Sozialausschuss stimmt für Ergänzungsschild
Straßenname als Mahnmal

Sassenberg -

In Sassenberg ist es jetzt beschlossene Sache: Das Straßenschild „Karl Wagenfeld“ soll eine Zusatzinformation erhalten, um die Rolle des Heimatdichters im Nationalsozialismus darzustellen.

Donnerstag, 18.02.2021, 08:30 Uhr aktualisiert: 18.02.2021, 14:56 Uhr
Ein Zusatzschild soll über die zwei Seiten von Karl Wagenfeld aufklären.
Ein Zusatzschild soll über die zwei Seiten von Karl Wagenfeld aufklären. Foto: Ulrike von Brevern

Karl Wagenfeld , dessen Name in vielen westfälischen Städten Straßenschilder ziert, ist als Vorbild in die Diskussion geraten, seit die Mitgliedschaft des Heimatdichters in der NSDAP und sein aktives Eintreten für völkische Ziele ins Blickfeld gerückt ist. Oft wird das Umbenennen erwogen. In Sassenberg soll nach einstimmigem Willen des Sozial-, Jugend-, Kultur-, Sport- und Schulausschusses nun ein Zusatzschild am entsprechenden Straßenschild angebracht werden mit dem schlichten Text: „Karl Wagenfeld (1869-1939) war ein niederdeutscher Heimatdichter. Heute ist er als Unterstützer fremdenfeindlicher Ideologien und des Nationalsozialismus umstritten.“

Mit einem solchen Zusatzschild, das auch den Ehrendoktortitel Wagenfelds weglasse, „setzen wir ein starkes Zeichen, dass wir nationalem Gedankengut keinen Raum geben“, formulierte Jan Heuer (SPD), eine Position, der sich alle Fraktionen anschlossen. Er regte an, den knappen Text zusätzlich mit einem QR-Code zu versehen, über den Interessierte per Smartphone weitere Informationen erhalten könnten.

Dirk Schöne (CDU) würdigte ein Zusatzschild als „Mahnmal“ und Zeichen einer „Änderungskultur“, die der geänderten Vorbildfunktion Wagenfelds Rechnung trage. „Wenn wir das Schild wegmachen, ist nur das Schild weg aber nicht die Gesinnung“, argumentierte er.

Die Grünen hatten in der Ausschusssitzung zunächst noch einmal eine Umbenennung beantragt, die allerdings nur von einem Drittel der Ausschussmitgliedern unterstützt wurde.

Bereits 2012 war schon einmal über die Namensgebung debattiert worden. Damals lehnten die Anwohner eine Umbenennung ab.

Die Entscheidung jetzt geht auf eine Initiative des ehemalige Ratsmitglieds Ulrich Seidel im November zurück. Das Zusatzschild solle klar zu erkennen geben, dass sich die Stadt und ihre demokratisch gesinnten Bürger deutlich von Anhängern verbrecherischer Systeme distanzierten.

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