Sendenhorster Stadtgründung vor 700 Jahren
Ein unbedeutendes Dorf

Sendenhorst -

In einer Urkunde vom 11. August 1315 wird die Stadt – „Opidum“ – Sendenhorst zum ersten Mal erwähnt. Und das in einem unbedeutenden Zusammenhang für die damals unbedeutende Stadt. Es ging um die Verpachtung eines Grundstücks. Eine andere Urkunde über die Stadtgründung gibt es nicht.

Dienstag, 24.02.2015, 16:02 Uhr

Eine fast belanglose Bemerkung: Das ist alles, womit belegt werden kann und soll, dass die Stadt Sendenhorst in diesem Jahr 700 Jahre alt wird – und das ab dem Sommer groß feiert. In einer Urkunde vom 11. August 1315 wird die Stadt – „Opidum“ – Sendenhorst erwähnt, schreibt Heinrich Petzmeyer in seiner Stadtgeschichte.

Dabei ging es nicht einmal um Bedeutendes. Sondern um die alltägliche Verpachtung eines Grundstücks innerhalb eben jener Stadt durch Gottfried von Hövel , Domherr von Überwasser zu Münster. Acht damalige Schilling gab es seinerzeit jährlich für den Kamp – ein eingefriedetes Grundstück innerhalb der Stadt. „Gegeben und verhandelt im Jahr des Herrn 1315 am Tage nach St. Lorenz, der Märtyrer“, lautet die Übersetzung aus dem Lateinischen.

Da hat es die Stadt Sendenhorst also schon gegeben. Doch wie lange, das ist unklar. Eine Gründungsurkunde, heute im Archiv einer jeden Stadt das Schmuckstück, gibt es nicht. Sendenhorst ist im Laufe seiner Geschichte so oft abgebrannt, dass wohl auch eine solche Urkunde mit vernichtet wurde.

Die Stadtrechte hatten seinerzeit eine weit größere Bedeutung als im heutigen Bewusstsein der Städter. Heute gelten alle Menschen als gleich vor dem Gesetz – egal, ob sie auf dem Land oder in der Stadt leben. Das war nicht immer so. Im Mittelalter wohnten die meisten Menschen auf dem Land. Und sie waren in ihrer Freizügigkeit eingeschränkt oder im Eigentum des Herrn, schreibt Petzmeyer. „Nur wenige Freibauern und die Bürger der Städte waren frei.“

Sendenhorst war im Gesamtgefüge der Region unwichtig. Und dennoch erhob Bischof Ludwig von Hessen „sein“ Kirchdorf um 1315 in den Rang einer Stadt. Und das nicht, weil das kleine Sendenhorst etwa ein wichtiges Handelsstandort war. Sondern weil der Ort in das militärisch-politische Portfolio des Bischofs passte: Er konnte Sendenhorst als Stützpunkt nutzen und sich der Unterstützung der Menschen sicher sein. Denn die würden ihre Freiheit ja verteidigen – und dabei gleichzeitig seine Interessen schützen. Und so wurde Sendenhorst wie auch andere unbedeutende Örtchen in der Region zur Stadt.

Dass es schon Jahrhunderte vorher Siedler in „Seondonhurst“ gegeben hat, ist unbestritten. „Im Schweiße ihres Angesichts, unvorstellbar mühsam, unter unsagbar großer Kraftanstrengung rodeten sächsische Bauern die Sendenhorster Wildnis, besäten ihre kleinen Äcker und bauten Unterkünfte für Mensch und Vieh“, schreibt Heinrich Petzmeyer. Und das alles im Grunde in Diensten des Adels, also nur bedingt auf eigene Rechnung. Der Autor nimmt an, dass es solche Siedlungen bereits im achten Jahrhundert gegeben hat. Sechs bis acht Siedlungen mit jeweils zwei bis vier Höfen soll es gegeben haben – insgesamt 150 Menschen auf dem Gebiet von Sendenhorst, ohne Albersloh. Und jeder Hof war im Grunde abgeschnitten von der Außenwelt. Die Menschen waren auf allen Gebieten Selbstversorger: von Leinen für die Kleidung über Schmiedewerkzeuge bis zum dem, was die Äcker und das Vieh hergaben. Auch ihr Geschirr brannten die Bauern wohl selbst.

Und nach den Sachsenkriegen ließen sie sich wohl mehr oder weniger geschlossen taufen, wurden Christen – und zahlten auch Kirchensteuern. Aber das ist ein anderes Kapitel der Stadtgeschichte.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3097683?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F190%2F4852565%2F4852576%2F
Öffnungszeiten in Enschede bereiten deutschen Nachbarn Bauchschmerzen
Verkaufsoffene Sonntage sind in den Niederlanden nicht generell vorgesehen. Die Kommunen entscheiden darüber selbst., die Mitarbeiter der Geschäfts sind wiederum berechtigt, die Arbeit am Sonntag abzulehnen,
Nachrichten-Ticker