Denkmal im Garten von Haus Schücking renoviert
Herkules zeigt wieder Gesicht

Sassenberg -

Herkules macht seinem Namen endlich wieder alle Ehre. Er hat sein Domizil im Garten von Haus Schücking und wurde nun komplett restauriert.

Samstag, 20.03.2021, 11:10 Uhr aktualisiert: 21.03.2021, 11:28 Uhr
Die Statue des mythischen Helden Herkules im Garten von Haus Schücking wirkt nach der Restaurierung frisch und kraftvoll im Kampf gegen die vielköpfige Hydra zu seinen Füßen. In der Werkstatt der Restauratoren in Steinfurt wurde er bis auf das ursprüngliche Material zurückgebildet. Dabei verlor er auch die noch verbliebenen Reste einer Nase aus einem vorangegangenen Restaurierungsversuch (kl. Foto).
Die Statue des mythischen Helden Herkules im Garten von Haus Schücking wirkt nach der Restaurierung frisch und kraftvoll im Kampf gegen die vielköpfige Hydra zu seinen Füßen. In der Werkstatt der Restauratoren in Steinfurt wurde er bis auf das ursprüngliche Material zurückgebildet. Dabei verlor er auch die noch verbliebenen Reste einer Nase aus einem vorangegangenen Restaurierungsversuch (kl. Foto). Foto: Ulrike von Brevern (2) / Nikolai Hartmann von Rüden(2)

Der übermannshohe Herkules ganz hinten im verwunschenen Garten von Haus Schücking strahlt in frischer Sandsteinoptik als hätte der Steinmetz gerade erst den Hammer fallen gelassen. Dabei hat der Kämpe aus der griechisch-römischen Heldensage, der auf seinem Sockel mit nie ermüdender Kraft gegen die siebenköpfige Hydra zu seinen Füßen ankämpft, schon rund zwei Jahrhunderte auf dem Buckel.

Bis vor wenigen Monaten war ihm das auch mehr als deutlich anzusehen, erinnern sich Heffa Schücking und Diplom-Restaurator Nikolai Hartmann von Rüden. Der Experte des Restaurierungsunternehmens Lehmkuhl in Steinfurt hat den Helden in monatelanger Arbeit wieder in die gegenwärtige Form gebracht. „Die Familie ist glücklich, wir sind sehr begeistert“, sagt Eigentümerin Heffa Schücking über das Ergebnis der Restaurierungsarbeiten, die immerhin rund 22 000 Euro verschlungen haben. 15 000 Euro davon steuerte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei, 4500 die Stadt Sassenberg.

Aber mein Großvater erinnerte sich noch daran, wie er ankam.

Heffa Schücking

Der Herkules aus Baumberger Kalksandstein stammt ursprünglich aus dem Besitz des Kloster Marienfeld. Wann genau er entstand, kann Heffa Schücking nicht sagen. „Aber mein Großvater erinnerte sich noch daran, wie er ankam“, plaudert sie aus der Familiengeschichte. Dessen Großvater Levin Schücking hatte die barocke Figur erworben.

Der Umzug damals muss spektakulär gewesen sein. Heute gingen die Restauratoren mit schwerem Gerät zu Werk und zerlegten die Skulptur zum Transport in die Werkstatt in ein Dutzend Einzelstücke.

Der Baumberger Kalksandstein sei ein sehr weiches Material, erzählt Hartmann von Rüden, das ohne weiteren Schutz leicht verwittert. Früher seien solche Skulpturen oft „gefasst“, also bemalt gewesen. Die Farbe dichtete die Oberfläche ab, solange sie keine Risse aufwies.

Sobald der Stein allerdings der Witterung ausgesetzt ist, nagt der Zahn der Zeit. Und genau dieses Schicksal ereilte das Gesicht des Herkules in besonderem Maß. Obwohl Hartmann von Rüden an der Statue Spuren von zwei bis drei Restaurierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten erkennen konnte, blieb vom Gesicht nicht viel übrig.

Geben Sie ihm ein paar Monate, dann sieht er nicht mehr so frisch aus.

Nikolai Hartmann von Rüden

Das machte die Arbeit für den Restaurator aufwendig. In enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde machte er sich daran, Bart, Haartracht und Nasenpartie nachzubilden, wie sie gewesen sein könnten. Dabei musste er auch einiges abtragen, das bei vorangegangenen Restaurierungsarbeiten hinzugefügt wurde, denn das verwendete Material war nach heutigen Erkenntnissen untauglich und schadete dem Stein sogar.

Die Bilder in der Mappe, die der Restaurator für die Dokumentation seiner Arbeit angelegt hat, zeigen deutlich, wie groß der Schaden war. So waren die im vergleich zur Augenpartie scheinbar recht gut erhaltene Nase bereits angesetzt worden. Die Restauratoren mussten sie nun komplett abnehmen. Das entstandene Gesicht und der hübsch gelockte Bart wird nicht exakt so aussehen, wie Levin Schücking beides erblickte. Doch es wird ähnlich sein. „Es ging darum, die Formensprache zu treffen“, erläutert Hartman von Rüden.

Zum Abschluss erhielt die gesamte Skulptur einen offenporigen mineralischen Überzug, eine Opferschicht, die den Recken heute wie frisch aus dem Ei gepellt wirken lässt, nach und nach aber von der Witterung angegriffen werden darf. „Geben Sie ihm ein paar Monate, dann sieht er nicht mehr so frisch aus“, sagt Hartmann von Rüden lachend. Dabei weist er auf einen kleinen grünen Algenfleck, erstes Anzeichen dafür, dass Natur und Witterung ihr Werk wieder aufnehmen werden.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7875642?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F130%2F
Nachrichten-Ticker