Drohneneinsatz im Münsterland
Rehkitze retten aus der Luft

Sassenberg -

Der kalte Frühling hat zwar die Rehe ein wenig in Verzug gebracht, doch schon bald werden wieder die ersten Kitze im hohen Gras gesetzt. Dann beginnt für Norbert Meinersmann die Arbeit, denn mit er rettet mit Hilfe einer Drohne die Rehkitze vor dem drohenden Tod durch landwirtschaftliche Maschinen.

Mittwoch, 14.04.2021, 06:43 Uhr aktualisiert: 14.04.2021, 09:41 Uhr
Mit dieser Drohne geht der Rehkitzretter in der Saison nachts auf Rettungsflug.
Mit dieser Drohne geht der Rehkitzretter in der Saison nachts auf Rettungsflug. Foto: Norbert Meinersmann

Es geht wieder los für Norbert Meinersmann und seinen Sohn Kevin: Ab Ende April, Anfang Mai steht kaum etwas anderes als die Rehkitzrettung auf dem Freizeitprogramm des engagierten Sassenberger Klimaschutzpreisträgers. Gut hundert der niedlichen Jungtiere rettete er mit seiner Drohne allein im vergangenen Jahr an 40 Einsatztagen vor dem sicheren Tod durch Erntemaschinen. Auch Hasen und Fasane gehörten zu den Nutznießern der nächtlichen Einsätze. Wie nützlich Drohen für die Rehkitzrettung sind, hat inzwischen auch das Bundeslandwirtschaftsministerium erkannt. Ein im März aufgelegtes Förderprogramm unterstützt die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkameras für diesen Zweck mit bis zu 4000 Euro.

Rehkitze sind fast geruchsfrei. Da ist der Hund ganz schnell gar.

Norbert Meinersmann

In diesem Jahr geht es etwas später los mit der Saison als 2020, schätzt Meinersmann. Grund ist die kühle Witterung, die auf den Feldern für weniger Wachstum sorgt. Doch das Grundproblem bleibt bestehen: Die Setzzeit der Rehe kommt in Konflikt mit der ersten, wichtigen Grasernte der Landwirte.

Auf dem erntereifen Feld sind die Kitze kaum zu entdecken. Und dann spielt ihnen auch noch ihr natürlicher Instinkt einen übelen Streich. Bei Gefahr ducken sie sich regungslos an den Boden, statt zu fliehen.

 Meinersmann spürt die Tiere mit der Wärmebildkamera an der Drohne auf, ein Helfer am Boden sichert das Tier und setzt es dann mit einem Nest aus Gras in einem Korb um auf sicheres Gelände.

Landwirte sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass beim Mähen kein Tier zu schaden kommt, erklärt der Rehkitzretter. Oft werde versucht, die Tiere durch Tüten oder Piepser zu vergrämen, aber das funktioniere nicht zuverlässig. Auch wenn der Jagdpächter mit Hund die Wiese abschreite, sei das nur bedingt verlässlich. „Rehkitze sind fast geruchsfrei. Da ist der Hund ganz schnell gar.“ Auch aus so „geräumten“ Wiesen hat er schon Kitze gerettet.

Meinersmann lässt sich von den Landwirten, die ihn kontaktieren, die GPS-Daten ihrer Flächen geben. So kann er die Einsätze bereits zu Hause in die Drohnensteuerung einprogrammieren. Fliegen kann er nur nachts oder bei sehr starker Bewölkung, da sonst der Kamerasensor die kleinen Wärmepunkte der Kitze nicht zuverlässig übermitteln kann. Während der Hauptsaison regiert dann ein straffer Zeitplan: „Die Drohne muss immer fliegen“, so Meinersmann. 69 Stunden war sie 2020 am Himmel und hat dabei 800 Hektar abgesucht.

Der Sassenberger Rehkitzretter freut sich, wenn das neue Bundesprogramm für die Drohnenbeschaffung rege in Anspruch genommen würde. „Mir geht es darum, Nachahmer zu finden“, betont er leidenschaftlich. In diesem Jahr, so fürchtet er allerdings, wird er noch weitgehend alleine unterwegs sein.

Das Programm sei viel zu spät gestartet, lautet seine Kritik. „Du kannst nicht in den Laden gehen und sagen, gib mir die Rehkitzrettungsdrohne - einmal das ganze Programm“, sagt Meinersmann etwas schnodderig. Es gebe für das nötige Equipment Lieferfristen und Schulungsbedarf. Für die Kitze in diesem Jahr könnte das zu lange dauern.

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