Nasanin Asgari möchte nach ihrer Flucht Ausländern bei der Integration helfen
Religionsfreiheit unerwünscht

Sendenhorst -

Sie möchte anderen Flüchtlingen helfen, engagiert sich im Deutsch-Ausländischen Freundeskreis (DAF) und bei „Pax Christi“. Denn sie weiß, wie man sich allein in einem fremden Land fühlt, wenn man alles in der Heimat zurück gelassen hat. Denn Nasanin Asgari ist vor zwei Jahren aus dem Iran geflüchtet.

Sonntag, 19.07.2015, 09:07 Uhr

Die persische Bibel bedeutet Nasanin Asgari viel. Mit dem muslimischen Glauben konnte sich die emanzipierte junge Frau nie richtig identifizieren.
Die persische Bibel bedeutet Nasanin Asgari viel. Mit dem muslimischen Glauben konnte sich die emanzipierte junge Frau nie richtig identifizieren. Foto: Anke Weiland

Mit dem muslimischen Glauben konnte sich die damals 31-Jährige nie richtig identifizieren, erklärt sie ihre Beweggründe: „Ich wollte Christin werden. Doch das ist im Iran verboten.“ Und werde mit dem Tod bestraft. Gemeinsam mit ihrer Mutter, einer praktizierenden Zahnärztin, traf sich die junge Frau regelmäßig in Teheran in einem geheimen Kreis, der sich über Religion und Frauenrecht austauschte.

Doch die Polizei bekam Wind von den illegalen Treffen und nahm ihre Mutter fest. Mit viel Glück konnte sie „freigekauft“ werden, erzählt die junge Frau. „Ein Patient meiner Mutter, der beim iranischen Geheimdienst arbeitete, bot uns an, uns ein Visum für die Ausreise zu beschaffen.“ Da der Vater früh verstorben war und ihr Bruder nach seinem Studium ins Ausland gegangen ist, hielt die Iranerinnen nichts mehr in der Heimat. Wohin, war ihnen letztlich egal, Hauptsache weg.

Mit einem französischen Visum sind Mutter und Tochter zunächst nach Norwegen zu einem Freund geflüchtet. Dort haben die beiden einen Asylantrag gestellt. Doch da ihre Visa für Frankreich ausgestellt worden waren, mussten die beiden Frauen weiter nach Marseille.

„In Frankreich hatten wir gar nichts. Keine Unterkunft, kein Geld. Die Behörden haben uns überhaupt nicht geholfen“, berichtet die zurückhaltende 33-Jährige. Da sei ihre Mutter dann auch krank geworden – Depressionen. Durch ein Telefonat mit Freunden in Aachen sind Asgaris schließlich nach Deutschland gekommen. Dort haben sie noch einmal einen Asylantrag gestellt. Über das Flüchtlingslager in Hamburg sind sie weiter nach Bielefeld gereist, von dort nach Lünen.

„Das war wie in einer Lotterie“, beschreibt die Iranerin die Aufteilung der Flüchtlinge. Auf die Asylanerkennung haben die beiden Frauen noch eineinhalb lange Jahre warten müssen. In dieser Zeit sei ihre Mutter an Krebs erkrankt und gestorben, erinnert sich Nasanin Asgari mit Tränen in den Augen.

Trotzdem habe sie die Hoffnung darauf, dass alles gut wird, nie aufgegeben. „Ich habe immer auf Gott vertraut. Jetzt kenne ich Familie Lohölter, und es ist alles in Ordnung.“ Die Zeit der Angst ist nun vorbei. Denn seit sie im Iran in den Verdacht der Polizei geraten seien, hätten sie Todesangst gehabt. Während der Flucht sei diese Angst eher einer Unsicherheit gewichen, was die Zukunft betrifft.

Seit etwa neun Monaten lernt Nasanin Asgari nun die deutsche Sprache. Seit acht Monaten lebt sie in Sendenhorst. Über ihren gemeinsamen Bekannten Omid Salehi hat die junge Frau das Ehepaar Lohölter kennengelernt, das ihr eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt hat. „Manchmal vermisse ich mein Heimatland“, gibt sie offen zu. „Aber alles ist gut“, fügt sie sogleich an. Denn sie weiß, sie kann nicht mehr zurück. Daher baut sie sich hier ein neues Leben auf. Mit neuen Freunden und – am liebsten – einem Job als Grafik-Designerin.

Denn das hat die emanzipierte junge Frau im Iran studiert. „Das Bachelor Diplom muss hier nur noch anerkannt werden.“ Eigentlich hat Asgari auch einen Master in Werbung und Medien, doch der Abschluss wurde ihr verweigert. „Ich habe an der Uni in einer Theatergruppe mitgespielt. Ein Stück war inhaltlich wohl gegen das Frauenrecht im Iran und gefiel den Prüfern nicht.“

Bis die Anerkennung ihres Diploms durch ist, nutzt die Iranerin die Zeit, um anderen Flüchtlingen zu helfen und über Praktika das Berufsleben in Deutschland kennenzulernen. „Bei Gassner habe ich ein dreiwöchiges Praktikum gemacht. Das war super toll. Die Leute waren so nett“, schwärmt sie und kann den Start ins Berufsleben kaum noch erwarten.

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