Sendenhorst
Mit Stichsäge und Bilderbuch in Berufe schnuppern

Freitag, 24.04.2009, 07:04 Uhr

Sendenhorst / Drensteinfurt - Sara Breiler hat schon eine recht konkrete Vorstellung von dem, was sie beruflich mal werden will: Kosmetikerin. Und auch ihre Freundin, mit der sie die sechste Klasse der Sendenhorster Hauptschule besucht, hat ein Berufsziel im Blick: Valerie Zwetzig möchte Ärztin werden.

Beides hat mit dem, was die beiden Mädchen gestern machten, recht wenig zu tun. Im Abwasserwerk der Stadt informierten sie sich über den Beruf der Fachkraft für Abwassertechnik. Der bundesweite Aktionstag „Girls´ Day“ und „Neue Wege für Jungs“ machte es möglich. Statt Mathe und Deutsch stand das Hineinschnuppern in Berufe auf dem Stundenplan. 25 Betriebe, Einrichtungen und Geschäfte aus Sendenhorst beteiligten sich daran. Von der Veka AG über das Sägewerk und das Hallenbad bis zur Tierarztpraxis und zum Kindergarten war so ziemlich alles Vertreten, was Rang und Namen in der Stadt hat. Hintergrund der Veranstaltung ist, dass Mädchen vermeintlich typische Männerberufe und Jungen traditionelle Frauenberufe kennen lernen sollen.

Auch wenn sich der Name etwas anders anhört, ist die „Fachkraft für Abwessertechnik“ durchaus Frauenberuf. Das wird an Nicole Brüning deutlich, die diesen Job seit zwölf Jahren im Abwasserwerk ausfüllt und die beiden Hauptschülerinnen den ganzen Tag über betreute. „Ich habe hier auf der Anlage gelernt. Und es macht mir immer noch viel Spaß“, erklärte sie. Was auch damit zusammenhänge, dass der Beruf sehr vielfältig sei. „Ich habe jeden Tag etwas anderes zu tun“, machte die Fachfrau den beiden Mädchen deutlich. Reparaturen, Laborarbeiten, Wartung und Kanalkontrolle gehören dazu. Und einige Dinge mehr.

Sara und Valerie fanden den Tag und die verschiedenen Tätigkeiten jedenfalls „sehr spannend“. Besser als Mathe in der Schule? „Jaaa“, antworteten die beiden wie aus der Pistole geschossen.

Hochbetrieb herrschte in Sachen „Girls´ Day“ gestern bei der Veka AG. 28 Mädchen von unterschiedlichen Schulen in der Region schnupperten in die verschiedenen Ausbildungsbereiche hinein. „Wir machen immer gerne dabei mit, um Mädchen an Berufe heranzuführen, die bislang meistens von Männern ausgeübt werden“, machte Ausbildungsleiterin Manuela Balaban deutlich.

Karina Kemmerling und Sina Graute besuchen die Realschule in Drensteinfurt. Gestern beschäftigten sie sich mit Elektro-Schaltkreisen. Überzeugt, dass das das Richtige für die Zukunft ist, waren die beiden bei der Arbeit allerdings nicht. „Geht so“, antwortete Karina auf die Frage, ob der Job Spaß mache. Am mangelnden Engagement lag das aber nicht. „Die Mädchen zeigen viel Interesse“, freute sich Christian Lücke von der Veka AG.

Christina Fink und Ayfa Ata griffen derweil beherzt zu Bohrmaschine und Stichsäge . „Verfahrensmechanikerin“ stand auf ihren Dienstplan. In der Werkstatt schafften sie den ganzen Tag über gemeinsam mit anderen etwas Bleibendes für zu Hause: ein weißes Tablett und ein orangenes CD-Regal. Ob sie sich einen solchen Beruf vorstellen können, wollten sie noch nicht entscheiden. Aber: „Das macht irre viel Spaß“, erklärte Semra Köster, die die Klasse sieben der Teigelkamp-Hauptschule besucht und gestern für einen Tag eine durchaus talentierte Industriemechanikerin war.

Marcel Bart, Marvin Happe und Sean Rankin hatten sich für einen Schnuppertag im Marienkindergarten entschieden. Und dort kamen die 14 beziehungsweise 15 Jahre alten Jungs, die alle drei in die Klasse 8a der Teigelkampschule gehen, besonders gut als Spielpartner an. „Wir haben uns darauf gefreut, auf fröhliche Kinder zu treffen und mit ihnen zu spielen“, berichtet Marcel Bart. Gemeinsam mit den Kindern im Bällebad zu spielen, mit ihnen einen Bilderbuchgeschichte anzusehen oder die Turnhalle unsicher zu machen, war ebenso interessant wie die freien Spielphase im Freien, bei denen vor allem die Jungs ganz schnell Kontakt zu ihren großen Besuchern fanden.

Für die zwölfjährige Svenja Wilde waren Begriffe wie Keilriemen und Bremsklotz schon vor dem „Girls´ Day“ keine Fremdwörter. Und so war für sie schnell klar, dass sie diesen Tag in einer Autowerkstatt verbringen möchte. Gemeinsam mit Jürgen Kunstleve machte sie sich im Autohaus Thomas an die Arbeit. Sie half beim Reifenwechseln, putzte sorgfältig Windschutzscheiben, sah zu wie ein Scheibenwischermotor erneuert wurde und machte sich mit auf die Fehlersuche bei einer Klima-Anlage. „Und unter ein Auto habe ich heute auch schon gesehen“, strahlte die junge Damen, die den spannenden Tag außerhalb der Schulmauern sichtlich genoss.

Juliana Raabe, Viktoria Stumm und Lisa Fischer gehen gemeinsam in die Klasse 8 b der Teigelkampschule. Und da sie sich ebenso wie Michelle Kruse, die auf die Realschule in Drensteinfurt geht, sehr für Sport interessieren, fiel ihre Wahl für den „Girls Day“ auf einen Einsatz im Sendenhorster Hallenbad. Dort verbrachten sie den Vormittag zunächst mit vielen technischen Dingen.

Sie nahmen das umfangreiche Leitungssystem der Anlage genau unter die Lupe und ließen sich zeigen, wie man den ph-Wert und den Chlorgehalt des Wassers untersucht. „Wir hätten nicht gedacht, dass es in einem Hallenbad so große Technikräume gibt“, beschrieben die vier ihre Eindrücke vom Vormittag.

Am Nachmittag stand dann für alle der ganz normale Badebetrieb auf dem Programm. Ob sie sich die Ausbildung für den Beruf des Schwimmmeisters vorstellen könnten, bedurfte bei allen vier Schülerinnen nach den ersten Eindrücken nur wenig Überlegung „Ja, das kann man machen.“

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