Drei Beispiele von Grundschule bis Gymnasium
Homeschooling als Herausforderung

Sassenberg -

Homeschooling ist in Zeiten des Lockdowns angesagt. Doch nicht überall lässt sich das realisieren, denn nicht alle Familien sind zu Hause digital ausgestattet.

Samstag, 23.01.2021, 10:27 Uhr aktualisiert: 23.01.2021, 10:30 Uhr
Melissa lernt mit ihrer Mutter Heike Maibaum. Abiturient Stephan Lauer nutzt Teams zum Lernen
Melissa lernt mit ihrer Mutter Heike Maibaum. Abiturient Stephan Lauer nutzt Teams zum Lernen Foto: Marion Bulla

Ganz konzentriert sitzt Melissa am Wohnzimmertisch und erledigt ihre Hausaufgaben. Die Achtjährige, die die erste Klasse der Nikolausschule besucht, ist im Homeschooling und zufrieden mit ihrer Leistung. Sie mag am liebsten Mathe und das Ausmalen von Bildern. „Religion finde ich langweilig“, wirft sie ein. Ihre Mutter Heike Maibaum lacht. Sie unterstützt die Tochter wo sie nur kann und nimmt sich Zeit, um mit Melissa zu lernen.

„Melissa macht das sehr gut. Sie ist immer eifrig dabei“, sagt die Sassenbergerin. Einmal in der Woche kommt eine Mail von der Schule, in der die Schüler informiert werden, wann sie die Arbeitsblätter abholen können. „Ich kann Melissa schon ganz gut helfen. Außer bei Geometrie. Da bin ich definitiv raus“, erklärt Heike Maibaum. Dann kommt Papa Jens Maibaum ins Spiel. „Wir ergänzen uns da“, erklärt die zweifache Mutter.

Die meisten Schüler und Eltern sind sehr zufrieden mit dem analogen Angebot.

Stefanie Dilla-Kell

Dass an der Grundschule kein digitales Lernen angeboten wird, macht für Schulleiterin Stefanie Dilla-Kell Sinn: „Die meisten Schüler und Eltern sind sehr zufrieden mit dem analogen Angebot. Viele haben gar nicht die Möglichkeiten, um digital zu lernen. Wenn beispielsweise mehrere Kinder da sind, die im Homeschooling arbeiten, aber nur ein Computer vorhanden ist, dann ist das schwierig.“ Einmal in der Woche würde jedes der 218 Kinder angerufen, um entstandene Probleme mit den Schülern und den Eltern zu besprechen, so Dilla-Kell weiter.

Ganz analog bleibt die Nikolaus allerdings auch nicht: Neben den Arbeitszetteln gibt es auf der Homepage eine digitale Pinnwand, ein so genanntes Padlet, auf der Live-Chats abgehalten werden können. Ebenso können Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen, Bildschirmaufnahmen und Zeichnungen abgelegt werden. Seit wenigen Tagen arbeitet die Grundschule mit „Jitsi“, das ähnlich wie das Videokonferenztool „Zoom“ funktioniert. „Ich finde das super mit der Ergänzung. Wir sind mit den Viertklässlern gestartet. Die waren alle völlig begeistert“, freut Stefanie Dilla-Kell sich.

Melissa war nicht immer eine so gute Schülerin. Sie hatte Anfangsschwierigkeiten, konnte sich nicht konzentrieren und das Lernen fiel ihr schwer. „Corona setzte da natürlich noch einen drauf. Darum haben wir uns entschieden, sie das Jahr wiederholen zu lassen“, blickt Heike Maibaum zurück. Eine gute Entscheidung, wie sie heute weiß.

Ihre 15-jährige Tochter Emelie lernt ebenso im Distanzunterricht. Sie besucht die achte Klasse der Sekundarschule. Ihre Aufgaben bekommt sie in erster Linie von der Homepage der Schule. Dort stehen die Aufgaben nach Jahrgängen und Fächern geordnet zum Download bereit und können ausgedruckt werden. Zwei Stunden lernt sie im Schnitt am Tag für die Schule. Meistens von neun bis elf Uhr. Außer freitags gibt es in dieser Zeit für Emelie auch die feste Möglichkeit, Fragen an die Lehrer zu stellen. „Ich kann aber auch jederzeit, immer, wenn ich nicht weiter weiß, nachfragen“, betont die 15-Jährige.

Ich würde gern wieder zur Schule gehen und vermisse den Unterricht mit der Klasse.

Emelie Maibaum

Sie findet es nicht so gut, zu Hause zu lernen, weiß aber, dass die Maßnahmen notwendig sind. „Ich würde gern wieder zur Schule gehen und vermisse den Unterricht mit der Klasse“, gibt sie zu und fügt an: Für sie sei 2020 dennoch kein verlorenes Jahr.

Die Sekundarschule arbeitet noch nicht voll digital, aber Schulleiterin Elisabeth Suer weiß, dass die technischen Gegebenheiten bei den Schülern zuhause

Beim Distanzunterricht könne er sich wesentlich weniger gut auf die Klausuren vorbereiten, die im Frühjahr anstehen, beschreibt er. Es gebe weder Gruppenarbeiten noch anschauliche Experimente in den Naturwissenschaften. Auch die Bibliothek bleibt dem Schüler verschlossen. „Anstatt neun Stunden haben wir im Homeschooling lediglich vier Stunden. Die Lehrer schicken uns per „Teams“ die Aufgaben mit den jeweiligen Fristen. Die Infos bleiben allerdings nicht so hängen wie im Präsenzunterricht“, erklärt Stephan Lauer.

Die Online-Plattform „Teams“ bildet eine Art digitales Klassenzimmer, in dem auch Unterricht per Videokonferenz stattfindet. Seine Schulstunden beginnen für Stephan Lauer montags bis donnerstags um 7.45 Uhr. Besonderen Fokus legt er auf seine Leistungsfächer Englisch und Sozialwissenschaften. Auch wenn er der Ansicht ist, dass sich der Online-Unterricht von der ersten Idee im Frühjahr bis heute sehr positiv entwickelt hat, sagt Stephan Lauer: „Es ist noch jede Menge Luft nach oben.“ Dabei sei Teams wirklich nicht schwierig, fügt der 18-Jährige an.

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