Adventskonzert in der Pfarrkirche St. Martin
Musikalische Krönung

Sendenhorst -

Über 200 Zuhörer füllten am Sonntag die Sendenhorster Pfarrkirche St. Martin, nur in den Seitenschiffen war noch Platz. Dass sie mit dem Besuch des Konzertes eine gute Wahl getroffen hatten, zeigte sich in den großartigen Leistungen, die dort beim Adventskonzert des Kirchenchores St. Martin geboten wurden.

Dienstag, 09.12.2014, 19:12 Uhr

Der Kirchenchor St. Martin und das Kourion-Orchester aus Münster präsentierten sich beim Adventskonzert unter der Leitung von Winfried Lichtscheidel in Hochform.
Der Kirchenchor St. Martin und das Kourion-Orchester aus Münster präsentierten sich beim Adventskonzert unter der Leitung von Winfried Lichtscheidel in Hochform. Foto: Heinz Braunsmann

In der Adventszeit wird überall viel geboten, da fällt die Wahl oft schwer. Über 200 Zuhörer füllten am Sonntag die Sendenhorster Pfarrkirche St. Martin , nur in den Seitenschiffen war noch Platz. Dass sie damit sicherlich eine gute Wahl getroffen hatten, zeigte sich in den großartigen Leistungen, die dort beim Adventskonzert des Kirchenchores St. Martin geboten wurden. Zusammen mit dem Kourion-Orchester Münster und fünf hochkarätigen Solisten wurde ein besinnliches Programm zur Vorweihnachtszeit geboten, das einen Sonntag im Advent tiefgreifend krönen konnte.

Den Beginn des Konzertes machte die barocke Bach-Kantate „Nun komm der Heiden Heiland“, BWV 61, die zum ersten Advent geschrieben ist. Schon beim Eingangschor zeigte sich, dass Kantor Winfried Lichtscheidel nicht übertrieben hatte, als er bereits bei der Begrüßung einen „auf Hochform getrimmten“ Chor vorstellte. Dem Chor gelang von Beginn an eine saubere Intonation und klare sprachliche Präsenz, die Sängerinnen und Sänger agierten konzentriert und motiviert.

Als Solisten beeindruckten der Tenor Stephan Hinssen, der Bass Michael Nonhoff und die eigens aus Stuttgart angereiste Sopranistin Johanna Zimmer – allesamt von verschiedenen Auftritten in Sendenhorst bereits gut bekannt. Hinssen musizierte die Arie „Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche“ sehr ausdrucksstark mit klarer, schlanker Tenorstimme, die vor allem in den Höhen eine durchdringende Präsens entwickelte. Demgegenüber präsentierte sich der Münsteraner Michael Nonhoff als sonorer, fast majestätisch wirkender Bass im nachfolgenden Rezitativ.

Mit federleichter Akzentuierung, fast spielerisch, bewältigte Johanna Zimmer die bekannte Arie „Öffne dich, mein ganzes Herze“ und brillierte dabei in den vollkommen mühelos und selbstverständlich wirkenden Höhenlagen.

Als Hauptwerk des Abends erklang dann das französisch gefärbte „Oratorio de Noël“ von Camille Saint Saëns, das durch seine weiche, zarte Romantik, seinen ruhigen, fast kontemplativen Charakter und seine dezente Orchestrierung mit Streichern, Harfe und Orgel sehr schön in die Adventszeit passt. Die souverän und professionell agierenden Streicher des Münsteraner Kourion-Orchesters wussten diesen verhaltenen Grundton des Werkes sehr konsequent umzusetzen und agierten wach und flexibel auf das umsichtige Dirigat des ausgezeichnet aufgelegten Leiters Winfried Lichtscheidel. Seine an der Orgel sitzende Gattin Agata Lichtscheidel musizierte im Zentrum des Orchesters fehlerlos mit romantisch eingefärbten Registrierungen. Das wegen der gewünschten Nähe zum Orchester genutzte elektronische Instrument wirkte mit teilweise stark tremulierenden Stimmen in den solistischen Passagen allerdings arg synthetisch, mischte sich dann jedoch gut mit den Streichern. Angesichts der hochwertigen romantischen Woehl-Orgel vor Ort muss diese Entscheidung doch in Frage gestellt werden.

In dem stark auf die Solisten zugeschnittenen Werk kamen auch die junge Altistin Wiebke Wieghard (Alt) und die gebürtige Finnin Eeva Tenkanen (Mezzosopran), ihres Zeichens Gesangsdozentin an der Detmolder Musikhochschule, zum Einsatz. Eeva Tenkanen kontrastierte durch ihre sehr raumfüllende und grundtönige Stimmcharakteristik deutlich zum Sopran. Wiebke Wieghard beeindruckte durch ihre klare Tongebung und eine auch in der Tiefe kraftvolle Altstimme.

Das begeisternde Oratorium führt die Solisten in verschiedenen Kombinationen zusammen. So gingen Sopran und Bass im „Benedictus, qui venit“ eine großartig gelungene Verbindung ein. Auch das beschauliche Trio „Tecum principium“ gelang mit Unterstützung der gut durchhörbaren Harfe sehr einfühlsam. Im Quintett mit Chor „Consurge, Filia Sion“ agierten schließlich alle Beteiligten zusammen. Die dynamisch und intonatorisch hervorragend aufeinander eingehenden Solisten mischten sich harmonisch mit Chor und Orchester zu einem Gesamtklang von sinfonischer Größe und führten das romantische Oratorium einem gelungenen Höhepunkt zu.

So wurde der abschließende festlich-majestätische Chor „Tollite hostias“, der noch einmal die Freude auf die Ankunft des Herrn vermittelt, mit lang anhaltendem Applaus des begeisterten Publikums quittiert, das die Akteure des gelungenen Abends nicht ohne Zugabe entlassen mochte.

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