„LebensMittelPunkt“ dicht – wo landen die Spenden?
Am Ende freuen sich die Ponys

Sassenberg -

Der LebensMittelPunkt ist schon seit kurz vor Weihnachten geschlossen. Was passiert nun mit den üblichen Spende? Weggeworfen wird jedenfalls nichts.

Samstag, 06.02.2021, 12:04 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 12:10 Uhr
Für Ponys ist ein gut getrocknetes Brötchen eine echte Leckerei
Für Ponys ist ein gut getrocknetes Brötchen eine echte Leckerei Foto: Ulrike von Brevern

Seit kurz vor Weihnachten hat der „LebensMittelPunkt“ (LMP) geschlossen. Am Laden an der Langefort herrscht sonst vor allem donnerstags Hochkonjunktur: Ehrenamtliche Fahrer bringen frische Ware von spendenwilligen Unternehmen, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sortieren, arrangieren und verkaufen. Vor der Tür bilden sich lange Schlangen der berechtigten Kunden. Obwohl „Tafeln“ während des Lockdowns geöffnet bleiben dürfen, hat sich der LMP bewusst dagegen entschieden: „Das Risiko ist uns wirklich zu hoch“, begründet Vereinsvorsitzender Christian Janke die Entscheidung. Schließlich gehören die meisten der Ehrenamtlichen schon wegen ihres Alters zur Risikogruppe. „Solange der Lockdown gilt, machen wir auf keinen Fall wieder auf“, kündigt Janke im Gespräch an. Am liebsten wäre es ihm sogar, wenn erst alle Helfer geimpft wären, gibt er zu.

Lässt der Verein damit die Bedürftigen im Stich? Nein, ist Janke überzeugt. Der LMP versorge keine Obdachlosen. Er schaffe für „Menschen mit schmalem Portemonnaie“ finanziellen Spielraum. Niemand müsse hungern. Zumal haben sich die Ehrenamtlichen am letzten Öffnungstag mit besonders üppigen Warenkörben verabschiedet. Von Anfang an wollten die Aktiven allerdings nicht nur Bedürftige unterstützen, sondern auch Lebensmittel retten. Was machen die Spender nun mit dem, was sonst beim LMP im Geschäft landen würde?

Wegwerfen machen wir definitiv nicht.

Gaby Haverkamp

Die Frage hat viele Antworten. Manche Unternehmen spenden auf Zuruf aus der laufenden Produktion, etwa ein Betrieb der Agrarbranche in Beelen. Für sie besteht kein Problem. Örtliche Gemüsebauern, die verderbliche Produkte wie Spargel oder Tomaten abgeben, haben saisonbedingt Pause und ebenfalls kein Problem.

Bei Supermärkten und Discountern, die Frischeprodukte nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum spenden, liegen die Dinge dagegen anders. Marktleiter sprechen mit großem Bedauern davon, dass mehr weggeworfen werde. Einige stellen allerdings Aussortiertes aus dem Trockensortiment, Saisonware oder Waschpulver aus dem Angebot zurück in der Hoffnung, dass bald wieder Fahrer zum Abholen kommen. „Allerdings ist Lagerplatz für so etwas bei uns natürlich auch begrenzt“, gibt Edeka-Marktleiterin Daniela Mell zu Bedenken.

Die örtlichen Bäckermeister, die zu den wichtigsten Spendern gehören, sind sich dagegen durchweg einig: Zum Wegwerfen werden ihre Brote und Brötchen auch jetzt nicht gebacken. Der Computer berechne die Lieferung an die Filialen mit noch engeren Rücklaufquoten, berichtet Walburga Thumann. „Wegwerfen machen wir definitiv nicht“, betont Gaby Haverkamp. Wenn der Überlauf nicht an den LMP gehen kann, müsse eben noch knapper geplant werden. Dass eine Brotsorte dann auch mal ausverkauft ist, nimmt sie gerne in Kauf.

Die waren vor 30 Jahren schon totgesagt, verkaufen sich in letzter Zeit aber immer besser.

Martin Arenhövel über „Knabbeln“

Allerdings haben handwerkliche Bäcker auch noch einige Tricks zum Wiederverwerten, demonstriert Bäckermeister Martin Arenhövel in seiner Backstube. Alte Brötchen werden zu Paniermehl gemahlen, das auch im eigenen Betrieb eingesetzt wird. Weizen- und Roggenbrotstücke trocknen im Ofen zu „Knabbeln“ fürs Frühstück. „Die waren vor 30 Jahren schon totgesagt, verkaufen sich in letzter Zeit aber immer besser“, erzählt Arenhövel. Auch im frischen Brot finden sich bei Bäckermeistern eingeweichte geröstete Brotreste. Sie sorgen für Geschmack, aber auch dafür, dass der Teig anders als bei industrieller Produktion auf natürliche Art Wasser bindet und das Brot damit saftig wird.

Ein Problem bleibt allerdings. Der Brötchenappetit der Sassenberger erweist sich im Lockdown als noch unberechenbarer als sonst, bemerkt Arenhövel. Der Zufall hat dem Familienvater einen Weg geebnet, wenn nicht dem LMP, so doch anderen Unterstützungsbedürftigen mit überzähligen Brötchen eine Freude zu machen: Die Ponys, auf denen seine Kinder sonst reiten, lieben die Leckerei und der zugehörige Pferdebetrieb kann Unterstützung bei den Futterkosten brauchen. Schließlich steckt der Reitschulbetrieb auch im Lockdown.

Dass nach der Zwangspause der „LebensMittelPunkt“ wieder aufblüht, daran hat Janke keinen Zweifel: Alle Spender hätten zugesagt, sich wieder zu beteiligen, „und die Mitarbeiter scharren schon mit den Hufen“, scherzt er am Telefon.

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