Naturschutzgebiet Brook
Flora und Fauna besser schützen

Sassenberg -

Zu oft und zu tief – das sind die Hauptkritikpunkte von Naturschützern an der Mahd an öffentlichen Wegen. Besonders ärgerlich sei das im Naturschutzgebiet Tiergarten. Denn durch Radikalschnitte gehe dort die Artenvielfalt verloren.

Freitag, 19.06.2020, 10:35 Uhr
Der jüngste Radikalschnitt der Randstreifen erfolgte am 9. Juni mitten im Naturschutzgebiet Brook südlich der Holzbrücke in einer Breite von circa 1,5 Metern.
Der jüngste Radikalschnitt der Randstreifen erfolgte am 9. Juni mitten im Naturschutzgebiet Brook südlich der Holzbrücke in einer Breite von circa 1,5 Metern. Foto: Nancy Bittrolff

Der Brook liegt vielen Sassenbergern am Herzen. Die jüngsten Anfragen zu den dortigen Baumfällaktionen, die ja zu manchen Irritationen führten, machen deutlich, dass ein hohes Maß an Sensibilität für das wertvolle Naturschutzgebiet Tiergarten besteht. Das gilt auch für gut gemeinte Pflegemaßnahmen.

Unterhaltung der Wegränder wird kritisiert

„Mehr denn je gilt es, dessen Vielfältigkeit in Flora und Fauna zu schützen und zu erhalten. Angesichts des allgemeinen drastischen Artenrückgangs in unserer Kulturlandschaft wird auch eine gezielte und nachhaltige Pflege von Wegrändern, Uferstreifen und Feldrainen immer wichtiger“, sagt Dr. Ansgar Russell . Allerdings sei in Sassenberg seit Jahren eine fragwürdige Unterhaltung der naturnahen Wegränder zu beobachten. Nicht nur auf Flächen wie an der Alten Gräfte, sondern auch immer wieder im Naturschutzgebiet und daran angrenzend würden leider vernichtende „Pflegemaßnahmen“ praktiziert.

Zu häufiges Mähen und Mulchen?

„Die Randstreifen werden bereits ab dem Frühjahr regelmäßig gemäht beziehungsweise gemulcht, was eine ständige Überdüngung mit sich bringt. Blühpflanzen werden auf diese Weise an diesen Orten verdrängt und es erfolgt eine zunehmende Verarmung der Pflanzen- und Tierarten“, erklärt Nancy Bittrolff . Diesbezügliche, schon mehrfach von Bürgern der Stadt vorgetragene Bedenken blieben ohne Konsequenzen. „Der jüngste Radikalschnitt erfolgte am 9. Juni mitten im Naturschutzgebiet Brook südlich der Holzbrücke in einer Breite von circa 1,5 Metern“, ärgert sich Bittrolff.

Pflegeplan nach Naturschutzvorgaben gefordert

Wenn auch begrüßenswerter Weise in Sassenberg in diesem Jahr einige Blühstreifen neu angelegt worden seien, könnten diese wohl kaum die durch den verlustreichen Umgang mit den Wegrändern entstandenen Schäden kompensieren. Dabei wäre die Realisierung eines Pflegeplanes nach den Vorgaben von Landesämtern für Natur- und Umweltschutz einfach und sogar mit einem geringeren Arbeitsaufwand durchzusetzen: „Nur zweimaliges Mähen im Jahr, die erste Mahd im Juli, nach Möglichkeit mit Beseitigung des Mähgutes. Die Bearbeitungshöhe sollte zehn Zentimeter nicht unterschreiten. Eine regelmäßige Mahd von Saumbiotopen wäre unnötig“, erklärt Bittrolff. Natürlich sei bei der Bearbeitung der Saumränder an Straßen und Wirtschaftswegen der Sicherheitsaspekt für Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen, wobei auch hier eine Mähbreite von einem halben Meter als völlig ausreichend angesehen werde.

„Es wäre doch wünschenswert, wenn zur nächsten Kommunalwahl ein Pflegeplan für Wegränder und Feldhaine als ein fester Bestandteil der verschiedenen Parteiprogramme unter der Rubrik Umwelt- und Naturschutz Berücksichtigung fände. Das Bundesnaturschutzgesetz fordert ausdrücklich eine naturschutzgerechte Pflege für öffentliche Flächen und damit auch die Kommunen dazu auf, ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zum Wohle der kommenden Generationen zu leisten“, wünscht sich Dr. Russell ein Umdenken in der Verwaltung.

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