Wandel der Landwirtschaft wird auf dem Hof Niehues besonders deutlich
Biogas und Schweinemast

Albersloh -

Biogasanlage und Schweinemast statt Mischbetrieb mit Ackerbau und verschiedenen Viehsorten: Der Wandel in der Landwirtschaft wird auf dem Hof Niehues in der Bauerschaft Sunger besonders deutlich. Gleichwohl hat sich seit dem Ursprung im neunten Jahrhundert eines nicht geändert: Die Sieben-Tage-Woche bringt viel Arbeit.

Sonntag, 10.11.2013, 06:11 Uhr

„Mal mit den Nichtlandwirten ins Gespräch kommen. Das ist was wir wollen“, begrüßt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV), Burkhard Schulze Dernebockholt, die Mitglieder des Albersloher Heimatvereins. Gemeinsam mit einigen Landwirten sind sie der Einladung des LOV auf den Hof Niehues gefolgt, um sich dort einen tiefen Einblick in den Schweinemastbetrieb zu verschaffen und die hofeigene Biogasanlage unter die Lupe zu nehmen. „In den Medien steht die Landwirtschaft oft in der Kritik, und es entstehen viele Vorurteile“, weiß der Vorsitzende, der „auf Transparenz setzt“, um die Arbeit der örtlichen Landwirte vorzustellen und Vorurteile zu relativieren.

Gerne haben sich Bernhard Niehues , Ehefrau Astrid und Sohn Carl bereiterklärt, ihren Hof in der Bauerschaft Sunger vorzustellen. Der Hof blickt auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück, die ihre Anfänge im neunten Jahrhundert hat und von Bernhard Niehues kurz vorgestellt wird. Dabei berichtet er von der Übertragung des Hofes auf das Aegidii-Kloster in Münster im Jahre 1220.

In dieser Zeit arbeiteten die Menschen auf dem Hof als Knechte und Tagelöhner, die mit einem Teil der Ernte die Versorgung der Klostermönche sicherten. „Im Jahr 1811 kamen die Franzosen mit Napoleon, dem wir die Bauernbefreiung zu verdanken haben“, berichtet Bernhard Niehues, der seinen Beruf liebt, aber auch die hohe Arbeitsbelastung beim Namen nennt. „Bis 1972 waren wir ein Mischbetrieb, so wie sich manche Städter vielleicht einen typischen Bauernhof vorstellen. Doch auf Dauer wäre das aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen nicht mehr rentabel gewesen, und wir haben uns auf Ackerbau und Schweinemast spezialisiert“, erzählt Niehues, der als 19-Jähriger den Hof von seinem damals 65-jährigen Vater übernommen hatte.

Der Hof ist ein Ausbildungsbetrieb. 1800 Schweine müssen versorgt, und 95 Hektar Ackerland nebst einiger Hektar Wald bearbeitet werden. „Das ist ein riesiger Arbeitsaufwand mit einer Sieben-Tage-Woche, bei der wir von unseren Frauen stark unterstützt werden“, beschreibt Bernhard Niehues den anstrengenden Arbeitsalltag, der nur wenig Freizeit bereit hält.

Vater Niehues ist froh, dass sein Sohn Carl mit in den Betrieb eingestiegen ist. Von der Pike auf an bis hin zum Studium in Osnabrück: Carl Niehues hat gelernt, wie man einen modernen Landwirtschaftsbetrieb führt.

Längst haben moderne computergesteuerte Maschinen viele manuelle Arbeiten abgelöst. Davon überzeugen sich die Besucher beim Gang durch die Schweineställe. Sie möchten die Schweine nicht stressen, doch Carl Niehues beruhigt: „Die Schweine sind stressstabil.“

Das liege auch daran, dass den Schweinen heute eine Fettschicht zugestanden werde, die der Verbraucher in den 1970-Jahren abgelehnt habe. Auch sonst sind die Schweine topfit und erwidern in ihren Boxen den neugierigen Blick der Besucher.

Dann geht’s zur Biogasanlage, die von Carl Niehues ausführlich beschrieben wird. Dabei erklärt er anschaulich, wie aus einer Mischung von 80 Prozent Gülle und 20 Prozent Feststoffen, wie Sommergerstensilage, Mais oder Stroh, das sogenannte „Mistgas“ aus brennbarem Methan, nichtbrennbarem CO² und geringen Mengen Ammoniak und Schwefel gewonnen wird. Carl Niehues bezeichnet die Anlage als kleine Biogasanlage, die jedoch genug Kilowattstunden erzeuge, um den Hof mit Strom versorgen zu können. Dabei gelten bei der „Fütterung“ der Anlage strenge Vorgaben, wie auch sonst in der Landwirtschaft.

Davon kann Bernhard Niehues ein Lied singen. „Die Politik kommt den Landwirten mit immer neuen Maßgaben, die befolgt werden sollen. Plötzlich soll verstärkt Mais angebaut werden, was nach der Umsetzung dann aber bei Teilen der Bevölkerung für Unmut sorgt. Schuld ist Mal wieder der Landwirt.“

Familie Niehues setzt auf „regionale und nachhaltige Landwirtschaft“, mit kurzen Wegen und Transparenz. „Beispielsweise füttern wir unsere Schweine mit 60 Prozent hofeigenem Futter und 40 Prozent eiweißreichem Ergänzungsfutter“, erklärt Niehues. Auch die Ferkel würden von einem Händler aus der näheren Region geliefert.

Mit tiefen Einblicken in die örtliche Landwirtschaft treffen sich anschließend alle zum Plauschen und Diskutieren in der geschmückten Scheune der Familie Niehues. Dabei lässt man sich eine Bratwurst schmecken, deren Herkunft nachvollziehbar sein sollte.

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