Privates Frühstück mit Johannes Philipper
Die Bevölkerung will Veränderung

Sassenberg -

Er wandert gern, bleibt (fast) immer gelassen und mag frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück: Das sind nur drei private Fakten, die Bürgermeisterkandidat Johannes Philipper im Interview verriet.

Freitag, 14.08.2020, 12:14 Uhr aktualisiert: 16.08.2020, 12:00 Uhr
Ein frisch gepresster Orangensaft gehört für Johannes Philipper zu einem perfekten Frühstück.
Ein frisch gepresster Orangensaft gehört für Johannes Philipper zu einem perfekten Frühstück. Foto: Ulrich Lieber

Am 13. September entscheiden die Sassenberger und Füchtorfer Bürger darüber, wer ihr neuer Bürgermeister wird. Ist es der Amtsinhaber, oder wird sich einer der Herausforderer durchsetzen. Die Menschen interessiert zwar, welche politischen Aspekte die Kandidaten in die Waagschale werfen, aber sie möchten auch gerne wissen, welcher Mensch dahintersteckt. Darum hat sich WN-Redakteur Ulrich Lieber ganz dreist bei allen drei Kandidaten zum Frühstück eingeladen, um einmal die private Seite zu beleuchten. Heute stellt sich Herausforderer Johannes Philipper vor.

 

Wie alt sind Sie?

Philipper: Seit dem 5. Juli bin ich 33 Jahre alt.

Welchen Beruf haben Sie erlernt?

Philipper: Als klassische Ausbildung den Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Parallel dazu habe ich ein Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Münster absolviert. Im Anschluss noch ein berufsbegleitendes Masterstudium mit dem Thema „Supply Chain Management“ an der RWTH Aachen . Meine offizielle Berufsbezeichnung heute lautet „Global Account Manager“ im Bereich Automotive der Firma Hellmann in Osnabrück.

Wie sieht die erste Stunde des Tages aus?

Philipper: Die erste Stunde beginnt damit zu duschen, zur Arbeit zu fahren und mir dann in der Kantine ein Brötchen zu holen.

Wie sieht das perfekte Frühstück aus?

Philipper: Sonntags gönne ich mir zusammen mit meiner Verlobten gerne ein größeres Frühstück, mit frisch gepresstem Orangensaft, Käse, Schinken, Salami und immer auch noch gerne ein Croissant und ein Frühstücksei dazu.

Wie sieht ein perfekter Vormittag aus?

Philipper: Gerne draußen etwas unternehmen, sei es eine Radtour oder eine Wanderung. Ich war gerade erst noch mit Freunden im Teutoburger Wald. Einfach in die Natur kommen und ein wenig abschalten.

Was sind Ihre Hobbys?

Philipper: Wandern und Radfahren, dazu bin ich begeisterter Skifahrer und koche sehr, sehr gerne. Das mache ich schon seit Kindertagen. Mein Lieblingsgericht ist ganz klassisch ein Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat.

Reisen Sie gerne? Wenn ja, wohin am liebsten?

Philipper: In meinen jüngeren Jahren bin ich sehr viel global gereist. Es war spannend, die Welt zu entdecken und Regionen wie Südostasien, Amerika und Afrika zu erkunden. Das waren immer Reisen, bei denen man die Kultur kennenlernen und sich anschließend erholen konnte. Mittlerweile zieht es mich eher an Orte in der Nähe wie Wangerooge, den Gardasee oder Südtirol.

Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Philipper: In Sassenberg. Ich bin gebürtiger Sassenberger, ich bin hier aufgewachsen, ich habe hier einen großen Freundeskreis und bin im Vereinsleben aktiv. Ich wüsste gar keinen anderen Ort, den ich nennen könnte.

Wie erleben Sie die Corona-Zeit?

Philipper: Beruflich ist das eine sehr spannende Phase, weil man so etwas einfach noch nicht hatte. Wir hatten ja den Corona-Lockdown aus logistischer Sicht zu bewerkstelligen, und das war hochinteressant. Da waren wir als Logistiker mit kreativen Lösungen gefragt. Im privaten Bereich war es natürlich schade, dass man Freunde nicht so einfach treffen konnte, andererseits war es aber auch schön, mit der Familie sehr viel zu machen. Das hat das Familiengefühl noch einmal gefördert.

Welche Kindheitserinnerung hat sich besonders eingeprägt?

