Sendenhorst
Wasser war für die Feuerwehr Mangelware

Samstag, 03.04.2010, 05:04 Uhr

Sendenhorst - Die Feuerwehr Sendenhorst feiert vom 30. April bis zum 2. Mai ihr 125-jähriges Bestehen. Ein Grund, zurückzublicken, was sich in puncto Gebäude und Ausrüstung im Laufe der Jahre verändert hat.

Alles begann mit einem kleinen Steigerturm auf dem Schulhof, der 1910 von einem Steigerturm mit Spritzenhaus in der Mühlenkuhle abgelöst wurde. 1928 beschloss man, die Feuerwehr wieder in den Mittelpunkt der Stadt zu rücken und einen neuen Steigerturm mit Gerätehaus zu bauen.

Ohne Rast und Ruh machte sich der damalige Wehrführer Wilhelm Everke ans Werk. Denn der Standort Stadtmitte hatte den Vorteil, dass die Wehr bei einem Brand jeden Stadtteil gleich schnell erreichen und versorgen konnte.

Die Wahl fiel auf das früheres Wohnhaus von Bernhard Bolte auf dem Placken, wo ein stattliches, 16 Meter hohes Feuerwehrgerätehaus mit Steigerturm entstand. Der Entwurf stammte vom Sendenhorster Bauunternehmer Anton Brandhove und wurde von Maurermeister Josef Schmies in die Tat umgesetzt.

Die Einweihung des neuen Turms und Gerätehauses im Sommer 1928 feierten die Feuerwehrmänner mit ihren Gästen in vollen Zügen. Alle Nachbargemeinden machten sich auf den Weg zu ihren Sendenhorster Kollegen, um an dem großen Festumzug teilzunehmen. Selbst die Kirche wurde für den großen Tag eigens mit 16 elektrischen Scheinwerfern angestrahlt

Im Zuge der baulichen Veränderungen hatte die Wehr sich auch darauf geeinigt, eine eigene Fahne für die Feuerwehr anfertigen zu lassen und die Ausrüstungsgegenstände zu erweitern.

Die Fahne, eine Schöpfung des Sendenhorster Kunstgewerbelehrers Joe Jaspert, bestand aus reiner Seide und kam tragischerweise noch im selben Jahr zum Einsatz, als Wehrführer Wilhelm Everke am 7. Oktober starb. Sie wurde ihm zum letzten Geleit von seinen Kameraden vorangetragen. Auch seinem Nachfolger Anton Brandhove brachte die Fahne kein Glück. Denn nach weniger als einem Jahr Amtszeit musste sie auch ihm die letzte Ehre erweisen.

Im Februar 1929 setzte man den Brennereibesitzer Heinz Everke zum Nachfolger ein. Er schaffte es, sein Amt ganze 38 Jahre auszuüben und die Feuerwehr in ein neues technisches Zeitalter zu führen. Als er im Alter von 27 Jahren sein Amt übernahm, zählte die Handdruckspritze noch zur gängigen Ausrüstung. Als er es 1967 abgab, besaß die Feuerwehr ein neues Gerätehaus und verfügte über vier Einsatzfahrzeuge.

Zunächst kamen 1934 die erste Motorspritze und 1000 Meter Schlauch hinzu. 1935 feierte die Feuerwehr Sendenhorst ihr 50-jähriges Bestehen mit 49 Wehren aus den Kreisen Beckum, Münster und Warendorf. Einen solchen Aufmarsch hatte die Stadt bis dahin noch nicht erlebt, und selten wurde an keinem Tag so viel „gelöscht“ wie an diesem.

Des Wehrführers Schaffens- und Moderisierungsdrang war aber längst noch kein Ende gesetzt. So wurde 1946 eine zweite Motorspitze angeschafft und 1948 die dritte. Der große Wassermangel in der Stadt machte die Anschaffung einer dritten Spitze sowie den Kauf eines Gruppenwagens notwendig. Denn die Stadt verfügte bis dahin noch immer nicht über eine zentrale Wasserversorgung. Der Mangel wurde 1950 behoben, als Sendenhorst an das Wasserwerk Ahlen angeschlossen wurde.

Kurz vor seiner Verabschiedung in den Ruhestand, schaffte es Heinz Everke, ein weiteres Mammutprojekt zu vollenden: den Bau des neuen Gerätehauses in der „alten Stadt“ an der Fröbelstraße. Der Neubau wurde erforderlich, da das alte Gebäude den Anforderungen der neuen Feuerwehrfahrzeuge nicht mehr gerecht wurde. So war es bei Einsätzen beispielsweise notwendig, dass sich zwei Wehrleute an die Spitze der Drehleiter hängten, damit diese den Einstellplatz unfallfrei verlassen konnte. Das 300 000 Mark teure Gebäude wurde am 23. Juli 1967 feierlich eingeweiht. Und dort heißt es bis heute, nach zwei Anbauten und der Ansiedelung der Rettungswache des Kreises Warendorf, „gut Schlauch“ und „Wasser marsch“.

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