Trimm-Dich-Pfad findet Anschluss an Sportpark-Trend
Trainingsspaß für Groß und Klein

Sassenberg -

„Also das sind auf jeden Fall keine Bocksprünge mehr“, sagt Frank Lüffe und schaut noch etwas skeptisch auf die blitzenden Edelstahlgeräte. Der Vorsitzende der Leichtathletikabteilung hat sich an diesem Abend zu einem Experiment bereit erklärt. Seit März ist der Trimm-Dich-Pfad am Feldmarksee mit neuen Geräten bestückt, Lüffe wird sie testen.

Freitag, 09.10.2020, 19:25 Uhr
Entspannt testet Frank Lüffe (oben) die Gerät auf dem Trimm-Dich-Pfad. Wilhelm Kretzer (r.) nutzt sie dagegen ernsthaft für abwechslungsreiches Krafttraining.
Entspannt testet Frank Lüffe (oben) die Gerät auf dem Trimm-Dich-Pfad. Wilhelm Kretzer (r.) nutzt sie dagegen ernsthaft für abwechslungsreiches Krafttraining. Foto: Ulrike von Brevern

Bocksprünge aus Holz gehörten standardmäßig zur Einrichtung der Trimm-Dich-Pfade, die wie in Sassenberg in den 70er Jahren in vielen Orten aus dem Boden sprossen. Begleitet von „Trimmy“, dem quadratköpfigen Maskottchen der Trimm-Bewegung, die der Deutsche Sportbund ins Leben gerufen hatte, konnten Menschen inmitten der Natur Ausdauer und Kraft trainieren. Für Kinder bedeutete das Balancieren auf den Balken Sonntagsvergnügen.

Gut für Lust auf mehr

Die Bocksprünge, die auch in Sassenberg – von der Versmolder Straße aus gesehen – den Auftakt zum Trimm-Dich-Pfad bildeten, sind nun durch ein Gerät ersetzt, das der Hersteller als „Ruderbank“ bezeichnet. Während Lüffe darauf sportelt, sieht es aus, als trabe er auf einem Stahlross. Ganz okay findet er den Einstieg, vielleicht etwas fordernder als gedacht, aber auf jeden Fall gut für Lust auf mehr. Eins jedoch springt dem 46-Jährigen sofort negativ ins Auge: „Schade, dass das Gerät gleich wieder beschmiert wurde!“

Weiter geht‘s, mit einer Zwischenstation am Ski-Trainer (Lüffe: „Der Hüftschwung ist schon entspannend!“) zur Fahrradfahrerbank. „Scheint recht stabil zu sein“, lautet das Urteil, und wieder ist es entspannend, so zu zweit nebeneinander zu sitzen. Allerdings quietscht es, und dann kommt beim Treten noch ein Klackern hinzu. Auf zur vierten Station . . .

Wilhelm Kretzer nutzt die Station für abwechslungsreiches Krafttraining.

Wilhelm Kretzer nutzt die Station für abwechslungsreiches Krafttraining. Foto: Ulrike von Brevern

Insgesamt neun Stationen in kühl-eleganter Edelstahloptik hat die Stadt für rund 35 000 Euro bestückt, um das Erholungsgebiet rund um den Feldmarksee aufzuwerten. Damit folgt sie einem verbreiteten Trend: Von München bis Hamburg ist Outdoor-Training wieder angesagt – gerade in Corona-Zeiten. Allerdings stehen die Sportgeräte oft nicht mehr entlang einer Laufstrecke in der Natur. Stattdessen werden sie in „Sportparks“ als Outdoor-Fitnesscenter direkt ins Quartiert platziert. Der Cross-Trainer an Station vier lässt keinen Zweifel an der Verwandtschaft zur „Muckibude“.

Hier ist die Leichtathletikabteilung aber total verkehrt.

Frank Lüffe, Vorsitzender der Leichtathletikabteilung

„Hier ist die Leichtathletikabteilung aber total verkehrt“, lacht Lüffe über Station fünf und sechs: Barren und Reck. Dafür rückt die Erinnerung an den klassischen Trimm-Dich-Pfad wieder etwas näher. Die 700-Meter-Strecke ist nun rund zur Hälfte geschafft.

Während bislang die Freizeitsportler locker joggend vorüberzogen, ist die nächste Station tatsächlich belegt. Wilhelm Kretzer hat sein Sportrad zur Seite gestellt und „pumpt“. Er habe den Pfad ganz zufällig entdeckt, erzählt der Rentner, der auf einem der Campingplätze lebt. Nun ist er begeistert: „Das hier ist mein Lieblingsgerät!“, sagt er und deutet auf die Kraftstation. Voll Fantasie nutzt er sie gleich für verschiedene Muskelgruppen. Wie genau er arbeiten sollte, erfährt der Rentner derzeit auch nicht. Bei den Infotafeln sei man noch nicht ganz so weit, gibt Hauptamtsleiter Martin Kniesel zu, aber kommen sollen sie auf jeden Fall.

Die nächste Station auf dem Weg zurück Richtung Parkplatz ist auch belegt. Am „Spaziergänger“ vergnügen sich Lara und Toni Stegemann. Da sie im angrenzenden Wohngebiet wohnen, kommen sie oft vorbei. „Das hier ist Tonis Lieblingsgerät“, sagt die Mutter.

Der kleine Toni wohnt in der Nachbarschaft und kommt häufiger zum Turnen zu den Geräten. Die wirken stabil, aber die Radfahrbank klackert auch schon mal.

Der kleine Toni wohnt in der Nachbarschaft und kommt häufiger zum Turnen zu den Geräten. Die wirken stabil, aber die Radfahrbank klackert auch schon mal. Foto: Ulrike von Brevern

Nach so vielen Lieblingsgeräten muss bei Nummer neun, dem Hüfttrainer, nun doch noch mal Frank Lüffe ran. „Damit kann man richtig Quatsch machen“, strahlt er und genießt das Training sichtlich. Fazit des Tests: Spaß machen die Geräte, optisch ansprechend und robust sind sie ebenfalls. Für Leistungssportler taugen sie eher weniger, aber das sollen sie auch nicht. Was am Ende gerade für Touristen fehlt, ist ein Lageplan. Aber auch der soll – wie die Infotafeln – noch kommen, ist aus dem Rathaus zu hören.

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