Brameyer bemängelt fehlenden Planungshorizont
Politik verunsichert die Kunden

Sassenberg -

Udo Brameyer ist über die aktuelle Politik verärgert. Vor allem stört ihn die Ungleichbehandlung zwischen seinem Möbelhaus und einem Supermarkt oder dem Facheinzelhandel. „Im Supermarkt wird nicht nachvollzogen, wer drin ist und wo sich die Menschen aufhalten. Wir müssen dagegen eine Arbeitskraft für die Einlasskontrolle abstellen. Dabei haben wir mehr als genug Platz.“

Dienstag, 13.04.2021, 05:15 Uhr aktualisiert: 13.04.2021, 16:46 Uhr
Thomas Pohlschmidt (l) und Udo Brameyer würden gerne zuverlässiger die Tür zum Einrichtungshaus öffnen können.
Thomas Pohlschmidt (l) und Udo Brameyer würden gerne zuverlässiger die Tür zum Einrichtungshaus öffnen können. Foto: Ulrike von Brevern

Die Stimmung im Einrichtungshaus Brameyer ist alles andere als gut: „Inzwischen sind die Kunden total verunsichert“, hält Hausleiter Thomas Pohlschmidt verärgert fest. Geschäftsführer Udo Brameyer nickt zustimmend. Verunsicherung ist nicht gut fürs Geschäft. Dazu kommen Kostensteigerungen, immer neue politische Rahmenbedingungen und das Gefühl, dass zwischen Supermärkten und Facheinzelhandel mit zweierlei Maß gemessen wird. Das geht an den beiden Verantwortlichen für rund 60 Arbeitsplätze in Sassenberg nicht spurlos vorbei.

Durch die gegenwärtig Inzidenz ist das ja heute schon wieder in Frage gestellt. Wenn es so weiter geht, können wir statt dessen am Mittwoch das Haus wieder zumachen.

Udo Brameyer

Eigentlich hätte das Haus Grund zur Freude, denn es gehört zu den Projekten, die im Rahmen der Modellregion zur Corona-Öffnung im Kreis Warendorf Ende vergangener Woche ausdrücklich namentlich als Kandidaten genannt wurden. Man habe sich sehr gefreut, berichtet Pohlschmidt von der hausinternen Reaktion auf die Nachricht. Allerdings: „Durch die gegenwärtig Inzidenz ist das ja heute schon wieder in Frage gestellt. Wenn es so weiter geht, können wir statt dessen am Mittwoch das Haus wieder zumachen.“

Kritik äußert er an den unklaren Öffnungsbedingungen. Immer wieder müsse er Anrufe besorgter Kunden beantworten, ob und, wenn ja, unter welchen Bedingungen sie ins Möbelhaus kommen dürften, erzählt der Hausleiter. Durchschnittlich um rund 20 Prozent sei die Zahl der Besucher gesunken, in der Zeit, in der das Haus offen sein durfte, schätzt er. Der Ausfall durch den Lockdown ist da noch nicht eingerechnet.

Ärgerlich macht Pohlschmidt die Ungleichbehandlung: „Im Supermarkt wird nicht nachvollzogen, wer drin ist und wo sich die Menschen aufhalten. Wir müssen dagegen eine Arbeitskraft für die Einlasskontrolle abstellen. Dabei haben wir mehr als genug Platz.“ Mehrere hundert Kunden könnten sich auf den rund 15 000 Quadratmetern Fläche tummeln bei der Begrenzung von 40 Quadratmetern pro Person. „So viele haben wir an normalen Geschäftstagen niemals auf einmal im Haus“, sagt Brameyer. Obwohl froh darüber, dass es geht, ist ihm umgekehrt auch nicht verständlich, warum die Beratung zu Hause weiter erlaubt ist. „Da ist der Raum doch viel kleiner.“

Seit Beginn der Pandemie hat das Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, doch weitere Coronahilfen brauchten noch nicht in Anspruch genommen zu werden. Die Konkurrenz durch das Internet, die andern Orts immer stärker zum Problem wird, trifft das Einrichtungshaus höchstens im Boutiquebereich. „Eine Ledergarnitur für 8 000 Euro kaufen die Leute nicht im Internet, da wollen sie selber noch riechen, fühlen und probesitzen“, erläutert Brameyer.

Dennoch trifft der Umsatzausfall, bei gleichzeitig steigenden Kosten, etwa für Hygienemaßnahmen oder den frisch eingetroffenen Scanner für den Luca-Schlüsselanhänger zur elektronischen Kontaktverfolgung. Richtig teuer wird die Testpflicht: Rund 30 000 Euro würde es kosten, alle Mitarbeiter ein Jahr lang zweimal pro Woche zu testen, hat Pohlschmidt ausgerechnet. Rund Dreiviertel der Belegschaft, würde ein solches Angebot des Arbeitgebers annehmen wollen, hat er ermittelt.

Ob Werbemaßnahmen oder Ausbildungsverträge „man kann einfach nichts mehr planen“, kritisiert der Hausleiter die wechselnden politischen Vorgaben für den Einzelhandel leidenschaftlich. Als Beispiel nennt er die Lehrstelle im Verkauf, die im Sommer frei wird. „Wir bilden gerne aus, wir brauchen das auch für unseren Nachwuchs“, betont auch Brameyer. „Aber wenn wir nicht wissen, ob das Haus offen ist, können wir keine Lehrstelle anbieten. Da gibt es dann nichts zu lernen. Derzeit bleibt alles in der Schwebe.“

Das gilt nach Auskunft der Kreisverwaltung zunächst auch für die Antwort auf die Frage, ob Brameyer nun tatsächlich Modellprojekt wird. Der Ball liege beim Ministerium in Düsseldorf, wann dieses entscheide, sei ebenso wie die Entscheidungskriterien offen. Start könnte bei positivem Bescheid schon in der kommenden Woche sein, vorausgesetzt es findet sich eine Lösung für die Frage Inzidenzwerte, die derzeit im Kreis über 100 liegen.

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