Ein sehr persönlicher Bericht über eine Reise nach Israel
Eine andere Sicht auf gewisse Dinge

Sendenhorst -

Mit eine Schülergruppe ist die Sendenhorsterin Katja Kordel nach Israel gereist. Hier ihr sehr persönlicher Reisebericht.

Mittwoch, 08.04.2015, 10:04 Uhr

Künftig werden die Schüler des St.-Michael-Gymnasiums auch an diese Ansicht denken, wenn sie biblische Geschichten hören, die sich am See Genezareth zugetragen haben.
Künftig werden die Schüler des St.-Michael-Gymnasiums auch an diese Ansicht denken, wenn sie biblische Geschichten hören, die sich am See Genezareth zugetragen haben. Foto: Katja Kordel

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er viel erzählen. Darum nahmen 26 Schüler und Lehrer des Gymnasiums St. Michael aus Ahlen Stock und Hut, und machten sich auf den Weg nach Israel . Unter ihnen war auch die Sendenhorsterin Katja Kordel , die hier von ihren Erlebnissen berichtet:

„Einen letzten Tipp, was auf jeden Fall noch in meinen Koffer muss?“, fragte ich einen Freund vor der Abreise. „Interesse für Kultur und Geschichte. Hört sich doof an, aber das ist das Wichtigste.“ Dass wir ein paar Kirchen besichtigen werden, war mir bewusst, und im Geschichtsunterricht passe ich auch manchmal auf, also hakte ich diesen Punkt von der Packliste ab. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass wir uns in unseren Pausen zusammen setzen, über die politische Lage von Israel diskutieren und uns aktuelle Konflikte gegenseitig erklären würden.

Aber alles der Reihe nach. Am Samstag, 22. März, begann unsere Rundreise durch das Heilige Land; und als erste Station erreichten wir die Stadt Akko, die an der Küste des östlichen Mittelmeers liegt. Dort besichtigten wir den Hafen, eine unterirdische Ausgrabungsstätte der Kreuzritterburg und eine Moschee. Auch die Stadt Haifa und der Tempel der Bahai-Religion standen an dem Tag auf dem Programm. Abends ließen wir dann gemeinsam den Tag ausklingen und genossen die besondere Atmosphäre der antiken Altstadt.

Natürlich ging es bei unserer gesamten Reise viel um religiöse Themen. Und auch rund um unser nächstes Ziel, den See Genezareth in Galiläa, begegneten wir vielen heiligen Orten. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Fan, der einem Star auf Schritt und Tritt hinterher reist. „Hier ist Maria der Heilige Geist erschienen“. „Hier ist Jesus geboren“. „Hier hat Maria ihn gestillt“. „Hier wurde Jesus getauft“. „Hier hat er Brot und Fische vermehrt“. „Hier gelebt“. „Hier gepredigt“. „Hier geatmet“. Zur letzteren Behauptung ist mir keine heilige Stätte bekannt, aber die Kirchen und Klöster, die an den anderen Stellen erbaut wurden, gehörten zu unserem Programm. Niemals zuvor hatte ich so viele Kirchen in so kurzer Zeit besichtigt. Doch durch die biblischen Überlieferungen bekam jede einzelne ihre eigene Geschichte, die sie individuell und besonders machte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die „Kirche der Seligpreisung“. Sie ist klein und durch große Fenster schien die Sonne hinein und hüllte alles in sommerliches Licht. In dem Garten um die Kirche saßen wir zusammen und ließen einen Impuls zur Bergpredigt, die Blumenwiesen und den See Genezareth im Tal auf uns wirken. Vielleicht fehlt uns in unserem Alltag manchmal die Zeit, sich einfach mal hinzusetzten, das Hier und Jetzt zu genießen und ein paar Gedanken zu sortieren. Vielleicht ist mir deswegen dieser Moment besonders in Erinnerung geblieben.

