Sassenberger lassen sich mit Verträgen Zeit
Glasfasernachfrage noch verhalten

Sassenberg -

Glasfaser ist die Zukunft, und darum war die Freude bei den verantwortlichen Politikern groß, dass dies nun auch in Sassenberg bald überall zugänglich ist. Doch die Bevölkerung scheint da nicht mitzuspielen, denn die Nachfrage ist eher gering. Gut möglich, dass Sassenberg dann irgendwann den Anschluss an die Zukunft verpasst.

Freitag, 19.03.2021, 10:58 Uhr aktualisiert: 19.03.2021, 15:34 Uhr
Für den Außenbereich verlegt ein Bautrupp derzeit in Dackmar die typischen Kabelstränge für die Glasfaseranschlüsse
Für den Außenbereich verlegt ein Bautrupp derzeit in Dackmar die typischen Kabelstränge für die Glasfaseranschlüsse Foto: Ulrike von Brevern

„In fünf bis zehn Jahren werden die herkömmlichen Netze an ihre Leistungsgrenzen stoßen“, hat sich Bürgermeister Josef Uphoff die Ansicht vieler Experten zu eigen gemacht. Darum sieht er es auch als „mehr als richtig an“, ganz unabhängig vom Anbieter für die Glasfaser als Technologie zu werben. Die Sassenberger allerdings lassen sich mit dem Abschluss von Verträgen Zeit, und das gilt nicht nur für die derzeit laufende „Nachfragebündelung“, die das Unternehmen „Deutsche Glasfaser“ auf eigenwirtschaftlicher Basis in den Ortslagen betreibt, sondern auch für die kostenfreie Versorgung von Haushalten im Außenbereich, die aus Bundesmitteln gefördert wird.

Im Außenbereich laufen die Bauarbeiten bislang nach Plan, erläutert Projektkoordinator Ralf Hübscher vom Breitbandbüro des Kreises. 25 Kilometer Kabel sind bislang verlegt, fehlen noch 125 Kilometer bis Ende 2022. Allerdings sind die Baukolonnen im Winter immer etwas langsamer.

Bislang hat sich rund die Hälfte der berechtigten gut 700 Haushalte für den angebotenen Hausanschluss entschieden, 80 Prozent davon für einen aktiven, 20 Prozent für einen passiven. Das seien gute Zahlen für den Ausbauzeitpunkt, sagt Hübscher, gibt allerdings zu: „So vehement, wie die Glasfaser eingefordert wird, hätte ich gedacht, die Zahlen gehen schneller höher.“ Ein Problem sieht er in der Erwartungshaltung. „Man muss aktiv werden, losgehen und einen Vertrag abschließen“, erinnert er. Anders als früher beim Telefon werde ein Haushalt nicht automatisch an die Glasfaserversorgung angeschlossen.

Allerdings bestehe für den Vertragsabschluss im Außenbereich theoretisch noch bis zum Ende der Förderperiode Ende 2022 die Chance. Die eigenwirtschaftliche Nachfragebündelung der „Deutsche Glasfaser“ fürdie drei Polygone in der Ortslage von Sassenberg und Füchtorf endet dagegen nach derzeitigem Stand am 17. April. Hier gibt es keine passiven Anschlüsse, lautet ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Kunden müssen also den Anbieter zumindest vorübergehend wechseln.

Ein Quorum von 40 Prozent der Haushalte muss in je festgelegten Bereichen erreicht werden, dann spannt das Unternehmen das Glasfasernetz für das ganze Gebiet auf. Später sind dann Hausstiche auf eigene Kosten möglich, erläutert Uphoff. „Im Interesse der ganzen Bürgerschaft sollten wir das erreichen“, appelliert er.

Die Werbung der „Deutsche Glasfaser“ dafür hat allerdings heftig mit den Coronabeschränkungen zu kämpfen, berichtet René Fuchs, der für den Vertrieb zuständig ist. Hinzu komme, dass die Versorgung mit Hochgeschwindigkeit auf Basis alter Technik in Sassenberg insgesamt besser sei als in anderen Bereichen. „Der Schuh drückt im Moment nicht so.“

Das gilt offenbar besonders für das Projektgebiet südlich der Hessel (Polygon „Sassenberg Zentrum“). „Sehr, sehr gute Zahlen“ dagegen zeige Füchtorf mit über 30 Prozent, das allerdings mit Sassenberg nördlich der Hessel ein gemeinsames Projektgebiet bildet. Zusammen haben die beiden Polygone derzeit ein Quorum von gut 20 Prozent erreicht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7873683?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F130%2F
Nachrichten-Ticker