Matthias Wittler sammelt seit elf Jahren die Pakete von Schulen und Kitas ein
Urlaub für den „Kleinen Prinzen“

Sassenberg -

Seit elf Jahren nimmt sich Matthias Wittler jedes Jahr im November einen Tag Urlaub. Gemeinsam mit seiner Mutter Lucia spannt er den Anhänger hinter das Auto und fährt Kitas und Schulen in Sassenberg und Füchtorf ab, um Päckchen einzusammeln. Mit diesem Einsatz für die Kinderhilfsorganisation „Kleiner Prinz“ beginnt für die Wittlers der Advent. Normalerweise.

Montag, 23.11.2020, 19:00 Uhr
Matthias und Lucia Wittler packen vor der Kita Abenteuerland die letzten Päckchen auf den für die Aktion „Kleiner Prinz“ vollgeladenen Hänger.
Matthias und Lucia Wittler packen vor der Kita Abenteuerland die letzten Päckchen auf den für die Aktion „Kleiner Prinz“ vollgeladenen Hänger. Foto: Ulrike von Brevern

„Hallo! Hier ist der ,Kleine Prinz’, wir wollten die Päckchen abholen!“ Mathias Wittler hat am Eingang zur Kita „Wolke 7“ geschellt. Doch diesen Satz sagt er an diesem Tag noch häufiger. Seit elf Jahren nimmt sich der Tischler jedes Jahr kurz vor dem ersten Advent einen Tag Urlaub, um von Kindergärten und Schulen in Sassenberg und Füchtorf gespendete Päckchen für die Warendorfer Hilfsorganisation abzuholen. Rund 2500 müssen in den Jahren zusammengekommen sein, schätzt er. Doch in diesem Jahr ist auch für ihn manches anders.

Im Kofferraum des Autos liegen bereits 25 bunt verpackte Pakete, die Wittler am Kindergarten Pusteblume abgeholt hat. Er hält die Zahl genau fest, denn die muss er später bei der Abgabe in Warendorf parat haben.

Nun kommen 15 weitere Päckchen aus der „Wolke 7“ hinzu, etwas weniger als in den anderen Jahren, ist der Eindruck von Kita-Leiterin Ingrid Scholten. „Die Eltern haben in diesem Jahr einfach sehr viel um die Ohren“, begründete sie den Rückgang. „Außerdem gibt es derzeit keinen zentralen Eingang, an dem wir sonst mit gepackten Päckchen an die Aktion erinnern.“ Wegen des Infektionsschutzes bringen die Eltern ihre Kinder derzeit direkt zu den jeweiligen Gruppeneingängen am Außengelände.

Matthias Klösener legt in der Kita St. Marien selber Hand an. Die Kinder dürfen aus Hygienegründen in diesem Jahr nicht helfen.

Matthias Klösener legt in der Kita St. Marien selber Hand an. Die Kinder dürfen aus Hygienegründen in diesem Jahr nicht helfen. Foto: Ulrike von Brevern

„Wir haben auch erst gar nicht damit gerechnet, dass die Aktion in diesem Jahr stattfinden würde“, tröstet Wittler. Um so erfreuter war er, als sich Marie-Luise Mönnigmann, Routenkoordinatorin des „Kleinen Prinzen“, doch wieder meldete: „Kannst du wieder fahren?“

Es ist besser, wenn man zu zweit ist.

Lucia Wittler

Seit sein Vater, mit dem er früher fuhr, verstorben ist, nimmt Mathias Wittler seine Mutter mit auf Tour. „Es ist besser, wenn man zu zweit ist“, erzählt Lucia Wittler . „Dann kann einer die Päckchen holen und einer bleibt beim Fahrzeug. Es soll ja nichts wegkommen.“

Clara und Charlotte (vorne v.l.) begleiten Ingrid Scholten (hinten l.) und Matthias Wittler zum Auto.

Clara und Charlotte (vorne v.l.) begleiten Ingrid Scholten (hinten l.) und Matthias Wittler zum Auto. Foto: Ulrike von Brevern

Mit den Paketen der „Wolke 7“ ist der Kofferraum fast voll. Die Wittlers kuppeln zu Hause den fertig vorbereiten Anhänger an, und weiter geht es nach Füchtorf. Am Marienkindergarten erwartet sie Einrichtungsleiter Matthias Klösener schon. Noch einmal 40 Pakete kommen hinzu. In anderen Jahren helfen die Kinder, das Auto zu beladen, erzählt Wittler. „Das macht dann richtig Spaß!“ In diesem Jahr fährt Klösener die bunte Fracht mit einem stählernen Tablettwagen ans Auto. „Die Kinder lassen wir besser drin“, bedauert er. Auch hier geht der Infektionsschutz vor.

