Sendenhorst
Beruf des Bauern stirbt nicht aus

Donnerstag, 23.08.2007, 08:08 Uhr

Albersloh . Wer sich für den Beruf des Landwirts interessiert, der kann Informationen dazu auf der ersten Berufsorientierungsmesse (BOM) in Sendenhorst einholen, die am 31. August im Saal des Bürgerhauses stattfindet. In einer WN-Serie zur 1. BOM stellt heute Carl Niehues seine Ausbildung auf dem Hof Bruns vor.
Ein Arbeitsplatz im Grünen ist für viele ein unerfüllter Traum. Für den 20-jährigen Carl Niehues ist dies Realität geworden, denn als angehender Landwirt ist er der Natur ganz nahe.
Carl Niehues wurde durch seine Eltern, die einen landwirtschaftlichen Betrieb in Albersloh führen, an die Arbeiten auf einem Hof herangeführt. „Mir hat die Arbeit mit den Tieren und auf dem Feld immer viel Spaß gemacht, weshalb ich später auch unseren Hof übernehmen möchte“, sagt Carl Niehues.
Doch der Wunsch, Landwirt zu werden, ist nicht mehr nur bei auf dem Land aufgewachsenen Jugendlichen vorhanden. 40 Prozent der Auszubildenden kommen mittlerweile nicht mehr aus der Landwirtschaft. „Ein Praktikum vor Beginn der Ausbildung wäre sinnvoll, um festzustellen, ob einem der Beruf auch wirklich gefällt“, rät Carl Niehues allen Interessierten.
Da er durch die Arbeit auf dem Hof schon viele Kenntnisse mitbrachte, bewarb er sich, ohne ein Praktikum absolviert zu haben, um eine Ausbildungsstelle bei der Familie Bruns. „Die Ausbildung zum Landwirt ist ein wenig kompliziert, da durch das so genannte Kombimodell jeder Ausbildungsbereich durchlaufen werden muss“, meint Carl Niehues. Dadurch, dass sich viele Betriebe nicht auf mehrere Bereiche spezialisiert haben, müssen die meisten Auszubildenden die Lehrzeit auf drei verschiedenen Höfen verbringen, bei denen sie sich separat bewerben müssen. „Dies ist nicht der Fall, wenn sich ein Betrieb, wie auch der der Familie Bruns, nicht nur auf einen Bereich spezialisiert hat“, fügt er hinzu.
Insgesamt muss ein Lehrling, der Landwirt werden möchte, drei Jahre lang in den Bereichen der Reproduktion, im Ackerbau und in der Grünlandschaft unterrichtet werden. „Die Familie Bruns hat sich auf die Schweinezucht und den Ackerbau, wie beispielsweise von Raps, Mais und Weizen, spezialisiert. Wäre dieser Betrieb auf alle drei Bereiche spezialisiert, könnte ich meine Ausbildung auch komplett hier abschließen“, erzählt Carl Niehues.
Ein Haupt- oder Realschulabschluss ist je nach Betrieb ausreichend, doch da er sich mit dem Abiturs bewarb, konnte er seine dreijährige Ausbildungszeit, der ein Probearbeitstag vorausgeht, auf zwei Jahre verkürzen. „Schon nach der elften Klasse habe ich mich beworben, da die Betriebe mitunter bis zu drei Jahre im Voraus ausgebucht sind“, fügt er hinzu.
Auf dem Hof der Familie Bruns ist Carl Niehues zur Zeit der einzige Auszubildende in dem kleinen Team von drei Landwirtern. „Wie viele Auszubildende jeder Betrieb hat, hängt immer von dem Betrieb selber ab“, erklärt der 61-jährige staatlich geprüfte Landwirt Alfons Bruns, der sich die Inhaberschaft des Betriebes mit seinem 32-jährigen Sohn André Bruns teilt.
Die Arbeit auf dem Hof beginnt um 7.30 Uhr, wo nach einer Arbeitsbesprechung für etwa acht Stunden die Kontrolle und die Versorgung der Sauen, die Geburtshilfe, die Ferkelversorgung, die Besamung der Sauen oder die Hilfe bei der Ernte die Aufgaben des Auszubildenden sind.
Während seiner Lehrzeit wird Carl Niehues auch das Bearbeiten und Pflegen des Ackerbodens, den Unterricht in allen für die Landwirtschaft ökonomisch relevanten Bereichen, wie zum Beispiel die Verwertung und Vermarktung von pflanzlichen und tierischen Produkten, und die Planung der Produktion erlernen. „Wichtig ist zudem die richtige Handhabung und Erhaltung der landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte, da der Beruf des Landwirts immer technisierter wird“, erklärt Ausbilder und Diplomingenieur für Agrarwirtschaft, André Bruns.
Parallel hierzu besucht Carl Niehues jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag die Berufsschule in Münster.
Wenn der Azubi im kommenden Jahr seine schriftliche, betriebliche und mündliche Abschlussprüfungen besteht, kann er auf größeren landwirtschaftlichen Betrieben oder im Dienstleistungsbereich arbeiten. Außerdem könnte er sich beispielsweise zum Landwirtschaftsmeister, zum staatlich geprüften Wirtschafter oder zum Agrarbetriebswirt weiterbilden. Für ein Studium zum Bachelor oder Master of Science, für das ein Abiturdurchschnitt mit der Note 2 bis 2,2 verlangt wird, empfiehlt Carl Niehues allen Abiturienten ein Praxisjahr. „Wichtig ist bei diesem Beruf vor allem das Gespür für die Tiere, Interesse an der Natur und technisches Können“, meint André Bruns.

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