Informationen zur Flüchtlingsaktion
Vieles funktioniert gut

Sendenhorst/Albersloh -

Die Stadtverwaltung hat gemeinsam mit dem ASB über die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge informiert. In Albersloh startet am heutigen Freitag der erste Deutschkursus. Das Interesse der Menschen, die deutsche Sprache zu lernen, sei groß. Die Versorgung mit Essen läuft gut: Das sei wichtig, weil es in den Hallen keine Kochmöglichkeiten gebe. Im Drei-Schicht-Betrieb ist die Rund-um-die-Uhr-Betreuung gewährleistet. Gemeinsam würden die Menschen vieles lernen, was für den Alltag wichtig sei.

Freitag, 18.12.2015, 13:12 Uhr

Bericht über die Situation in Albersloh: Daniel Schrick (2.v.li.) erzählte in Gegenwart der Verwaltungsmitarbeiter, wie die Betreuung und Unterbringung der Menschen in der Albersloher Notunterkunft funktioniert.
Bericht über die Situation in Albersloh: Daniel Schrick (2.v.li.) erzählte in Gegenwart der Verwaltungsmitarbeiter, wie die Betreuung und Unterbringung der Menschen in der Albersloher Notunterkunft funktioniert. Foto: Josef Thesing

Es funktioniert, wie so etwas im Rahmen der Gegebenheiten funktionieren kann. Und weil viele die Stadt und die Betreuer mit ihrer gewaltigen Aufgabe nicht alleine lassen. „Ich bin überwältigt davon, wie viele Leute schon bei uns vorbeigekommen sind. Das ist nicht normal“, sagte Daniel Schrick am Mittwochabend in der Aula der Realschule.

Schrick ist beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) verantwortlich für die Betreuung der Flüchtlinge in der Albersloher Notunterkunft. Während der Informationsveranstaltung über die derzeitige Flüchtlingssituation in der Stadt berichtete er vom Start des Betriebes in der Albersloher Turn- und Wersehalle. Sein Fazit: Die Stadt, die Politik und die vielen ehrenamtlichen Helfer haben sich im Vorfeld viele Gedanken und bislang alles richtig gemacht.

In Albersloh startet am heutigen Freitag der erste Deutschkursus. Das Interesse der Menschen, die deutsche Sprache zu lernen, sei groß. Die Versorgung mit Essen läuft gut: Das sei wichtig, weil es in den Hallen keine Kochmöglichkeiten gebe. Im Drei-Schicht-Betrieb ist die Rund-um-die-Uhr-Betreuung gewährleistet. Gemeinsam würden die Menschen vieles lernen, was für den Alltag wichtig sei. Busfahren zum Beispiel. Die Fahrradwerkstatt in der Roten Schule läuft gemeinsam mit den Flüchtlingen, und das Team um Heinz Wenker freut sich über weitere ausrangierte Räder, die auf Vordermann gebracht werden. Ein Beamer für Filmabende und eine Musikanlage wurden gespendet. Die ersten Schulbücher sind vorhanden, und Duplo- und Legosteine sind noch gerne gesehen. Zwischen der OGS und den Flüchtlingskindern bestehen erste, gute Kontakte. In der kommenden Woche findet eine kleine Weihnachtsfeier mit den ehrenamtlichen Helfern statt. Und: „Wir haben unseren ersten Jungen eingeschult.“ Von den nur rund 50 Anwesenden gab’s Beifall dafür.

Viele Fragen sind derzeit offenbar nicht offen. Auch das wurde in der Veranstaltung deutlich. Michael Fritsche sucht einen Raum für eine gemeinsame Fahrradwerkstatt in Sendenhorst. Schwierig ist die Antwort auf die Frage, wie man sachgerecht mit traumatisierten Menschen – vor allem Kindern – umgeht. Bürgermeister Berthold Streffing bat die Betreuer diesbezüglich um entsprechende Hinweise, damit Behandlungen und notwendige Therapien vermittelt werden könnten. „Das wird auch bezahlt“, erklärte er.

Die Verwaltungsspitze werde weiter regelmäßig über die Flüchtlingssituation berichten, kündigte Streffing an. „Wir werden sehr offen über alles sprechen“, versprach er. Und demnächst vielleicht dann auch über die notwendige Belegung der Westtorhalle mit Flüchtlingen, weil nur dort eine Trennung vom Schlaf- und Aufenthaltsbereich möglich sei. Ob und wann das notwendig sein wird, ist aber noch offen. Von Heiligabend bis zum 3. Januar ist „Pause“: Die Bezirksregierung Arnsberg hat angekündigt, in dieser Zeit keine weiteren Flüchtlinge zuzuweisen. Danach werde es aber vermutlich wieder viele neue geben. Am heutigen Freitag müssen noch mal neun Menschen untergebracht werden.

Die dauerhafte Unterbringung und Integration der Menschen ist die große Aufgabe in den kommenden Monaten und Jahren, erklärte Wolfgang Huth von der Stadtverwaltung. Die räumlichen Voraussetzungen dafür werden mit Neubauten an den Straßen „Auf der Geist“, „Auf dem Bült“ und an der Seilerstraße geschaffen. Das will der Ausschuss für Stadtentwicklung am 26. Januar beschließen. Anschließend ist Baubeginn.

Daneben gebe es derzeit wieder Bewegung auf dem Wohnungsmarkt. „Wir prüfen Angebote“, berichtete Hermann Specht von der Verwaltung. „Es wird in den nächsten Tagen weitergehen.“ Zudem gebe es Investoren, die Interesse am Bau von Häusern hätten, die später für den sozialen Wohnungsbau verwendet werden sollen. Bei der NRW-Bank gebe es dafür Sonderkredite und Fördergelder.

Womöglich werden aber zunächst Mobilheime an der neuen Albersloher Sporthalle und an der Jahnstraße aufgestellt. Kontakte zu den Herstellern sind geknüpft, damit die Wohneinheiten im Bedarfsfall schnell zur Verfügung stehen. An der dezentralen Unterbringung werde festgehalten. „Wir wollen nichts überfrachten“, sagte der Bürgermeister. Und: „Wir werden die Menschen weiter so weit wie möglich menschenwürdig unterbringen.“ Auch wenn klar sei, so Wolfgang Huth, „dass die Belegung der Albersloher Hallen für uns kein toller Schritt war“. Gleichwohl gebe es dazu derzeit kurzfristig keine Alternative.

Berthold Streffing appellierte noch einmal, privaten Wohnraum für die Vermietung zur Verfügung zu stellen. „Wir haben damit bislang außerordentlich gute Erfahrungen gemacht.“

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