Kinder erleben Heimat, wenn sie aus dem Urlaub nach Hause kommen
Ferienerinnerung für Generationen

Sassenberg -

Seit 1991, im fünften Jahr des Ferienlagers der katholischen Gemeinde, ist Ingrid „Irmi“ Lehringfeld mit dabei. Sie freut sich über die Anerkennung mit dem Heimatpreis 2020.

Montag, 04.01.2021, 23:51 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 00:00 Uhr
Das fröhliche Team des Ferienlagers mit Ingrid Lehringfeld (links unten) an der Spitze hat coronabedingt die Freude über den Heimatpreis online geteilt.
Das fröhliche Team des Ferienlagers mit Ingrid Lehringfeld (links unten) an der Spitze hat coronabedingt die Freude über den Heimatpreis online geteilt. Foto: Ferienlager

Für Generationen Sassenberger Kinder im Grundschulalter und darüber hinaus ist ein Sommer ohne Ferienlager der katholischen Pfarrgemeinde kaum denkbar. 1987 fand die erste Ferienfreizeit statt. Einst von der damaligen Pastoralreferentin Anneliese Kovermann ins Leben gerufen, gingen seither bei 32 durchgeführten Fahrten insgesamt rund 1400 Kinder auf Reisen. Nur im Jahr 2000 konnte keine Ferienfreizeit angeboten werden und nun fiel Nummer 33 in diesem Sommer der Corona-Pandemie zum Opfer - nur ein Spielenachmittag war noch drin. Umso glücklicher ist Lager-Leiterin Ingrid Lehringfeld über die Auszeichnung des Ferienlagers mit dem ersten Platz des Heimatpreises, der ehrenamtliches Engagement belohnt. Das Lager teilt sich den Platz mit dem Heimatverein Füchtorf.

Rund 1400 Kinder waren schon unterwegs

Ingrid Lehringfeld, von Eingeweihten nur „Irmi“ genannt, ist das Gesicht dieser Ferienfreizeit. 1991 war sie erstmals als Betreuerin an Bord, seit 1998 liegt die alleinige Lagerleitung und damit auch die Verantwortung bei ihr. Die Fahrten haben sich über Kinder-Generationen in der Hesselstadt etabliert, ist Lehringfeld glücklich. „Der größte Teil der heutigen Leiter ist selbst als Kind dabei gewesen. Mittlerweile bringen schon Eltern die früher mitgefahren sind, schon ihre Kinder zu uns. Das ist ein tolles Feedback und eine schöne Bestätigung.“

Auch die Unterstützung im Hintergrund sei immens: Eltern und Großeltern etwa, die vorab Spielzeug für gemeinsame Aktionen vorbereiten, oder Fahrer, die die Materialien von A nach B bringen. Nicht zu vergessen die Geschäftsleute, die mit Material und finanzieller Unterstützung an Bord sind. In diesem Sommer wären Mechthild Habrock und Petra Müller zum letzten Mal für die Küche verantwortlich gewesen. Lehringfeld bedauert, dass ihnen ein schönerer Abschluss verwehrt blieb.

Das ist ein tolles Feedback und eine schöne Bestätigung.

Ingrid Lehrenfeld

Den Rekord von 76 Kindern im Jahr 1997 erreichte das Lager zuletzt zwar nicht mehr, doch hätten auch für 2020 rund 65 Anmeldungen vorgelegen – wäre da nicht Corona gewesen. So ein gemeinsamer Urlaub schweiße zusammen, weiß Lehringfeld, selbst oder vielleicht gerade, wenn nicht alles glatt geht. Da wäre etwa die Anreise mit Hindernissen ins niederländische Grolloo, bei der bereits auf dem Hinweg der Bus streikte. Die Folge: mehrere Stunden Zwangspause auf einer Autobahnraststätte, bis der Ersatzbus ankam. „Wir mussten die Kinder ja auch irgendwie bei Laune halten. Aber das klappte super – am Ziel waren wir schon eine eingeschworene Gruppe.“

Seit Jahren ist der Besuch vom Pfarrer fester Bestandteil des Ferienprogramms und die Freizeit wird durch die Pfarrgemeinde organisiert. Dennoch sei Konfession nie ein Kriterium gewesen, betont Lehringfeld. „Das Lager war immer offen für alle. Es ist auch eine Chance, Kirche einmal anders zu leben, anders zu gestalten.“ Über die Jahre hat sich der Ablauf verändert. Statt der alljährlichen Fahrt nach Grolloo wechseln die Ziele. heute. Um den Kindern mehr Freiräume zu ermöglichen, wurden alte Zöpfe wie Lagertaufe oder Lagerhochzeit aufgegeben und durch Workshops und Stationsspiele ersetzt. Manches liebgewonnene Ritual blieb aber erhalten, etwa das gemeinsame Singen des Mottoliedes als Tagesabschluss.

Das Programm entwickelt sich weiter

Können die Kinder mit dem Begriff Heimat etwas anfangen? Lehringfeld bejaht das eindeutig und schmunzelt dabei: „Es muss nicht wahnsinnig in die Ferne gehen. Wir fahren beispielsweise nach Saerbeck, was ja eigentlich fast um die Ecke liegt. Das ist den Kids aber gar nicht so bewusst. Wenn das Programm stimmt, haben wir sofort Urlaubsfeeling.“ Umso euphorischer reagierten die Acht- bis Zwölfjährigen, wenn sie nach der „langen“ Reise den markanten Turm der Johanneskirche oder das Ortseingangsschild entdeckten. Im nächsten Sommer, hofft „Irmi“, wird es wieder zu solchen Szenen kommen.

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