Mundschutz ist selbstverständlich

Auf den haben sich auch Matthias und Lucia Wittler eingerichtet. Es gebe zwar keine Vorgaben, erzählt Lucia Wittler, aber bei beiden ist der Mundschutz selbstverständlich, und sie tragen Handschuhe. Um ganz sicher zu gehen, streifen sie sogar bei jeder Einrichtung neue Handschuhe über. „Wir wollen auf keinen Fall etwas riskieren“, sagt Matthias Wittler fürsorglich. Und sauber gewaschene Arbeitshandschuhe habe er schließlich genügend.

In der Kita Abenteuerland würde die kleine Mathilda gerne beim Raustragen helfen.

In der Kita Abenteuerland würde die kleine Mathilda gerne beim Raustragen helfen. Foto: Ulrike von Brevern

An der Füchtorfer Grundschule kommt dann ein wenig von der Stimmung auf, die Wittler Jahr für Jahr wieder zum Mitmachen bewegt. Die Kinder der 1b kommen herbeigestürzt. „Wir brauchen eure Muskeln beim Tragen“, sagt Schulleiterin Marlies Borisch schmunzelnd. Immerhin 67 Pakete sehr unterschiedlicher Größe warten in der Pausenhalle, ein Teil davon aus der Kita Blauland, die Wittler in diesem Jahr nicht direkt anfährt.

Im Einbahnstraßensystem durch die Kita

„Ich habe drei gepackt“, verkündet der kleine Leo stolz und macht sich mit einem der Päckchen auf den Weg. Vollkommen unbefangen und doch geordnet laufen die Kinder im Einbahnstraßensystem durch Pausenhalle und Türen. Den notwendigen Abstand halten sie fast automatisch.

Nur bei Jonas und Luca klappt es gerade nicht ganz: Die beiden Jungs haben sich ein besonders großes Paket geschnappt und wuchten es gemeinsam in den Anhänger.

Luca und Jonas wuchten das Paket zusammen in den Anhänger.

Luca und Jonas wuchten das Paket zusammen in den Anhänger. Foto: Ulrike von Brevern

Es sei schwierig abzuschätzen, wie viel Zeit die Tour in Anspruch nimmt, hatte Matthias Wittler schon im Vorfeld festgehalten. Das liege nicht allein an der Zahl, sondern auch an der Größe der Päckchen: „Teilweise sind sie so groß wie ein Päckchen Kaffee, teilweise wie zwei Kästen Sprudel – und genauso schwer!“ Es gab schon Jahre, in denen war der Hänger nach der Station an der Grundschule voll und die Wittlers mussten zum Abladen nach Warendorf an den zentralen Sammelpunkt auf dem Wilhelmsplatz fahren. Auch das entfällt in diesem Jahr. Die Fahrer haben individuelle Termine vereinbart und liefern direkt ans Lager des „Kleinen Prinzen“ am Hartsteinwerk. Am Mittwoch vor dem ersten Advent gibt es vormittags nur eine Notbesetzung auf dem Wilhelmsplatz, um letzte vergessene Päckchen entgegenzunehmen, erläutert Mönnigmann.

Da fängt für uns dann die Adventszeit eigentlich an.

Matthias Wittler

Beide Wittlers sind etwas traurig darüber, dass das trubelige Beladen der Lkw auf dem Wilhelmsplatz entfällt. „Es ist immer richtig schön da, mit den vielen Kindern, dem Nikolaus und heißen Getränken“, sagt Lucia Wittler. „Da fängt für uns dann die Adventszeit eigentlich an“, ergänzt ihr Sohn.

In diesem Jahr reicht der Hänger auch noch für die letzte Station. Die Kita Zauberland hatte sich im Vorfeld wegen der Corona-Quarantäne abgemeldet, sodass nur noch die Kita Abenteuerland auf dem Zettel steht. Die anderen Schulen und Kitas haben einen anderen Fahrer.

Ein letztes Mal klappen die Wittlers die transparente Folie auf dem Hänger auseinander, mit der sie die bunte Fracht zusätzlich zur Plane vor Feuchtigkeit schützen. „Wir hatten schließlich auch schon Eis und Schnee, da muss man gewappnet sein“, lacht der erfahrene Fahrer. Weitere 37 Päckchen steigern die Transportbilanz und werden zu Weihnachten in Rumänien wohl Kinderaugen glänzen lassen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7691415?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F130%2F
Nachrichten-Ticker