5. Unternehmertreffen in Sendenhorst
Mit Pfunden wuchern

Sendenhorst/Albersloh -

Die Zukunftschancen der Stadt Sendenhorst standen im Mittelpunkt des 5. Unternehmertreffens. Diese beleuchtete ausführlich der IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing.

Freitag, 29.05.2015, 16:05 Uhr

Interessiert verfolgten die vielen Gäste die Ausführungen von IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing.
Interessiert verfolgten die vielen Gäste die Ausführungen von IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Foto: Josef Thesing

Warum sollte jemand, sagen wir mal aus Köln oder Düsseldorf, ausgerechnet nach Sendenhorst kommen, um dort zu arbeiten – und vor allem zu leben? Das ist eine der Fragen, auf die die Stadt künftig eine schlüssige Antwort geben muss. Das meint zumindest Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Und der sollte es aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen wissen, ist er doch Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen ( IHK ) und somit regelmäßig mit solchen Fragen konfrontiert.

Nun könnte man meinen, dass eine solche Frage derzeit nicht von überragender Bedeutung ist. Aber Schulte-Uebbing hatte sich gut vorbereitet, bevor er am Mittwochabend versuchte, beim fünften Unternehmertreffen der Stadt eine Antwort zu geben. In 15 Jahren werde es ein Drittel weniger junge Menschen in Sendenhorst geben, die einen Ausbildungsplatz suchen, erläuterte er. Und 21 Prozent der arbeitenden Menschen in der Stadt seien heute älter als 50 Jahre. „Die sind dann auch weg“, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer den etwa 100 Anwesenden in der „Waldmutter“.

Hinzu komme, dass sich immer mehr junge Leute für ein Studium an Uni oder FH entscheiden würden. Und die Konkurrenz vergleichbar kleiner Städte in ganz Deutschland schlafe nun mal nicht. Und mit Geld, also mit einem ordentlichen Gehalt, sei das Problem auch nicht zu lösen.

Was also können Unternehmer tun, die auch in Zukunft dringend auf Fachkräfte angewiesen sind? Zum Beispiel die Infrastruktur weiter verbessern, meinte Schulte-Uebbing. Da gebe es durchaus noch Luft nach oben. Und noch intensiver familienfreundliche, also flexible Arbeitszeiten anbieten, wie das ja bereits unter dem Dach des „Sendenhorster Familiensiegel“ geschehe. Und, aus seiner Sicht vor allem, das Image der Industrie verbessern, die in Sendenhorst (plus Albersloh) immerhin mehr als 2000 Arbeitsplätze vorhalte. „20 bis 25 Prozent der Menschen finden Industrie irgendwie negativ“, meinte Schulte-Uebbing. „Sorgen sie für eine bessere Wertschätzung und machen sie deutlich, dass es bei ihnen nicht stinkt, knallt und pufft“, fügte er an – „zumindest meistens nicht“.

Sendenhorst sei nun mal auch ein Industriestandort. 50 Prozent alle Arbeitnehmer arbeiteten in der Industrie – im Landesdurchschnitt seien es 30 Prozent. Und der gegründete Industrieverbund mit derzeit neun Mitgliedern sei ein guter Auftakt für die Verbesserung des Images der Branche.

In den Blick nahm der IHK-Hauptgeschäftsführer auch den Handel, allerdings von nicht allzu großem Optimismus geprägt. „Beim Handel in Sendenhorst und Albersloh gibt es bei mir ein wenig Skepsis“, so Schulte-Uebbing. Die derzeit noch passable Situation werde sich ändern, wenn sich die Geschäftswelt nicht im Bereich von Online-Handel und Digitalisierung engagiere. Und wenn Unternehmensnachfolgen nicht frühzeitig angegangen würden. „Kämpfen sie vor Ort für den Handel“, forderte der Gast.

Die Voraussetzungen seien insgesamt gut, unter anderem durch die vielen Arbeitsplätze in der Stadt und durch die Patienten und Besucher aus ganz Deutschland im St.-Josef-Stift und im Reha-Zentrum. „Sie haben da ein gewaltiges Pfund. Das müssen sie nutzen.“

Problematisch sei in Sendenhorst für die Unternehmen die Verkehrssituation. Das sei auch der IHK nicht verborgen geblieben. Gerade der blockierte notwendige Ausbau der Landesstraße 851 sei ein Riesenproblem. „Ich kann verstehen, dass die Landwirte ihre Flächen nicht abgeben wollen. Ich komme selber aus der Landwirtschaft“, sagte Schulte-Uebbing. Aber den Landwirten müsse klar sein, dass auch sie von einer besseren Anbindung der Stadt dauerhaft profitieren würden. Ein Problem dabei sei aber der viel zu große Anteil der notwendigen Ausgleichs- und Ersatzflächen. „Die IHK kämpft dabei für ein besseres Verhältnis.“

Und schließlich helfe auch die Einigkeit in der Region Städten der Größe von Sendenhorst. In der Außenansicht sei Westfalen angesichts der Metropolregionen Rheinland und Ruhrgebiet „Restware“, die außer Pferden und Fahrrädern wenig zu bieten habe.

Das sei natürlich falsch. Das herauszustellen, sei Aufgabe eines besseren Regionalmarketings. „Die Region ist stark und schön. Aber wir müssen das auch laut sagen.“ 

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