50 Jahre Blumen- und Gartenfreunde
Ein Verein für eine schönere Stadt

Sassenberg -

Einladende Straßenzüge statt der immer häufiger entstehenden abgrenzenden Gartenmauern wünschte sich Sassenbergs Kultur- und Sozialausschuss in den 70ern. Als Lösung des Problems förderte die Stadt die Gründung eines Vereins. Seither kümmern sich die Blumen- und Gartenfreunde nicht nur um schöne Gärten, sondern auch um Geselligkeit, Reisen und das Zusammenwachsen der Stadt.

Montag, 02.11.2020, 21:29 Uhr
Üppige und doch pflegeleichte Gartenlandschaften
Üppige und doch pflegeleichte Gartenlandschaften Foto: Ulrike von Brevern

Es war ein kreativer Schachzug, zu dem, der Kultur-, Sozial- und Sportausschuss der Stadt kurz nach der kommunalen Neuordnung 1969 griff, damit sich Sassenbergs Bürger auf ein einladendes Äußeres ihrer Stadt besinnen sollten: Statt Verordnungen oder Verbote zu beschließen, warb die Kommune offensiv für die Gründung eines Gartenbauvereins. Erfolgreich: Im April 1970 schlug die Geburtsstunde des Vereins der Blumen- und Gartenfreunde Sassenberg. Die für diesen Herbst geplante Feier zum 50-jährigen Bestehen musste zwar ausfallen, „aber wir holen das nach“, sagt Elisabeth Möllmann vom Vorsitzenden-Team zuversichtlich.

Ortsübergreifend

Begonnen hatte alles mit einem Brief an alle Sassenberger Haushalte, in dem die Stadt zu einem Vortrag zum Thema Stadtverschönerung einlud. Knapp 40 Gartenfreunde scharten sich anschließend um Bezirksschornsteinfeger Egon Gryczan, der auf Drängen des damaligen Bürgermeisters Bernhard Tarner den Vorsitz des neuen Gartenbauvereins übernahm. Seither ist die Zahl der Vereinsmitglieder auf über 600 im Jahr 2019 angewachsen, berichtet Gryczans Nachfolger Reinhard Fischer stolz.

„Wir sind eine der wenigen Vereine, die ortsübergreifend tätig sind“, betont er eine der Besonderheiten der Blumen- und Gartenfreunde. „Unter den Gartenfreunden haben wir immer sehr gut harmoniert“, bestätigt Möllmann und das, obwohl nach der umkämpften Eingemeindung Füchtorfs 1969 die Stimmung zwischen den Orten noch für lange Zeit angespannt war. „Der Verein bot eine tolle Situation für das Zusammenwachsen.

“, ist Fischer überzeugt.

Der Verein bot eine tolle Situation für das Zusammenwachsen.

Reinhard Fischer

Zielgebiet der städtischen Initiative sei von Anfang an der Vorgarten gewesen, daran habe er nie einen Zweifel gehegt, hielt Gryczan in einer Rede zum 25-jährigen Bestehen des Vereins fest. Die rege Bautätigkeit jener Zeit habe zu der „Unsitte“ geführt, Grundstücke durch Mauern und Gitter abzugrenzen. Die Stadt hingegen wollte ein einladendes, fast parkähnliches Aussehen ihrer Straßenzüge. Schnell lobte der Verein seinen ersten Vorgartenwettbewerb aus, der wie die Fachvorträge zu gartenbaulichen und vielen anderen Themen für Jahrzehnte das Vereinsleben prägte.

Geselligkeit

Doch das allein hätte nicht gereicht, um die Mitgliederzahl kontinuierlich steigen zu lassen, zeigen sich Fischer und Möllmann gleichermaßen überzeugt. „Es ist wichtig, dass die Menschen den Verein tragen“, fasst Fischer zusammen. Dazu gehöre sowohl eine gut durchmischte Altersstruktur, als auch das Thema Geselligkeit und gemeinsames Erleben. „Wir haben ein sehr verbindliches Vereinsleben“, streicht Möllmann heraus.

Vom Reibeplätzchen backen über Kreativabende bis zur mehrtägigen Fahrradtour reicht das Programmspektrum der Blumen- und Gartenfreunde. Dabei wurden die Verantwortlichen gelegentlich vom Erfolg selbst überrascht: Zu einer der ersten Fahrradtouren, die in Fischers Garten in Füchtorf enden sollte, trafen sich bei Börding unerwartet 90 Radler. Der Vorsitzende musste sich sputen, damit alle am Ziel untergebracht werden konnten.

Wir haben ein sehr verbindliches Vereinsleben.

Elisabeth Möllmann

Auch der erste ihrer sehr beliebten Kreativabende drohte aus dem Ruder zu laufen, als dreimal so viele Interessierte kamen als erwartet, erinnert sich Möllmann. „Ich war gar nicht mehr Herr der Lage“, stöhnt sie heute noch lachend und ist dankbar, dass ihr mit Reinhard Fischer und dem langjährigen Vorstandsmitglied August Rothaus gleich zwei Männer klaglos zur Seite sprangen.

Längere Studienreisen nach Italien, in die Masuren oder nach Cornwall ergänzen das Vereinsprogramm, ebenso wie Besichtigungstouren oder Ausflüge zu Gartenschauen. „Schließlich hatte der Ausschuss, der zu unserer Gründung beitrug, auch die Kultur im Namen“, sagt Fischer schmunzelnd.

Umdenken

Er hat über Jahre viel Zeit und Herzblut in die Organisation der Vereinsaktivitäten gesteckt. Seit fünf Jahren hat ein weibliches und berufstätiges Team die Spitze übernommen. Zu ihm gehören neben Möllmann auch Alexandra Kruse und Marion Hermeler. „Wir ergänzen uns“, sagt Möllmann, „und so trägt es sich leichter“.

Trotz all dieser Erfolge – ein Umstand trübt die Bilanz: Vor wenigen Jahren hat der Verein sein Aushängeschild Vorgartenwettbewerb eingestellt. Zwischen Schottergärten und Bonsaikoniferen gab es für Blumenfreunde nichts mehr zu bewerten, bedauert Möllmann. Doch sie sieht auch hier Licht am Horizont. Immer mehr Menschen machten sich Gedanken um Bienen, und am Ende sei ein naturnaher Garten ohnehin pflegeleichter. „Ich glaube das Umdenken ist da.“

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