Praktische Berufserkundung abgesagt
Fokussieren statt Werken

Sassenberg -

Trotz Corona ist die Berufsfelderkundung der Sekundarschule besser gelaufen als erwartet. Flexibel zu sein, wird dabei nicht nur Lehrern und Arbeitgebern, sondern besonders auch den Jugendlichen abverlangt.

Freitag, 22.01.2021, 08:21 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 14:30 Uhr
Bei Stephanie Lübbers und Jürgen Schürenkamp, die sich an der Sekundarschule um die Berufsorientierung kümmern, ist genauso wie bei Schülern und Betrieben viel Flexibilität gefragt
Bei Stephanie Lübbers und Jürgen Schürenkamp, die sich an der Sekundarschule um die Berufsorientierung kümmern, ist genauso wie bei Schülern und Betrieben viel Flexibilität gefragt Foto: Ulrike von Brevern

Ende Januar sollten die Achtklässler der Sekundarschule eigentlich zur Berufsfelderkundung in heimische Betriebe ausschwärmen. Diese praktische Erfahrung ist nun Lockdown-bedingt gestrichen, bedauert Jürgen Schürenkamp , pädagogischer Leiter der Schule. Bereits seit Anfang vergangenen Jahres hat die praktische Berufsorientierung an der Schule mit coronabedingen Bremsmanövern zu ringen. Dennoch: „Wir sind nicht unglücklich, keinesfalls enttäuscht“, sagt Jürgen Schürenkamp und legt dabei größten Nachdruck in die Stimme. Bislang sei es besser gelaufen als befürchtet, ist er sich mit seiner für den Bereich Berufswahl zuständigen Kollegin Stephanie Lübbers einig.

Schürenkamp weiß genau um die Bedeutung von Praxiserfahrung für die Berufswahl seiner Schüler. Nicht umsonst pflegt er seit Jahren die guten Kontakte zu heimischen Unternehmen. Die systematische Vorbereitung auf das Berufsleben ist eine landespolitische Vorgabe und startet in der achten Klasse mit einer eintägigen „Potenzialanalyse“. Weiter geht es über Bewerbungstraining, Berufsfelderkundungstage, ein dreiwöchiges Schülerpraktikum und individuelle Berufsberatung auf die Zielgerade Richtung Ausbildungsplatz oder weiterer schulischer Bildung.

Das drittelt das Risiko für beide Seiten, für die Schule und die Betriebe.

Jürgen Schürenkamp

Schon bei der Potenzialanalyse, die helfen soll, persönliche Stärken zu ermitteln, hat es wegen der nötigen Hygienevorgaben im vergangenen Jahr gehakt. Unvergleichlich viel schwieriger stellt sich die Situation bei den betrieblichen Praktika dar. Die Schüler der heutigen zehnten Klassen hatte der Lockdown im Frühjahr voll erwischt. Sie wollten gerade für drei Wochen in die Betriebe ausschwärmen – aus Infektionssicht ein Albtraum. Seither lautet Schürenkamps Motto bei der Berufsorientierung: „Fokussieren!“

Ein ums andere Mal betont er diesen Leitgedanken für die Corona-Zeit, der im Grunde nichts anderes bedeutet als Abspecken, Verkürzen sowie hin und wieder auch Trockenübungen als Ersatz. Flexibel zu sein, wird dabei nicht nur Lehrern und Arbeitgebern, sondern besonders auch den Jugendlichen abverlangt.

Das beliebte dreitägige Bewerbungscamp der Schule mit seinem ausgeprägten Erlebnischarakter musste ausfallen. Stattdessen stand fokussiert ein Tag Methodentraining auf dem Plan.

Ihr Praktikum konnten die Zehner dagegen nach den Herbstferien noch nachholen, wenn auch verkürzt auf eine Woche. „Das drittelt das Risiko für beide Seiten, für die Schule und die Betriebe“, erläutert Schürenkamp und sei auf viel Zuspruch gestoßen. Es habe sie positiv überrascht, dass bis auf 18 alle Jugendlichen betrieblich untergekommen seien, bestätigt Lübbers. Das Wunschpraktikum sei es dabei in manchem Fall allerdings nicht mehr gewesen. Besonders Jugendliche, die sich für soziale und pflegerische Berufe interessieren, haben es mit der Praxis schwer.

„Die Betriebe machen möglich was möglich ist“, zeigt sich Lübbers überzeugt. Geeigneten Nachwuchs zu finden, ist kein Selbstläufer mehr. „Für kleinere ist es oft leichter“, hält Schürenkamp mit Blick auf das Praxisangebot gerade auch bei den Berufsfelderkundungstagen fest. Große Unternehmen am Ort hätten ausgearbeitete Konzepte entwickelt, mit dem Anspruch, viele Bereiche vorzustellen. Unter Coronabedingungen funktioniert das nicht mehr.

In der Zehn von Stephanie Lübbers ist das Jahr dann doch noch ganz gut gelaufen. Immerhin acht von 31 Schülern hatten den Ausbildungsvertrag für 2021 schon vor Weihnachten in der Tasche.

Und wenn sich die Schüler bei der Berufswahl dann doch vertun, haben die Fachlehrer einen Trost: „Umwege sind heute erlaubt.“

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