Sonderfahrt auf der WLE lockt viele Fahrgäste
Mit Tempo 20 Richtung Münster

Albersloh/Sendenhorst -

Die Sonderfahrt war mit 20 Stundenkilometern beschaulich, und der Fahrplan geriet dadurch ordentlich durcheinander. Gleichwohl genossen die Gäste die Reise im modernen Zug auf der WLE-Strecke zwischen Sendenhorst und Münster. Und manch einer dachte darüber nach, wie es wohl mit regelmäßigen Zügen wäre.

Dienstag, 04.06.2013, 10:06 Uhr

Um 12.19 Uhr stehen viele Fahrgäste pünktlich zur geplanten Abfahrtszeit am Schrankenbereich der Bahnhofstraße in Albersloh und warten auf einen „Talent“-Triebwagen der Deutschen Bahn , der über die WLE-Strecke nach Münster fahren soll. Um 12.30 Uhr warten sie noch immer. Doch dann rollt der schicke rot-leuchtende Zug ein, der mit klimatisierten Abteilen modernen Komfort bieten kann.

Die modernen Abteils waren gut gefüllt.

Die modernen Abteils waren gut gefüllt. Foto: Christiane Husmann

Viele junge Familien mit Kindern, Eisenbahnfans und Ausflügler nutzen das Angebot, das die WLE, der Zweckverband Schienen-Personen-Nahverkehr, die Arbeitsgemeinschaft Schienenverkehr Münsterland und die DB gemeinsam auf die Beine gestellt hatten. Bei herrlichem Wetter rollt der Personenzug an und bahnt sich ganz gemächlich seinen Weg von Sendenhorst über Albersloh bis zum Bahnhof Münster Ost an der Halle Münsterland. Dabei macht er auch in Wolbeck und Gremmendorf Halt.

Auch Familie Nelle nimmt mit drei Kindern im Zug Platz. „Für unseren Jüngsten, Joshua, ist es die allererste Zugfahrt“, erzählt Nicola Nelle. Von Vater Stefan Nelle kommen einige kritische Töne in Bezug auf die mögliche Reaktivierung der Strecke. „Das ist ja schon spannend mit dem Zug, nur wie soll das angesichts leerer Haushaltskassen finanziert werden?“ Optimistisch äußert sich Bernd Stapel: „Ich fände es klasse, wenn die Bahn wieder fahren würde – aber die Umgehungsstraße soll zudem kommen.“ Eine Bahnfahrerin erklärt dazu: „Ich bin über jedes Auto froh, das von der Straße kommt“. Eine andere fügt an: „Doch was ist mit den Leuten, die nicht in Bahnhofsnähe wohnen? Für die ist doch der Bus mit mehreren Haltestellen viel bequemer.“

Diese Reisenden warteten an den Schienen in Albersloh.

Diese Reisenden warteten an den Schienen in Albersloh. Foto: Christiane Husmann

Die Meinungen zur in Rede stehenden Reaktivierung des Personenverkehrs auf der alten WLE-Strecke gehen auseinander, doch an diesem sonnigen Sonntag freuen sich alle auf eine Fahrt mit der Bahn.

Die Kinder finden die Zugfahrt toll. „Zugfahren ist cool“, sind sie sich einig. Sie genießen den Ausblick und die großzügigen Sitze der Waggons. Einige ältere Kinder zücken ihre „Go-Card“, die sie sonst für die Fahrten mit dem Bus nutzen können. Der nette Fahrkartenkontrolleur Werner Fockers nickt den Abonnenten zu. Auf die Frage, wie es zu der Verspätung kommt, gibt dieser an, dass der Fahrplan falsch berechnet worden sei. Man habe die Geschwindigkeit von Güterzügen zugrunde gelegt. Die liege bei etwa 40 Stundenkilometern. Doch für den Personenverkehr sei auf dem alten Schienenbett bisher lediglich eine Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern erlaubt.

Mit Verspätung, aber mit gut gelaunten Fahrgästen erreicht der Zug den Bahnhof an der Halle Münsterland, wo ein RVM-Busshuttle wartet, um die Ausflügler zum Hafenfest zu fahren. Für den Rückweg per Zug ist der Blick auf die Uhr unnötig, denn eine pünktliche Abfahrt kann eigentlich ausgeschlossen werden.

Am Sonntagnachmittag summiert sich die Verspätung des Zuges am Ende auf über eine Stunde. Die meisten Fahrgäste nehmen dies relativ gelassen, andere fahren vom Hafenfest mit dem Bus nach Hause.

Große Freude an der Sonderfahrt haben Fotografen, die sich überall an der Strecke postieren, um den Zug zu fotografieren. Und auch die Radfahrer, die weite Strecken neben den Gleisen her fahren können, haben ihren Spaß. Wer kräftig in die Kette tritt, ist mit dem Fahrrad sogar eher beim Hafenfest als die Zugfahrer.

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