„Toni-Box“ und jede Menge neuer Sachliteratur
Bücherei rüstet für Kinder auf

Sassenberg -

Die Bücherei St. Johannes Evangelist hat in ihren Bestand investiert. Davon profitieren nicht nur Freunde der klassischen Medien – auch im digitalen Bereich hat sich einiges getan.

Dienstag, 06.10.2020, 19:08 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 19:10 Uhr
Die knallrote „Toni-Box“ kann ab sofort in der Bücherei ausgeliehen werden. Alle Tonis aus der Bücherei kennen die Box, sodass sie keinen WLAN-Anschluss braucht. Büchereileiterin Hiltraut Bergmann hat sich den Tabaluga zum Probehören gewünscht.
Die knallrote „Toni-Box“ kann ab sofort in der Bücherei ausgeliehen werden. Alle Tonis aus der Bücherei kennen die Box, sodass sie keinen WLAN-Anschluss braucht. Büchereileiterin Hiltraut Bergmann hat sich den Tabaluga zum Probehören gewünscht. Foto: Ulrike von Brevern

Der jüngste Zuwachs bei „Die Bücherei St. Johannes Evangelist“ hat mit Büchern nur am Rande zu tun. Die knallrote, würfelförmige „Toni-Box“ mit den charakteristischen Ohren zum Einschalten kann ab sofort ausgeliehen werden, um die moderne digitale Hörspieltechnik zu testen. Auch der Bestand der zugehörigen „Tonis“ ist massiv gewachsen. Bei ihrer jüngsten Anschaffungsoffensive hat die Bücherei besonders Augenmerk auf die Kinderbücherei gelegt – natürlich nicht nur elektronisch. Auch der Bestand an Kindersachbüchern wurde gründlich erneuert.

Wir richten uns darauf ein, dass diese Situation noch lange dauern wird.

Büchereileiterin Hiltraut Bergmann

„Wir richten uns darauf ein, dass diese Situation noch lange dauern wird“, sagt Büchereileiterin Hiltraut Bergmann angesichts der großen Plastikscheiben, die den offenen Büchereitresen umgeben, und angesichts des derzeit extrem schwierigen Ausleihverkehrs. Nur fünf Menschen dürfen sich auf einmal im Büchereiraum aufhalten. „Wenn eine komplette Familie kommt, muss eine von uns Mitarbeiterinnen raus“, erklärt Bergmann. Wenn sich draußen eine Schlange bildet, müssen Mitarbeiterinnen auch Kinder, die oft unentschlossen sind, zur Eile drängen. Tränen sind programmiert.

Jetzt ist Jonas mit dem Sachbuchbestand richtig zufrieden. Er hat als sachkundiger Berater an der Auswahl mitgewirkt.

Jetzt ist Jonas mit dem Sachbuchbestand richtig zufrieden. Er hat als sachkundiger Berater an der Auswahl mitgewirkt. Foto: Ulrike von Brevern

Für Bergmann und ihr Team ist die Situation besonders hart, weil die Bücherei über Jahre hinweg erfolgreich darauf hingearbeitet hatte, zum Treffpunkt von Lesern jeden Alters zu werden. „Jetzt darf sie es nicht mehr sein“, bedauert Bergmann. Auch die Aufgabe, Kinder an die Bücherei heranzuführen und zum Lesen zu motivieren, stand im Mittelpunkt. Derzeit müssen wieder verstärkt Eltern für ihre Kinder ausleihen.

Keine Berührungsängste mit digitalen Literaturinhalten

Die kleinen Plastik-„Tonis“ – Spielfiguren, vollgeladen mit Musik und Geschichten – haben schon vor einiger Zeit Einzug in die Bücherei gehalten. Nun hat das Team noch einmal kräftig aufgestockt, sodass bis zum Ende des Jahres der 100. „Toni“ im Regal stehen soll. Die Abspielbox ist hinzugekommen, damit Familien gegen geringe Gebühr ausprobieren können, ob die Technik etwas ist, das „in ihren Haushalt Einzug halten kann“, sagt Bergman lächelnd. Sie als Hörbuchliebhaberin hat keine Berührungsängste mit digitalen Literaturinhalten.

Die Bücherei-Box hat noch eine Besonderheit, die für das Team etwas zeitaufwendig war: Jeder ausleihbare „Toni“ ist bereits mit der Box gekoppelt. Ein WLAN-Zugang – bei der Technik gewöhnlich unverzichtbar – ist daher weder nötig noch gewünscht. In der Bücherei funktioniert die Box sogar, wenn die Spielfigur hygienisch einwandfrei in ihrer Plastikdose bleibt.

Auch in klassischen Bestand investiert

Aber auch für klassische „Leseratten“ hat sich einiges getan. Die Bücherei hat in Lesestoff für Erstleser nach der Silbenmethode investiert, und sie hat den Sachbücherbestand modernisiert. Dafür hat sie sich die Mithilfe von Familie Weßel gesichert. Erstklässler Jonas hatte zuvor kritisiert: „Das ist hier aber schon ziemlich alt!“ Dank ihm sind nun druckfrische „Verrückte Fakten“ zu finden oder neueste Erkenntnisse zu „Unsere Erde“.

Die kleinere Schwester Marie steuerte Wissensbücher zum Thema Mode und Prinzessinnen bei. Dabei war die offensichtliche Gender-Zuordnung weder gewollt noch gefördert, versichert Bergmann.

Zurückgegebene Spiele, Bücher und Medien kommen zunächst hinter dem Absperrband mit der Aufschrift „Vorsicht Buch!“ in Quarantäne.

Zurückgegebene Spiele, Bücher und Medien kommen zunächst hinter dem Absperrband mit der Aufschrift „Vorsicht Buch!“ in Quarantäne. Foto: Ulrike von Brevern

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