Serie Kirchenjahr in der Johanneskirche: Das Hochfest Christkönig
Jung und gelegentlich politisch

Sassenberg -

In der Sassenberger Pfarrkirche finden sich gleich fünf barocke Skulpturen des Jesuskindes, das jeweils den Reichsapfel, den stilisierten Globus, in der linken Hand hält. Eine Symbolik, die sich im Hochfest vom Königtum Christi, dem Christkönigsfest, widerspiegelt.

Samstag, 21.11.2020, 08:00 Uhr
Auf dem Vortragekreuz der Gemeinde wird Christus nicht als Leidender, sondern als Triumphator dargestellt.
Auf dem Vortragekreuz der Gemeinde wird Christus nicht als Leidender, sondern als Triumphator dargestellt. Foto: Ulrike von Brevern

Am Ende des Kirchenjahres, am Sonntag vor dem 1. Advent, feiert die katholische Kirche das Hochfest vom Königtum Christi, das Christkönigsfest. Es ist das jüngste, aber heute vielleicht auch unbekannteste Hochfest. In den anglikanischen Kirchen, den lutherischen Kirchen in Amerika und in der Gemeinschaft von Taizé endet das Kirchjahr ebenfalls mit diesem Feiertag. Die evangelischen Christen in Deutschland dagegen schließen das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag ab, der im Jahre 1816 von dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. zum „Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“, zum Totensonntag, erklärt wurde.

Das Christkönigsfest wurde anlässlich des Heiligen Jahres 1925 durch Papst Pius XI. mit der Enzyklika „Quas Prima“ eingesetzt und sollte vor allem dazu dienen, den Katholiken in einer Zeit großer politischer Umwälzungen Orientierung zu geben.

Die barocken Skulpturen stellen schon das Christuskind mit Reichsapfel als Herrschaftssymbol dar.

Die barocken Skulpturen stellen schon das Christuskind mit Reichsapfel als Herrschaftssymbol dar. Foto: Ulrike von Brevern

Bereits 55 Jahre zuvor hatten die Päpste im Zuge der Gründung des italienischen Nationalstaates 1870 den Kirchenstaat verloren und sämtliche weltliche Macht eingebüßt. Die politischen Umbrüche nach dem ersten Weltkrieg mit dem Untergang mehrerer Monarchien und dem Aufbruch in ein demokratisches Zeitalter nahm die Kirche als Bedrohung für die bislang herrschende Weltordnung wahr. Auch der Sieg der Oktoberrevolution in Russland mit der Etablierung eines atheistischen Staates im Jahre 1917 stellte für diese eine mit der französischen Revolution vergleichbare Zäsur dar. Nicht zuletzt führte 1922, acht Monate nach Amtsantritt von Pius XI., der Marsch Mussolinis auf Rom zu einer totalitären Diktatur und einer weiteren Schwächung der kirchlichen Position. So verfolgte der Papst mit der Einführung des Christkönigsfestes die Absicht, den „zerstörerischen Kräften“ jener Zeit, dem „Laizismus“ und dem „Säkularismus“, das einzig wahre Königtum, das Königtum Christi, entgegenzusetzen.

Symbolcharakter für den Widerstand

Es verging kaum ein Jahrzehnt, bis das Hochfest für die katholische Jugendbewegung in Deutschland Symbolcharakter bekam für den Widerstand gegen die Repressalien des erstarkenden NS-Staates. Im Rahmen zunehmender Beschränkungen ihrer Aktivitäten wurden die katholischen Jugendverbände von den Nationalsozialisten gezwungen, auf ihr zentrales Treffen am Dreifaltigkeitssonntag zu verzichten. Der Termin wurde vom nationalsozialistischen Reichssportfest vereinnahmt. Als Alternative wählte man den Christkönigssonntag, an dem jedoch ausschließlich eine rein religiöse Feier gestattet wurde.

Gegenpol zu Hakenkreuzfahnen

Das Christkönigsfest im Jahre 1934 wurde in Folge zu einem legendären Bekenntnisfest. Allein in Köln hatten sich schon frühmorgens um 5 Uhr über 30 000 Jugendliche versammelt. Sie führten demonstrativ Banner mit dem Christusmonogramm mit sich, ganz offensichtlich als Gegenpol zu den Hakenkreuzfahnen der Hitlerjugend. Eine besondere Funktion erhielten auch die zu dieser Zeit komponierten Christkönigslieder.

So befand sich die Christkönigsverehrung im Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit und Politik. Heute ist das Christkönigsfest mit seiner Symbolik nicht leicht zu vermitteln und scheint etwas aus der Zeit gefallen, stehen Monarchen doch eher für repräsentative Funktionen und liefern Stoff für den Klatschjournalismus.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das das Christkönigsfest auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr verlegte, hat sich das Christkönigsbild deutlich gewandelt. Gerade weil diese Königsherrschaft „nicht von dieser Welt ist“ (Joh. 18,36), also kein Anspruch auf weltliche Macht erhebt, wird in diesem Zusammenhang immer mehr auf das Bild des guten Hirten zurückgegriffen.

Welche Impulse könnte das Christkönigsfest den Menschen heute mit seiner politischen Dimension geben? Es könnte daran erinnern, dass christliche Werte die westlichen Demokratien geprägt haben und weiter prägen könnten, etwa durch den Einsatz für Menschenrechte in der Flüchtlingspolitik, für das Ringen um faire Arbeitsbedingungen oder für den Schutz von Leben und Umwelt.

Sakrale Kunst

In der Geschichte der sakralen Kunst ist das Motiv der Königsherrschaft Christi sehr unterschiedlich dargestellt worden. In byzantinischen Kirchen erscheint es als thronender Christus (Pantokrator), in gotischen Kathedralen als Weltenrichter und häufig als königlicher Herrscher mit den Insignien Zepter, Krone und Reichsapfel.

In der Sassenberger Pfarrkirche finden wir gleich fünf barocke Skulpturen des Jesuskindes, das jeweils den Reichsapfel, den stilisierten Globus, in der linken Hand hält. Mit einem Kreuz bekrönt, verleiht dieses Symbol, das für einen universalen Herrschaftsanspruch der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches steht, so bereits dem Kind göttliche Königswürde.

Sieger über Leben und Tod

Ein weiteres, für das Christkönigsfest symbolträchtiges sakrales Kunstwerk ist ein mit Bergkristallen verziertes neoromanisches Vortragekreuz, das um 1900 in der Stilepoche des Historismus entstand. Wie charakteristisch für die Romanik, wird Christus hier nicht als Leidender mit ausgezehrtem Corpus dargestellt, sondern aufrecht stehend mit einer Krone als „Christus triumphans“, als Sieger über Leben und Tod.

Nach dem Christkönigssonntag beginnt mit dem ersten Adventssonntag das neue Kirchenjahr und damit für die Christen das Warten auf „adventus domini“, auf die Ankunft des messianischen Friedenskönigs.

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