Philipper: Ich habe da ein Bild im Kopf, wie mich meine Eltern vor dem Fernseher gestellt haben, als die Mauer gefallen ist. Die Freude meine Eltern konnte ich damals natürlich noch nicht einordnen. In unserer Nachbarschaft wohnte dann später eine Familie, die aus Ostdeutschland nach Sassenberg gezogen war. Auf die Frage warum am 3. Oktober ein Feiertag ist, haben meine Eltern mir damals geantwortet: „Weil besagte Nachbarsfamilie hier ist.“ Ich weiß noch, dass ich dann bei unseren Nachbarn geklingelt habe und sagte: Danke, dass Ihr da seid.

Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen.

Philipper: Nicht alles immer so verbissen zu sehen.

Wofür sind Sie dankbar?

Philipper: Da gibt es viele Sachen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in einem Land wie Deutschland und einer Stadt wie Sassenberg groß geworden bin. In vielen anderen Regionen der Welt findet man nicht so gute Startvoraussetzungen wie hier. Meinen Eltern bin dankbar für den Freiraum, den sie mir gegeben haben, um mich zu entwickeln.

Welche Hoffnung haben Sie und welche Hoffnung haben Sie aufgeben?

Philipper: Ich habe natürlich die Hoffnung, Bürgermeister zu werden, das überrascht jetzt nicht. Ansonsten muss ich passen, denn ich bin ein optimistischer Mensch, und es kann ja noch viel passieren.

Können Sie über sich selbst lachen?

Philipper: Ja.

Was können Sie nur mit Humor ertragen?

Philipper: Die eine oder andere Ausschuss- beziehungsweise Ratssitzung. Manchmal auch beruflich, wenn etwas gemacht werden soll, obwohl man schon vorher weiß, dass es keinen Sinn macht.

Wer darf Ihnen sagen, dass Sie falsch liegen?

Philipper: An erster Stelle meine Verlobte, meine Eltern, und wenn es ins Politische geht, auch die Parteikollegen. Wenn ich einen Standpunkt habe, verteidige ich diesen erstmal. Mit guten Gründen lasse ich mich davon aber abbringen.

Auf einer Skala von eins bis zehn, wie sensibel reagieren Sie auf Kritik?

Philipper: Früher eher sieben bis acht, mittlerweile ist es zwei bis drei. Man wird ja ruhiger. Es ist auch etwas anderes, ob es eine inhaltliche oder eine persönliche Kritik ist. Wenn jemand nur noch mit persönlicher Kritik und Polemik auf mich zugeht, dann ist es ja eher eine Schwäche des anderen.

In welchen Bereichen sehen Sie Ihre größten Stärken und wo die größten Schwächen?

Philipper: Meine größten Stärken sind sicher Überzeugungskraft, Innovation und modernes Denken. Ich verlasse gerne bekannte Pfade und denke gerne um die Ecke, um nicht immer im alten Schema zu bleiben. Ich betrachte alles ganzheitlich und kombiniere gerne Dinge. Zu meinen Schwächen gehört eine gewisse Ungeduld. Wenn ich das Gefühl habe, gebremst zu werden oder Themen nicht vorangetrieben werden, dann ist das etwas, was mich verärgert und bei dem ich mich zusammenreißen muss.

Wenn es darauf ankommt: Reagieren Sie eher mit dem Kopf oder richten Sie sich nach dem Bauchgefühl?

Philipper: Wenn ich eine Entscheidung unter Zeitdruck fällen muss, dann verlass ich mich auf meine Intuition. Das ist dann eine Mischung aus Kopf und Bauch. Wenn ich Zeit genug habe, dann entscheidet eher der Kopf.

Was sind für Sie die wichtigsten Werte eines Menschen?

Philipper: Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Ich mag nichts weniger, als wenn mir Menschen ins Gesicht sagen, es ist alles gut und hintenherum etwas anderes erzählen. Wichtig sind mir auch Offenheit und die Fähigkeit, anderen ernsthaft zuhören zu können.

Gibt es etwas, was Sie getan haben und heute bereuen? Würden Sie gerne etwas rückgängig machen?

Philipper: Ich habe in jungen Jahren sicher auch mal über die Stränge geschlagen, und am nächsten Tag gedacht, das war nicht die schlauste Aktion. Ich denke, dass jeder, der sich an seine Jugendzeit zurückerinnert, solche Geschichten erzählen kann. Natürlich bereut man die, aber es gehört auch zu einem. Ich stehe dazu.

Wenn ich Ihre zwei engsten Freunde fragen würde, welche drei Eigenschaften Sie am besten beschreiben, was bekäme ich als Antwort?

