenberg -

Vor allem ältere Menschen gehören zu den gefährdeten Personen in der Coronakrise. Entsprechend umfangreich sind die Maßnahmen, die im Altenzentrum getroffen worden sind.

Mittwoch, 18.03.2020, 11:01 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 16:52 Uhr
Das Altenzentrum St. Josef hat seine Vorkehrungen getroffen und die Besuche stark eingeschränkt
Das Altenzentrum St. Josef hat seine Vorkehrungen getroffen und die Besuche stark eingeschränkt Foto: Ulrich Lieber

Das Coronavirus bestimmt derzeit unser Leben. Die Senioren gehören zu den am meisten gefährdeten Menschen. Entsprechend umfangreich sind die Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um sie zu schützen. „Wir sind am Samstag vom Kreis angerufen worden, aber wir hatten schon in Voraussicht vorher gehandelt“, sagt Werner Fusenig , Diakon und Leiter des Altenzentrums St. Josef.

Die Besuche sind nur noch stark eingeschränkt möglich. Pro Bewohner darf noch ein Besucher für eine Stunde am Tag ins Haus. Das gilt nicht für Personen, die aus Risikogebieten kommen oder sich krank fühlen. „Man muss das den Angehörigen und den Bewohnern erklären“, sagt Fusenig. Die meisten hätten Verständnis für die Maßnahmen, aber es gebe auch beratungsresistente Leute. „Wenn sich Besucher nicht daran halten, muss ich im Notfall von meinem Hausrecht Gebrauch machen.“

Ich hoffe und bete, dass es bei uns keine Infizierten geben wird.

Werner Fusenig

Für einige Bewohner sei diese Beschränkung schwierig. „Es findet ja auch im Haus nichts mehr statt“, sagt Fusenig. Während im Normalbetrieb immer wieder auch kleine Veranstaltungen stattfinden oder das Café besucht werden kann, ist aktuell alles auf das Notwendigste heruntergefahren worden. Gerade jetzt wollte ein Bewohner seinen 90. Geburtstag feiern und musste dies leider wieder absagen. „Am besten ist es, wenn die Leute telefonieren. Ich hoffe und bete, dass es bei uns keine Infizierten geben wird.“

Doch nicht nur die Bewohner sind betroffen, auch das Pflegepersonal steht vor Herausforderungen. Ein Thema ist die Kinderbetreuung, und da kommt es mitunter zu unerwarteten Problemen. „Wenn getrennt lebende Eltern das gemeinsame Sorgerecht haben, dann muss sich derjenige um die Kinder kümmern, der nicht in der Pflege tätig ist“, erklärt Werner Fusenig. Da die Kinder aber oft bei der Mutter leben, sei dies nicht immer einfach zu regeln.

Tagespflege steht vor der Schließung

Der nächste Bereich, der vor der Schließung steht, ist die Tagespflege. Da müssen dann die alten Menschen alleine zu Hause bleiben. Wie das geregelt werden soll, ist noch nicht klar.

Werner Fusenig hätte sich gewünscht, dass vom Bistum einiges schneller und besser umgesetzt worden wäre. „Die Fakten waren schnell klar, die Umsetzung ist begrenzt ideal.“

Wenig Verständnis hat der Leiter des Altenzentrums für Menschen, die die Lage noch immer unterschätzen. Selbst in Ruanda gebe es nun den ersten Corona-Fall und dort sei sofort alles geschlossen worden. „Mein Bruder lebt in der Schweiz, dort wird es vermutlich den Lock-Down geben und alles wird geschlossen.“

Die 82 Bewohner sind trotz allem gut versorgt, und die Pflegekräfte tun alles, um sie zu beschäftigen. „Es läuft alles noch okay. Aber jetzt merkt man in Deutschland, dass wir ein Problem mit den Pflegekräften haben. Selbst wenn wir neue Intensivbetten bekämen, wir hätten gar kein Pflegepersonal.“

Es wird die Gesellschaft ändern.

Werner Fusenig

Für das Altenzentrum brechen derzeit aber auch ein paar Einnahmen weg, denn da die Schulen und Kitas geschlossen sind, wird auch keine Essen ausgeliefert. Zudem sind die Kosten für Desinfektionsmittel gestiegen, die natürlich gerade hier sehr wichtig sind. Wer ins Haus will, der muss sich erstmal die Hände gründlich desinfizieren.

Bei allen negativen Nachrichten ist Werner Fusenig davon überzeugt, dass es auch etwas Positives gibt: „Es wird die Gesellschaft ändern. Es wird an manchen Stellen für Veränderung sorgen.“

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