Eine wirklich erlebnisreiche Begegnung hatten wir mit Lydia Aisenberg, die uns den Kibbuz Mishmar Haemek und ihr Leben dort vorstellte. Ein Kibbuz ist eine Art Siedlung, in der es kein Privateigentum gibt und in der sich die Menschen Arbeit und Besitz teilen. Vormittags saßen wir bei ihr im Garten bei einem kleinen Picknick und lauschten ihren Geschichten. Sie hörten sich irgendwie an wie Erzählungen aus einer ganz anderen Welt. Nachmittags zeigte sie uns dann noch ein Dorf, das durch die Grenze zwischen Palästina und Israel getrennt ist. Oder auch nicht. Weil der Zaun drei Kilometer weiter aufgebaut wurde. Aber trotzdem ist das Dorf geteilt. Hört sich kompliziert an. Ist es auch.

Unser Weg führte dann weiter in die judäische Wüste und zum Toten Meer. Dort besichtigten wir die eine oder andere Ausgrabungsstätte. Das klingt vielleicht nur nach ein paar langweiligen Steinen, doch mit den Erzählungen unseres begeisterten Religions- und Geschichtslehrers Johannes Epke wurden die Ruinen ein bisschen lebendiger, und wir konnten uns bildlich vorstellen, wie die Menschen dort früher gelebt haben.

Wenige Tage später stiegen wir die sandigen Treppen hoch zur Festung Massada und wurden mit einem fantastischen Ausblick für die anstrengende Wanderung.

Natürlich ließen wir uns ein nächtliches Bad im Toten Meer nicht entgehen, bevor es am nächsten Morgen schon wieder weiter ging nach Palästina in einen Vorort von Betlehem. Dort teilten wir uns in drei Gruppen auf. Die erste unterhielt sich mit zwei Sozialarbeiterinnen über die Situation der Frauen in Palästina. Die zweite fuhr zu einem Flüchtlingscamp, in dem Palästinenser leben, die aus ehemals palästinensischem Gebiet vor Kriegen geflüchtet waren und ihre Häuser verlassen mussten.

Die dritte Gruppe besuchte eine deutsch-christliche Schule in dem Ort und kam dort mit den Jugendlichen ins Gespräch. Später tauschten wir uns über unsere Erlebnisse aus. Wir sollten eigentlich nur kurz beschreiben, was wir gemacht hatten, doch sofort entwickelte sich ein lebendiges Gespräch. Jeder wollte etwas erzählen und mitdiskutieren. Und das Interesse, sich über die politische Lage auszutauschen, beschränkte sich nicht nur auf diesen Reflexionsabend.

Auch in unseren Pausen oder beim Mittagessen unterhielten wir uns über die Konflikte, die Geschichte und Grenzen von Israel und Palästina. Und ich denke, dass ganz besonders diese persönlichen Erlebnisse prägend sind. „Mich hat die Hoffnung, an die sich die Flüchtlingscamp-Bewohner klammern, total berührt. Obwohl sie genau wissen, dass sie nicht zu ihrem alten Zuhause zurückkehren werden, hat zum Beispiel ein Mann noch immer seinen alten Haustürschlüssel bei sich gehabt“, erzählte eine Freundin. Ich bin eigentlich jemand, der eher selten die Tagesschau sieht und auch nicht viel über Politik diskutiert. Doch während dieser Reise tat es gut, mit den anderen zu versuchen, das ganze komplizierte Durcheinander aus Konflikten zu entwirren. Ganz gelungen ist uns das nicht. Aber wir haben trotzdem unglaublich viel dazu gelernt.

Die letzten zwei Tage unserer elftägigen Reise verbrachten wir in Jerusalem, wo wir durch die Altstadt und den Ölberg hinunter spazierten und uns wieder viele Kirchen und die Klagemauer anschauten.

Wir hatten eine wunderschöne Zeit, und ich habe so viel erlebt, so viel gelernt und so viel mitgenommen. Und damit meine ich nicht nur die Gewürze und Tücher aus den zahlreichen Basarlädchen in Jerusalem, sondern auch eine andere Sicht auf gewisse Dinge. Wenn ich jetzt Geschichten aus der Bibel höre, habe ich ein anderes Bild vor Augen, und auch die Situation in Israel ist für mich nicht mehr nur schwarz und weiß. Niemals hätte ich mir das alles vorstellen können. Aber das ist doch das Schönste daran.

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