Familie Lerchner ist fasziniert von Erzgebirgischem und Herrenhuter Sternen
Aber bitte nur das Original

Sassenberg -

Sie sind Fans der Originale - bei Familie Lerchner in Sassenberg gibt es die schönsten Originale aus dem Erzgebirge zu bewundern. Das hängt nicht zuletzt auch mit ihrer ganz eigenen Geschichte zusammen.

Donnerstag, 24.12.2020, 08:00 Uhr
Die Originale aus dem Erzgebirge zieren während der Advents- und Weihnachtszeit das Haus von Birgit und Martin Lerchner.
Die Originale aus dem Erzgebirge zieren während der Advents- und Weihnachtszeit das Haus von Birgit und Martin Lerchner. Foto: Ulrike von Brevern

Aus dem Dachfenster leuchtet gelb ein Herrenhuter Stern, an der Hauswand prangt unübersehbar ein riesiger Schwibbogen mit den typischen Motiven aus dem Erzgebirge: Engel und Bergmann am Amboss, flankiert von Drechsler und Klöpplerin, die mit fingerfertigen Bewegungen feine Spitze herstellt. Unverkennbar leben hier Menschen, die genau jene traditionellen Weihnachtsdekorationen zu schätzen wissen, von deren Ursprungsorten Sassenberg vor der Wende schier unüberwindbar abgeschnitten war.

Bei Familie Lerchner, die hier wohnt, ist das allerdings kaum anders. Leichtathletiktrainerin Birgit Lerchner und ihr Mann Martin , Presbyter der evangelischen Gemeinde, sind zwar zumindest auf der „richtigen“ Seite der Grenze groß geworden - der östlichen, in der das Erzgebirge liegt. Geholfen hat es ihnen dennoch nichts, schmunzeln die beiden. „Früher, da gingen all diese Sachen in den Export. Das war dann allenfalls ‚Bück-dich-Ware‘“, erinnert sich Birgit Lerchner genau, während sie ihre ansehnliche Sammlung erzgebirgischer Originale auf dem Sideboard stolz betrachtet.

„Bück-dich-Ware“ das bedeutet: Gelegentlich kam eine Lieferung, und die wurde im Regal dann gut versteckt. Bei einem Herrenhuter Stern hat Lerchners Mutter einmal zum glücklichen Kundenkreis gehört. „Aber du durftest dann natürlich auch nicht sagen, wo du den her hattest“, erzählt die Kaufmännische Angestellte augenzwinkernd.

Warenmangel macht erfinderisch

Weil Warenmangel erfinderisch macht, gab es dennoch all die Erzgebirgischen Figuren. „Die hat jemand nachgedrechselt. Bei uns in der Familie auch. Und die waren dann im Prinzip ja auch schön“, sagt Martin Lerchner mit vielsagender Pause - sie waren aber eben nicht original.

Original, das ist für beide Lerchners ein Steckenpferd - ob bei der erzgebirgischen Deko, die Birgit Lerchner Jahr für Jahr in liebevoller Kleinarbeit wieder neu dekoriert und auch gerne bis Ende Januar stehen lässt, oder bei Martin Lerchner, der für die Beleuchtung sorgt und besonders den Herrenhuter Sternen verfallen ist. „Ich sag ja nicht dass andere Sterne nicht auch schön sind“, sagt er wieder mit dieser vielsagenden Pause. Einen hat er immerhin auch beleuchtet vor der Eingangstür stehen. Aber trotzdem.

Für Herrenhuter Sterne haben die Lerchners schon geschwärmt, als sie noch nicht massentauglich in ganzen Straßenzügen vor den Häusern hingen. Gerade hier seien wirklich die Originale die Schönsten, ist Martin Lerchner überzeugt. Er erinnert sich noch an einen, der

 

 

 

 

in seinem Elternhaus in Thüringen hing. „Der hatte eine Farbe wie rot-weiß flambiert. So etwas habe ich nie wieder gesehen.“ Für die Evangelische Gemeinde in Sassenberg hat er vor vielen Jahren einen weißen Stern besorgt, der dort in der Advents- und Weihnachtszeit das Kirchenschiff schmückt.

Bis heute werden originale Herrenhuter Sterne in der Manufaktur der Herrenhuter Brüdergemeinde in der Oberlausitz in Handarbeit hergestellt. Woran man sie erkennt? Vor allem daran, dass sie aus Papier sind, sagt Martin Lerchner, und an den feinen Riemchen, an der Stelle, an der die 25 Zacken jeweils aufeinandertreffen. Genau dort werden die 17 viereckigen und acht dreieckigen Zacken mit Musterklammern zusammengehalten, denn der Clou an den echten Herrenhuter Sternen war von Anfang an, dass sie zusammengelegt werden konnten und damit auch versandfähig waren. Locker ein Stündchen setze er schon ein, um die Sterne jedes Jahr aus ihren Pappverpackungen zu befreien und zusammenzufügen, gibt der Schlosser zu. Natürlich war das Paar auch einmal zur Besichtigung in Herrenhut. Damals haben sie sich den „Stern des Jahres“ mitgebracht. Er leuchtet türkis im Fenster. Nicht wirklich ihre Farb, so geben die beiden zu, aber eben ein Original.

Auch das nachgemachte Erzgebirgische aus Ost-Tagen musste vor langer Zeit den Originalen weichen. Die stammen dann allerdings nicht von irgendeinem Weihnachtsmarkt – möglichst alle zwei Jahre fahren die Lerchners auf Einkaufstour ins Gebirge. Das kann auch schon mal im Sommer sein.

Die einzig nicht-orignale Dekoration, die sich das Paar bei seiner einschlägigen Weihnachtsleidenschaft leistet, ist übrigens der auffällige Schwibbogen am Haus. Der ist tatsächlich selbst gemacht, original wäre er wohl gar nicht erschwinglich.

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