Rick Schulze ist neuer Flüchtlingsbeauftragter
Menschen eine Perspektive bieten

Sassenberg -

Rick Schulze unterstützt seit zwei Monaten Gaby Farwick-Achterhold bei der Flüchtlingsbetreuung. Der 25-Jährige kümmert sich in erster Linie um die rund 80 alleinstehenden jungen Männer.

Dienstag, 04.08.2020, 10:02 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 12:32 Uhr
Rick Schulze (Mitte) ist seit zwei Monaten als Flüchtlingsbeauftragter der Stadt Sassenberg im Einsatz. Sozialamtsleiter Helmut Helfers (l.) und Bürgermeister Josef Uphoff freuen sich über die Verstärkung.
Rick Schulze (Mitte) ist seit zwei Monaten als Flüchtlingsbeauftragter der Stadt Sassenberg im Einsatz. Sozialamtsleiter Helmut Helfers (l.) und Bürgermeister Josef Uphoff freuen sich über die Verstärkung. Foto: Ulrich Lieber

Seit zwei Monaten ist Rick Schulze als neuer Flüchtlingsbeauftragter bei der Stadt Sassenberg im Einsatz. Er unterstützt Gaby Farwick-Achterhold, die sich nun in erster Linie um die 32 Familien mit insgesamt rund 170 Mitgliedern kümmern kann. Rick Schulze ist vorrangig für die jungen alleinstehenden Männer zuständig. Hier sind derzeit rund 80 Personen in Wohngemeinschaften untergebracht.

Gerade für den Umgang mit den jungen Männern ist es von Vorteil, dass sie nun auch einen Mann als Ansprechpartner haben. Zumal Rick Schulze mit seinen 25 Jahren auch altersmäßig einen anderen Zugang und eine andere Nähe bekommt. „Es ist von Vorteil, dass wir nun einen Mann und eine Frau als Ansprechpartner haben“, unterstreicht Sozialamtsleiter Helmut Helfers .

Die ersten beiden Monate dienten in erster Linie dem Kennenlernen. „Es gab viel Neues für mich. Die Aufgabe ist sehr vielseitig“, berichtet Rick Schulze. Die Geflüchteten kämen mit sämtlichen Problemen zu ihm, sei es Antragstellungen, soziale Probleme oder Fragen zur Wohnsituation. Jeder Fall sei individuell immer anders gelagert. „Gerade die Unterbringung in Wohngemeinschaften ist für viele eine besondere Herausforderung“, weiß Bürgermeister Josef Uphoff.

Ich möchte die sozialen Bedingungen verbessern. Geflüchtete sind Teil der Gesellschaft, und ich möchte sie vor Exklusion bewahren und Perspektiven aufzeigen.

Rick Schulze

„Wir haben hier Menschen, die seit fünf Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnen, ohne dass sie sich privat zurückziehen können. Dass das soziale Miteinander dabei strapaziert wird, ist verständlich“, erklärt Helmut Helfers. Das größte Problem ist die Perspektivlosigkeit, denn sie haben keine Arbeit, keine Ausbildung und sprechen schlecht Deutsch. „Man kann verstehen, dass einige frustriert sind“, zeigt Rick Schulze Verständnis.

Und genau hier will der junge Mann aus Erfurt ansetzen. Er will ihnen helfen, neue Kurse zu besuchen, sie zu qualifizieren und ihre Chancen zu steigern. „Ich möchte die sozialen Bedingungen verbessern. Geflüchtete sind Teil der Gesellschaft, und ich möchte sie vor Exklusion bewahren und Perspektiven aufzeigen.“

Helmut Helfers versichert, dass die jungen Männer alle Arbeit haben möchten, aber dass es oft an der Qualifikation und den Deutschkenntnissen mangelt. „Es ist nicht so einfach, in einen Sprachkursus zu kommen. Durch Corona haben auch die Ehrenamtlichen ihre Arbeit derzeit eingestellt, weil es für sie zu gefährlich geworden ist“, berichtet der Sozialamtsleiter. Auch Josef Uphoff lobt die Arbeit der Ehrenamtlichen, die aber auch an ihre Grenzen stoßen.

Dass Rick Schulze den Weg nach Sassenberg gefunden hat, ist seiner Freundin zu verdanken, die aus Sassenberg kommt. Der junge Mann hat bereits sein Masterstudium der Staatswissenschaften in Thüringen erfolgreich abgeschlossen und hat dabei während seiner Masterarbeit zwei afghanische Flüchtlinge begleitet. Über sie hat er auch in seiner Masterarbeit geschrieben. Anschließend arbeitete Rick Schulze im Sozialministerium in Thüringen in der strategischen Sozialplanung. „Ich habe diesen Schritt nach Sassenberg nicht bereut“, versicherte Schulze. Er möchte hier mit den Geflüchteten Projekte leiten, Computertrainings ermöglichen und alles abdecken, „was man fürs Leben braucht“. Denn für ihn ist klar, dass die jungen Männer gefördert werden müssen. „Die können zum Teil viel mehr. Das Potenzial müssen wir abrufen.“

Die Stadt Sassenberg hat derzeit ihre Kapazitäten an Wohnraum für Geflüchtete fast ausgeschöpft. „Zum 1. August ist eine Familie weggezogen, so dass wir wieder etwas Platz haben“, sagt Helmut Helfers. Langfristig möchte die Stadt die Sammelunterkunft im Herxfeld baulich ein wenig verändern, um mehr Privatsphäre zu ermöglichen. „Es soll etwas kleinteiliger werden. Die Planungen für die Baumaßnahmen sollen am 17. September im Fachausschuss vorgestellt werden“, blickt Josef Uphoff schon ein wenig voraus.

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