Philipper: Redet gerne (lacht), das gehört in der Politik ja dazu. Verlässlich und hilfsbereit, denn ich bin für meine Freunde da. Und meine Familie sagt: Gelassenheit. Dass mich jemand dazu bringt, aus der Haut zu fahren, das geht eigentlich gar nicht.

Womit kann man Ihnen eine Freude bereiten?

Philipper: Mit gutem Essen. Ich koche gerne, und ich esse gerne.

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Philipper: Ich bin ja schon seit elf Jahren im Rat. Über die Jahre habe ich feststellen müssen, dass die Veränderungen, die ich gerne gesehen hätte, nicht so gekommen sind, wie ich mir das vorgestellt habe. Wenn ich dann erkenne, dass Themen nicht mehr so vorangetrieben werden, wie man es früher gewohnt war, dann werde ich ungeduldig. Ich habe mir dann die Frage gestellt, wie es besser werden und ich mich mehr einbringen kann. Hinzu kamen die sehr positiven Gespräche mit den anderen Parteien, vielen Bürgern und natürlich der Familie. Ich merke, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine Veränderung wünscht.

Mit welcher Person des öffentlichen Lebens können Sie sich am ehesten identifizieren.

Philipper: Mit dem Fernsehmoderator Dirk Steffens. Ich sehe für mein Leben gerne die Sendung Terra X. Ich finde seine Weltoffenheit sehr gut, kombiniert mit wissenschaftlichem Aspekt und Unternehmungslust. Wenn man mich fragen würde, mit wem ich den Job mal tauschen würde, dann wäre er das.

Welchen Film muss man gesehen haben?

Philipper: Mir gefällt der Film „Königreich der Himmel“ sehr gut, auch wegen der Botschaft. Er zeigt, dass Glaubenskriege fernab jeder Vernunft sind.

Was sind die wichtigsten kommunalpolitischen Aufgaben in der nächsten Legislaturperiode?

Philipper: Wir müssen vor allem das Thema Digitalisierung voranbringen. Das hat uns Corona deutlich gezeigt. Dazu gehört der Ausbau der Glasfaser im gesamten Stadt- und Außenbereich. Auch die Stadtentwicklung und die Frage wie wir den Drostengarten weiterentwickeln, müssen angepackt werden. Welche Möglichkeiten haben wir, um die Stadt für den Tourismus noch attraktiver zu machen? Außerdem geht es darum, mehr Bauplätze zu schaffen, denn in den letzten sechs Jahren sind zu wenige dazu gekommen.

Wie stark werden Sassenberg und Füchtorf unter den Folgen von Corona zu leiden haben?

Philipper: Die Einbrüche in der Gewerbesteuer sind nicht so eklatant wie man befürchtet hat. Es fehlen rund 1,2 Millionen Euro. Aber auch der Anteil an der Einkommenssteuer wird rund 700 000 Euro geringer sein, so dass wir knapp 1,9 Millionen Euro weniger haben. Bund und Land wollen diese Verluste aber in großen Teilen ausgleichen. Zudem haben wir eine große Ausgleichsrücklage, für die wir aktuell sogar Strafzinsen zahlen müssen. Wir müssen also investieren.

Wie schätzen Sie Ihre Mitbewerber ein?

Philipper: Zu Jörg Mondeel kann ich inhaltlich wenig sagen, ich kenne ihn kaum. Er wird sicher einige Stimmen bekommen, und ich zolle ihm dafür, dass er antritt, Respekt. Über die Ziele von Josef Uphoff kann ich inhaltlich leider auch wenig sagen, denn auf seiner Internetseite sind kaum konkrete Vorstellungen zu finden. Wenn ein Kandidat keine klaren Ziele mehr formuliert, wird man sich fragen, was er Zukunft noch erreichen möchte.

Mit welchem Ergebnis rechen Sie bei der Kommunalwahl?

Philipper: Im Stadtrat wird es größere Veränderungen geben, und ich erwarte dass die CDU ihre absolute Mehrheit verliert. Die Grünen haben Rückenwind und werden sicher mehr Sitze erzielen. Die SPD hat sich in Sassenberg gut verjüngt. Die FDP hat einige neue aber sehr bekannte und engagierte Gesichter dazugewonnen. Die FWG hat ein gutes Team zusammengestellt und wird eine Menge bewegen können. Ich denke daher auch nicht, dass alle Direktmandate an die CDU gehen werden. Das Rennen um das Amt des Bürgermeisters wird sicher eng, aber ich gehe davon aus, dass ich über 50 Prozent bekommen werde.

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