Mehr Nachhaltigkeit gefordert
FDP rückt Thema Wasser in den Fokus

Sassenberg -

Sinkende Grundwasserstände machen den Politkern der FDP Sorgen. Darum beantragen sie, das Wasserversorgungskonzept der Stadt zu überarbeiten.

Mittwoch, 24.02.2021, 08:03 Uhr
Das Wasserwerk in Rippelbaum ist für die Wasserversorgung auf Grundwasserneubildung angewiesen. Aus dem gleichen Reservoir schöpft auch noch ein Gewerbebetrieb der Fleischindustrie.
Das Wasserwerk in Rippelbaum ist für die Wasserversorgung auf Grundwasserneubildung angewiesen. Aus dem gleichen Reservoir schöpft auch noch ein Gewerbebetrieb der Fleischindustrie. Foto: Ulrike von Brevern

Die FDP-Fraktion im Rat hat beantragt, das Wasserversorgungskonzept der Stadt frühzeitig zu überarbeiten. Die Ressource Grundwasser sei durch den Klimawandel, genauer in Folge veränderter Niederschlagsmengen und steigender Temperaturen zu einem knappen Gut geworden.

Ein Fokus des Antrags liegt auf der „intensiven Wasserförderung“ durch das Wasserwerk in Rippelbaum. „Die sich konzentrisch stetig ausweitende Reduzierung des Grundwasserspiegels“ gibt der Partei zu denken. Und zwar nicht nur in Sassenberg und Füchtorf. Auch der Warendorfer Dr. Hans Günter Schöler, FDP-Vertreter bei den Warendorfer Stadtwerken, die ebenfalls Wasser aus Rippelbaum beziehen, ist zum Pressetermin an den Feldmarksee gekommen, um den Antrag vorzustellen und Aufmerksamkeit auf Nachhaltigkeit beim Thema Wasserversorgung zu lenken.

Seit der letzten Überarbeitung des Konzepts hat sich ein Erkenntnisfortschritt ergeben.

Professor Peter Degen

Die Stadt ist verpflichtet, in einem Konzept darzulegen, wie die Versorgung der Gemeinde mit Trinkwasser in Zukunft sichergestellt wird. Die nächste Anpassung ist eigentlich erst Anfang 2025 fällig. Der FDP ist das zu spät. Sie befürchtet unter anderem, dass in Rippelbaum mehr Grundwasser entnommen wird, als sich – bedingt auch durch weniger Niederschläge – neu bilden kann. Die Krux: „Grundwasser kann ich nicht sehen“, betont Professor Peter Degen . Die Neubildung wird über Modellrechnungen bewertet.

„Seit der letzten Überarbeitung des Konzepts hat sich ein Erkenntnisfortschritt ergeben“, hält er fest. Stefan Wöstmann, Landwirt und schon lange in Sachen Dürreschäden rund um das Wasserwerk aktiv, verweist auf einen Workshop des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) im März, bei dem Methoden zum Ermitteln der Grundwasserneubildung im Fokus standen. Dabei wurden auch Untersuchungen speziell im Rippelbaumer Wassereinzugsgebiet vorgestellt.

Das Ergebnis neuer Berechnungsmethoden weiche demnach von den alten stark ab, berichtet Wöstmann. Ein Problem der Planungsgrundlage seien die zugrundeliegenden Zeitreihen, erläutert Degen: „Die kritische Zeit der vergangenen zehn Jahre mit sinkenden Niederschlägen fällt raus.“

„Jetzt den Hahn abzudrehen, greift aus meiner Sicht allerdings deutlich zu kurz“, betont er jedoch. Schließlich muss das Trinkwasser irgendwo herkommen.

Ein Ansatz, der im Antrag verfolgt wird, ist eine Abstimmung auch mit dem Entsorgungskonzept. „Warum fließt unser geklärtes Abwasser mit den Flüssen ins Meer“, fragt Degen provokativ. Wiedergewinnungsmöglichkeiten wie Rieselfelder oder Rückhaltebecken gehörten mit ins umfassende Konzept, um zu mehr Nachhaltigkeit beim Thema Wasser zu kommen.

Bis zur nächsten Sitzung des Betriebsausschusses für die Wasser- und Abwasserwerke der Stadt im Juni werde die Verwaltung auf den Antrag reagieren, kündigte Betriebsleiter Thomas Middendorf auf Anfrage an. Allerdings sieht er in einer Überarbeitung des städtischen Wasserversorgungskonzeptes kaum den richtigen Hebel, um das Problem anzugehen. Es stütze sich auf Daten des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) und die hätten sich nicht verändert. Middendorf lenkt stattdessen den Blick auch in die Gegenrichtung: Wasser zu sparen, mache weniger Wasserbeschaffung notwendig.

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