Mehr als 120 Jahre Familientradition bei Kattenbaum beendet
„Abverkauf lief super“

Sassenberg -

Das Schuhgeschäft Kattenbaum ist endgültig geschlossen. Am Montag war der letzte Verkaufstag. Insgesamt war das Team mit dem Abverkauf sehr zufrieden.

Mittwoch, 02.09.2020, 10:28 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 16:58 Uhr
Selbst die Inneneinrichtung ist schon verkauft. Am letzten Tag des Schuhmodengeschäfts hielten Yvonne Große Kunstleve, Inhaberin Sandra Stakenkötter, Doris und Bernhard Kattenbaum sowie Irina Simonow noch die Stellung hinter der provisorischen Kasse.
Selbst die Inneneinrichtung ist schon verkauft. Am letzten Tag des Schuhmodengeschäfts hielten Yvonne Große Kunstleve, Inhaberin Sandra Stakenkötter, Doris und Bernhard Kattenbaum sowie Irina Simonow noch die Stellung hinter der provisorischen Kasse. Foto: Ulrike von Brevern

Auch am letzten Tag standen morgens um 9 Uhr schon die ersten Kunden vor der Tür. Da blieb Mitarbeiterin Irina Simonow beim Aufschließen keine Zeit für ein wehmütiges Gefühl. Und doch war am Montag eine ganz besondere Stimmung im Landengeschäft von Schuhmoden Kattenbaum zu spüren. Mehr als 120 Jahre Familientradition fanden an diesem Tag endgültig ihr Ende.

Eine Regalreihe mit winzig kleinen Kinderschuhen fällt in dem fast leeren 280 Quadratmeter großen Ladengeschäft noch ins Auge. Ansonsten ist fast alles weg. „Der Abverkauf lief super“, freut sich Inhaberin Sandra Stakenkötter . Und selbst die Innenausstattung samt Kasse hat ihre Abnehmer gefunden.

Ein anstrengendes halbes Jahr liegt hinter der jungen Frau, die 2016 angetreten war, das traditionsreiche Geschäft in vierter Generation weiterzuführen. Dass sie das nicht länger selber tun würde, stand bereits zu Beginn des Jahres fest. Doch Schuhe hatte es bei Kattenbaum eigentlich weiter geben sollen. Der Corona-Lockdown im März ließ den anvisierten Mieter allerdings einen Rückzieher machen.

Es war eine Vernunftentscheidung, jetzt zu schließen.

Sandra Stakenkötter

„Es war eine Vernunftentscheidung, jetzt zu schließen“, sagt Stakenkötter fest. Nötig sei es noch nicht gewesen. „Aber wenn ich nur daran denke, dass es eine zweite Corona-Welle geben könnte, war es die einzig richtige Entscheidung“, stärkt Doris Kattenbaum ihrer Tochter den Rücken - auch wenn ihr der Abschied nach 46 Jahren spürbar schwer fällt.

„Schuhe waren für mich einfach immer Leidenschaft“, erzählt sie, „und ich habe das hier immer sehr, sehr gerne gemacht.“ Andererseits sei auch das Anspruchsdenken in Teilen der Kundschaft mit den Jahren immer mehr gewachsen. „Heute gibt es Schuhe überall“, bedauert sie, die Qualität allerdings lasse sich oft auf den ersten Blick gar nicht beurteilen.

Gerade bei Kindern sei daher eine gute Beratung wichtig: „Die Kinder sind den Eltern ausgeliefert, aber die Eltern sind auch den Schuhverkäufern ausgeliefert!“ Die Leidenschaft der Chefin und ihrer Kolleginnen für Kinderschuhe führte dazu, dass Kattenbaum 2008 als bestes Kinderschuhgeschäft Deutschlands ausgezeichnet wurde.

Wir haben uns jetzt wirklich ein halbes Jahr Zeit gelassen und das war gut zum Abschiednehmen.

Doris Kattenbaum

Doris Kattenbaum ist froh, dass der Abverkauf mit ganz viel Ruhe vor sich ging. „Wir haben uns jetzt wirklich ein halbes Jahr Zeit gelassen und das war gut zum Abschiednehmen.“ Zum bewussten Abschiednehmen gehörte auch die Gestaltung des Schaufensters. Das ist hinter dem markanten Ausverkaufsaufkleber nicht einfach abgeklebt, sondern liebevoll dekoriert. „Das war uns sehr wichtig“ betont Doris Kattenbaum.

Erinnerungen an all die gemeinsamen Aktionen der Verkaufsmannschaft sind hier zu finden, aber auch eine angedeutete Schusterwerkstatt. Sie erinnert an das Handwerk, das noch bis vor wenigen Jahren hier ausgeübt wurde, und natürlich an die historischen Wurzeln. 1899 hatte Schuhmachermeister Bernhard Kattenbaum aus Gröblingen mit dem Kauf eines Hauses an der von-Galen-Straße, Ecke Schloßstraße, den Grundstein für das traditionsreiche Familienunternehmen gelegt.

Im linken Fenster liegt als leere Hülle der Kattiefant, das leuchtend rote übermannshohe Maskottchen des Geschäfts. Ihn wird Martin Hülsmann, der ihm all die Jahre Leben eingehaucht hat, als Erinnerung behalten. Die bunte Lok, auf der Generationen von Kindern ihre Schuhe anprobiert haben, wechselte in den St. Magdalenen-Kindergarten in Freckenhorst.

„Schreiben Sie dazu, dass wir uns bei allen unseren Kunden bedanken“, sagt Doris Kattenbaum zum Abschied noch nachdrücklich. „Wir hatten ganz tolle Kunden!“

Auf die Schuhe wird am Klingenhagen 7 asiatische Küche folgen. „Hier, wo ich jetzt sitze, kommt die Theke hin“, sagt Sandra Stakenkötter hinter der provisorischen Kasse trotz aller Wehmut gut gelaunt. Der Vertrag mit „Tin‘s Fusion Wok“ sei bereits unterschrieben, doch wann genau Eröffnung ist, stehe noch nicht fest. Zunächst heißt es noch, Genehmigungen einzuholen.

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