Fazit zum Ergebnis der Kommunalwahl
Frauen sind zurück im Rat

Sassenberg/Füchtorf -

Bürgermeister Josef Uphoff muss im neuen Rat mit anderen Mehrheitsverhältnissen zurechtkommen. Während es die CDU auf zwölf Sitze bringt, haben die anderen vier Fraktionen insgesamt 18 Sitze.

Dienstag, 15.09.2020, 08:07 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 14:52 Uhr
Kommunalwahl Sassenberg
Kommunalwahl Sassenberg Foto: Christ

Josef Uphoff hat zwar knapp die Wahl um das Amt des Bürgermeisters gewonnen, aber die Mehrheiten im Rat haben sich stark verändert. Die CDU ist dank der zwölf gewonnenen Direktmandate mit zwölf Mitgliedern im Rat vertreten, doch da dies überproportional zum Stimmenanteil von 41,95 Prozent liegt, gibt es zum Ausgleich vier Überhangmandate. Damit haben die vier anderen Fraktionen insgesamt 18 Sitze und damit nominell die klare Mehrheit.

Dennoch zeigt sich der CDU-Stadtverbandsvorsitzender Werner Berheide zufrieden. „Die Hauptziele haben wir erreicht. Wir wollten Uphoff als Bürgermeister und die 13 Direktmandate gewinnen. Es sind zwölf geworden. Ich freue mich besonders, dass beide Frauen direkt in den Rat einziehen.“ In der Tat ist dies erfreulich, denn im letzten Rat waren 26 Männer vertreten, aber keine Frau. 26 Männer sind es auch diesmal, aber es haben auch vier Frauen den Sprung in den Rat geschafft und sorgen damit wieder für weibliche Mitbestimmung.

Die Grünen und die FDP sind die Gewinner.

Norbert Westbrink

Zu den Wahlsiegern zählen die Grünen, die auch vom Landestrend ein wenig profitiert haben. „Die Grünen und die FDP sind die Gewinner. Wir sind sehr zufrieden und kommen mit Überhangmandaten auf vier Sitze. Damit haben wir unsere Zahl verdoppelt“, freut sich der Fraktionsvorsitzende Norbert Westbrink.

„Das ist für die FDP ein Bombenergebnis. Drei Sitze hatten wir uns als Optimum ausgerechnet, jetzt sind es vier. Wir haben damit entgegen dem Landestrend abgeschnitten“, erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende Johannes Philipper . Das zeige ihm deutlich, dass die Wähler kommunal gewählt hätten. „Unser Programm war gut, und wir können eigene Ideen jetzt auch besser umsetzen.“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wertet Franz-Josef Linnemann das Ergebnis der FWG. Als einziger nicht CDU-Kandidat hat er sein Direktmandat in Füchtorf gewonnen. „Unser oberstes Ziel haben wir aber nicht erreicht, denn wir wollten Josef Uphoff ablösen. Persönlich freue ich mich aber natürlich über mein Direktmandat.“ Der Wahlkampf sei diesmal ganz besonders gewesen. „Alle waren sehr engagiert, und die FDP hat uns sicher einige Punkte abgenommen.“ Überrascht zeigte er sich vom schwachen Abschneiden der SPD.

Wir werden versuchen, Mehrheiten zu finden.

Werner Berheide

„Das Ergebnis ist anders als erhofft, aber so ist die Entscheidung gefallen“, sagt der SPD-Vorsitzende Klaudius Freiwald. Mit 11,16 Prozent und drei Sitzen ist die SPD jetzt die kleinste Fraktion im Rat. „Wichtig ist aber, dass die CDU nicht mehr alles entscheiden kann. Wir können jetzt konstruktiver und offensiver die Stadt nach vorne bringen. Es geht aber nicht darum, Mehrheiten auszunutzen, sondern darum, gemeinsam Dinge auf den Weg zu bringen, die Sassenberg und Füchtorf nach vorne bringen.“

Die neue Zusammensetzung des Rates stellt alle Fraktionen vor neue Herausforderungen. „Wir werden versuchen, Mehrheiten zu finden. Das haben wir immer gemacht. Wir werden unsere Ideen mit den anderen Parteien durchsprechen. Es geht darum, was gut für Sassenberg ist“, blickt Werner Berheide optimistisch in die Zukunft.

Die anderen vier Fraktionen sehen sich durch das Ergebnis auf einem guten Weg. „Wenn wir weiter so zusammenhalten, dann können wir auch mal was anderes erreichen. Viele Entscheidungen sind zwar einstimmig gefallen, aber das eine oder andere Mal wurde es auch von der CDU durchgedrückt. Das wird jetzt schwieriger“, weiß Franz-Josef Linnemann. Das sieht auch Norbert Westbrink so: „Mit der Mehrheit können wir jetzt eher eigene Politik durchbringen.“

Dass Johannes Philipper als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat knapp gescheitert ist, ist für alle ein kleiner Wermutstropfen. „Das ist sehr schade für Johannes. Ich hatte Jörg Mondeel mehr Stimmen zugetraut und auf eine Stichwahl gehofft. Das wäre schön gewesen“, sagt Norbert Westbrink.

Klaudius Freiwald gratuliert Josef Uphoff zur Wahl: „Aber dass es Gegenkandidaten gab, hat der Demokratie mehr Leben eingehaucht. Die Menschen wollen eine Wahl haben, und darum wurde das sehr gut angenommen.“

Johannes Philipper hatte eine kurze Nacht: „Es ist einerseits schade, aber auf der anderen Seite bin ich euphorisch wegen des FDP-Ergebnisses. Ich habe einige Wahlbezirke gewonnen, und in Füchtorf liege ich sogar über 50 Prozent.“

In einem Punkt sind sich aber alle einig. „Das werden interessante fünf Jahre“, sagen Linnemann und Philipper unisono.

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