Serie: Jubiläum des Musikvereins Füchtorf
Nach dem ersten Auftritt gab es 30 Mark für alle

Füchtorf -

Vor 125 Jahren wurde der Füchtorfer Musikverein von 13 Männern gegründet. Spannendes dazu findet sich in der druckfrischen Chronik.

Sonntag, 31.01.2021, 09:15 Uhr aktualisiert: 31.01.2021, 11:34 Uhr
Einweihung des Kriegerdenkmals:
Einweihung des Kriegerdenkmals: Foto: Musikverein

Einen Einblick in die spannende 125-jährige Geschichte des Füchtorfer Musikvereins gewährt unsere Zeitung in einer kleinen Serie. Darin erfährt der Leser auch, dass 1921 das Silber- Jubiläum nicht gefeiert werden konnte und auch das 50-jährige Bestehen 1946 nicht, weil die Folgen der Kriege dies nicht möglich machten.

1896 – Die Gründung: Ein Jahr nahm Anton Heuer in Osnabrück Unterricht, um sich die Fähigkeiten zur Führung einer Musikkapelle anzueignen. Dann wurde der „Füchtorfer Musik Verein“ von 13 Männern gegründet.

1896 bis zum Ersten Weltkrieg : Schon im Dezember 1897 wurde beim BSV bezüglich der Musik zum Jubiläumsschützenfest 1898 der Musikverein „ins Spiel gebracht“. Am 23. Mai 1898 wurde dann festgehalten: „Am Vorabend des Festes, ebenso am Festtage spielt die Musikkapelle Füchtorf und erhält dieselbe dafür 30 Mark“. Ein Jahr später spielte der Musikverein dann erstmals den großen Zapfenstreich. Im Protokoll vom BSV vom 5. April 1899 steht folgendes geschrieben: „Die Train Kapelle fordert pro Mann 8 Mark; der hiesigen Kapelle soll bis 40 Mark für Zapfenstreich und für den Festzug bewilligt werden“.

Am 17. September 1902 wurde der Kirchturm eingeweiht. Der Gottesdienst begann um halb zehn und die Musiker spielten zum Einzug und nahmen an der Feier teil. Dann ging es hinauf, denn festgehalten in einem Zeitungsbericht vom 18. September 1902 ist folgendes: „Von den Mitgliedern des Musikvereins wurden dann von 11 bis 12 Uhr vom Kirchturm aus mehrere Choräle vorgetragen“.

Bernhard Tellen, 1904 zum Organisten und Küster ernannt, wirkte auch im Musikverein. Er hob die musikalische Qualität und veranlasste die Kapelle zum häufigen Spielen in der Kirche. Seither werden auch die Prozessionen vom Musikverein begleitet. Aus dieser Zeit ist folgende Anekdote übermittelt: Einmal hatte sich die Kapelle verabredet, den Küster „tot“ zu spielen, und sie bliesen, was die Puste hergab. Organist Tellen aber zog alle Register und konnte dagegen halten. Doch den Jungen am Blasebalg ging die Luft aus und so gewann der Musikverein dieses Spiel.

Die Musiker traten 1910 der Feuerwehr bei und bekamen somit die erste Uniform. Bei Feierlichkeiten der Wehr wurde dann auch Musik gemacht. So auch im Frühjahr 1912, als die erste Parade der Wehr am Steigerturm stattfand. Danach zog man unter Vorantritt der Musikkapelle in geschlossenem Zuge zum Tönnishäuschen, wo die Jahresversammlung stattfand. So verlief alles in ruhigen Bahnen. Dann kam der Erste Weltkrieg und Musik wurde nur noch an den Gräbern gebraucht. 187 Füchtorfer zogen ins Feld, 43 Männer kehrten nicht zurück, darunter auch Wilhelm Jansen, der in Verein die Pauke schlug.

1920 bis zum Zweiten Weltkrieg: Nach dem Krieg kamen die Musiker wieder zusammen und neue hinzu. Im Verein wurden die Feste gefeiert, wie sie fielen. Dafür spricht im Contobuch die Bezeichnung „1 L.S.“, was „ein Liter Schluck“ bedeutete. Außer in Schluck wurde aber auch in Instrumente investiert und neue Noten angeschafft, um musikalisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Gespielt wurde auf Veranstaltungen des Schützenvereins, der Feuerwehr, des Ortsvereins, des Kriegervereins und des Reitervereins, auf Hochzeiten und Beerdigungen. Auch am Markttag spielte der Musikverein auf und sorgte für Unterhaltung bei Theateraufführungen und im Altersheim. In Warendorf spielt der Musikverein zu Mariä Himmelfahrt und „auf dem Bogen“ bis heute. 1927 wurde die Idee des „Maigangs“, eine jährliche musikalische Traditionsveranstaltung bis Ende der 80-er Jahre, geboren. Während der NS-Zeit bemühte man sich um Selbstständigkeit. Es wurde zwar der Beitritt in den Reichsmusikbund gefordert, doch die Füchtorfer traten nicht bei. 1939 spielte der Musikverein auf dem Schützenfest, auf Hochzeiten und zu kirchlichen Anlässen. Dann brach der Krieg aus und im Verlauf kam jede Vereinstätigkeit zum Erliegen. Die Aufzeichnungen des Contobuches enden mit dem Eintrag unter Ausgaben vom 27. Februar 1941 mit der Position „1 L.S.“.

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