Auf Du und Du mit der Stadtgeschichte
Streitbarer Ortshistoriker

Sassenberg -

Er lebt zwar nicht mehr in Sassenberg. Er ist aber durch und durch einer. Die Ortsgeschichte hat sogar sein Berufsleben bestimmt.

Montag, 21.12.2020, 23:59 Uhr
Hans Christoph Fennenkötter vor dem Eingang der Sassenberger Pfarrkirche.
Hans Christoph Fennenkötter vor dem Eingang der Sassenberger Pfarrkirche. Foto: Ulrike von Brevern

Die Stadt Sasseberg hat in diesem Jahr zum ersten Mal den vom Land NRW ausgelobten Heimatpreis verliehen. Mit dem dritten, mit 500 Euro dotierte Platz ehrte sie Hans Christoph Fennenkötter, Autor unter anderem der dreiteiligen historischen Buchreihe „Sassenberger Häuser“. Der anerkannte Heimatforscher wurde 1939 in Sassenberg geboren. Studium und Beruf führten ihn jedoch hinaus aus der Hesselstadt. Seit seiner Pensionierung lebt der Gymnasiallehrer abwechselnd in Lippstadt und Südfrankreich. Dennoch blieb Fennenkötter der Sassenberger Stadtgeschichte verbunden, gehörte 1977 zu den Mitbegründern des Heimatvereins Sassenberg und ist besonders durch die detailierte Aufarbeitung der Sassenberger Ortsgeschichte bekannt. Ulrike von Brevern sprach mit ihm über sein Verhältnis zur Heimatforschung.

 

Herr Fennenkötter, waren Sie überrascht von der Auszeichnung mit dem Heimatpreis?

 

Fennenkötter: Überrascht war ich insofern, als ich mich doch in der Vergangenheit nicht immer beliebt gemacht habe. Ich habe manches Mal mit Rat und Verwaltung über Kreuz gelegen und Entscheidungen kritisiert. Dass man jetzt trotz anfänglicher Skepsis und trotz Corona-Beschränkungen das 900-jährige Jubiläum als wichtige Aufgabe und Chance ansieht, freut mich sehr, und es ist keine Frage, dass ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten an der Gestaltung des Jubiläums beteilige.

Haben Sie sich schon als Kind oder Jugendlicher mit Heimatgeschichte beschäftigt?

 

Fennenkötter: Ich bin in Sassenberg geboren, übrigens  exakt auf dem 100-jährigen Schützenfest, und sozusagen im Schatten der Kirche aufgewachsen. Auch meine Eltern und Großeltern haben in Sassenberg gelebt. In meinem Elternhaus und in der Nachbarschaft habe ich als Kind viel vom alten Sassenberg erzählen gehört und es begierig aufgenommen. Ich wollte immer wissen, „wie es früher war.“ Vielleicht habe ich sogar deshalb Geschichte studiert.

Was fasziniert an Sassenberg?

 

Fennenkötter:     Mich fasziniert vor allem die feudale Vergangenheit, der Sassenberg als Landesburg, als Amtssitz und als glanzvolle fürstbischöfliche Residenz. Ich möchte dazu beitragen, dass sich alle Bürger dieser Besonderheit Sassenbergs wieder bewusst werden. Unsere Alleinstellungsmerkmale sind nicht nur in Feldmarksee und Allerheiligenmarkt zu suchen. Ich trage mit meinen Bemühungen um Geschichtsverständnis auch eine Dankesschuld an die Menschen aus der Vorgängergeneration ab, die mir Sassenberg liebenswert gemacht haben.

Aber sie leben schon lagen nicht mehr hier...

 

Fennenkötter:     Wir leben zwar seit Ende der Studienzeit nicht mehr in Sassenberg, aus beruflichen Gründen und weil meine Frau und ich neugierig sind und uns für fremde Sprachen und Leute interessieren, aber immer habe ich den Kontakt zu Sassenberg gehalten. Was gibt es Schöneres, als mit alten Bekannten auf Platt Erinnerungen auszutauschen?

Was würden sie jungen Menschen – oder auch älteren –, die mit der Heimatforschung beginnen möchten, raten? Wie fängt man an?

 

Fennenkötter:     Der beste Einstieg ist die eigene Familiengeschichte. Man fragt die Großeltern, liest aufbewahrte Briefe, Papiere, Totenzettel etc. und besorgt sich beim Heimatverein die reichlich vorhandene Literatur über Sassenberg. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden. Bevor man in die Archive nach Warendorf und Münster geht, sollte man unbedingt lernen, die Sütterlin-Schrift zu lesen. Das ist nicht so schwer, wie es scheint. Sonst ist man dauernd auf fremde Hilfe angewiesen und kommt nicht weiter.

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