Prinzessin Ulrike stürmt das Rathaus
Mit Schaufeln und Äxten

Sendenhorst -

Mit List und ein bisschen Gewalt haben Prinzessin Ulrike und ihr Gefolge am Sonntag das Rathaus gestürmt. Bürgermeister Berthold Streffing musste sich geschlagen geben.

Sonntag, 19.02.2012, 15:02 Uhr

Auch wenn die Kasse leer ist: Kaufen ließ sich Bürgermeister Berthold Streffing nicht. Die Goldschätze aus dem Oman , die Prinzessin Ulrike am Sonntagmittag mitgebracht hatte, ignorierte er schlicht und ergreifend. Er blieb standhaft auf seinem Balkon.

Die Drohung mit der geballten Macht der Zwerge beeindruckte ihn ebenfalls nicht. „Ich werde Fruchtzwerge daraus machen“, blieb Streffing gelassen. Die Verstärkung, die er sich zuvor gesichert hatte, hatte ihn da allerdings längst verlassen. Und Ehefrau Renate war auch längst übergelaufen. Sie konnte der Verlockung nicht widerstehen, zum „Ehrentanzmärchenzweg“ ernannt zu werden. „Sie ist jetzt auf meiner Seite“, säuselte Ulrike Richtung Rathausbalkon. Und: „Berthold, bis Du noch da?“

Berthold war noch da, und er wehrte sich standhaft. Und er ließ sich auch nicht einlullen. „Bürgermeisterchen, lass dein Haar herab“, forderte die Märchenprinzessin – vergeblich. Und auch das Angebot, mit ins Stadtarchiv zu gehen, blieb ohne greifbare Folgen. Lieber fror der Bürgermeister bei bis dahin noch trocken-kaltem Wetter einsam auf seinem Balkon weiter, während sich die Karnevalisten und einige hundert Besucher auf dem Rathausplatz warm schunkelten.

Also doch Gewalt! Die Zwerge hatten Schaufeln und Äxte mitgebracht, um der Rathaustür, aus der dichter Verteidigungsqualm nach außen quoll, den Garaus zu machen. Aber da Zwerge nun mal „nur“ Zwerge sind, war auch das zunächst vergeblich.

Der „Bösegucker“, wie der erste Bürger den Leibwächter der Prinzessin bezeichnete, musste ’ran. Scheich Abdullah schicke auf Arabisch einige Verwünschungen in Richtung Rathausbalkon, und schon waren die Zwerge im Gebäude. Ulrike I. folgte ihnen, und nach einem kurzen, aber heftigen Gezerre um den begehrten Schlüssel war die Angelegenheit erledigt. Berthold Streffing hatte abgedankt. „Ich mache hier nichts mehr“, beugte er sich resigniert der närrischen Übermacht.

Im Chefbüro übernahm Ulrike auch gleich die Amtsgeschäfte. Sie erließ ein paar neue Gesetze, die den Beifall des Publikums fanden. So wird alsbald ein Radweg zwischen Sendenhorst und Albersloh gebaut.

Die neue Rathauschefin war mit sich und ihrer Arbeit sichtlich zufrieden. „Mir gefällt das hier“, sagte sie. Endlich werde im Büro des Bürgermeisters auch mal die notwendige Arbeit erledigt, trat sie noch ein bisschen nach, bevor sie und ihr Anhang sich im Rathaus breit machten.

Der zwischenzeitliche Schneeregen konnte die Narren übrigens nicht davon abhalten, vor dem Rathaus weiterzufeiern.

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