Stadtjugendpfleger erwartet viel Arbeit
Digital allein reicht nicht

Sassenberg -

Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann muss derzeit das Angebot des Jugendzentrums auf absoluter Sparflamme fahren. Im Deelenfenster des Inside steht „Wir vermissen euch!“ und das meint Acky auch wörtlich.

Mittwoch, 20.01.2021, 08:51 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 14:27 Uhr
Zur Zeit bastelt niemand im Jugendhaus. Eine sehnsüchtige Dekoration hat die selbstgefertigten Weihnachtssterne im Fenster des Jugendzentrums abgelöst.
Zur Zeit bastelt niemand im Jugendhaus. Eine sehnsüchtige Dekoration hat die selbstgefertigten Weihnachtssterne im Fenster des Jugendzentrums abgelöst. Foto: Ulrike von Brevern

Im Schaukasten am Jugendzentrum vergilbt ein Plakat mit der Werbung für die Toskana-Freizeit 2021. Statt bunter Bastelarbeiten hängt im großen Deelenfenster nur ein Satz in großen Buchstaben auf Computerpapier gedruckt: „Wir vermissen euch!“ Genauso sei es gemeint, bestätigt Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann : „Ich vermisse die Jugendlichen wirklich, weil ich sie mag!“

Ackermann hat wider Willen seine Ruhe im Jugendzentrum. „Wir fahren mit der Öffnung im Fahrwasser der Kitas“, erläutert er. Grundsätzlich ist daher geschlossen. Die vielen Auszubildenden des Hauses unterstützen zum Teil die Notbetreuung in der OGS an der Johannesschule , die meisten aber sitzen zuhause und halten digital Kontakt, auch zu den Jugendlichen. Ackermann schiebt im Haus alleine Präsensdienst für Notfälle. Zu Einzelgesprächen darf er hilfesuchende Jugendliche auch ausnahmsweise einmal hin-einlassen, „Wir dürfen allerdings nur mit zwei Menschen im Haus sein“, betont der Jugendpfleger. Einige wenige Male haben Jugendliche das Angebot bereits gebraucht.

Ich muss dem anderen in die Augen sehen.

Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann

Ackermann plant derweil weiter an den regelmäßigen Aktivitäten. Die Vater-Kind-Wochenenden im Juni in Nordwalde sind bislang ebenso wenig abgesagt wie die Freizeit in der Toskana. Für seine zahlreichen Auszubildenden packt der Jugendpfleger digitale Lernpäckchen. Gerade die Oberstufenpraktikanten des Berufskollegs hat der Lockdown hart erwischt. Sie sind erst Mitte November in ihr Berufspraktikum gestartet, das Ende Januar bereits endet.

Auf seinem Dienst-I-Pad hat Ackermann verschiedene Messengerdienste installiert. Von Facetime bis Tik Tok reichen die Programme, mit denen die Kinder und Jugendlichen weiter den Kontakt suchen. Ihre Nöte zeigten ein zunehmendes Ringen um Aufmerksamkeit, sagt der Jugendpfleger, dem sein Mitgefühl deutlich anzumerken ist, zumal auch ihm selber der persönliche Kontakt fehlt. Digital alleine reiche einfach nicht: „Ich muss dem anderen in die Augen sehen.“ Körpersprache und Gefühl sind ihm wichtig, um unterstützen zu können.

In dieser Hinsicht war die Situation während des Lockdown-Light etwas besser, allerdings gab es auch da coronabedingt Anmeldepflicht und Kontaktverfolgbarkeit: „Das führt eine offene Kinder- und Jugendarbeit ad absurdum“, beklagt Ackermann und ergänzt: „Wenn das alles vorbei ist, wird Pädagogik viel zu leisten haben. Positiv gesehen: Dann haben wir viel zu tun.“

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