Clive Carroll spielt ein abwechslungsvolles Programm im Haus Siekmann
Fantastische Reise durch die Stilarten

Sendenhorst -

Clive Carroll zeigte nicht nur seine Gitarre, sondern auch sich selbst bei seinem Auftritt im Sendenhorster Haus Siekmann ausgesprochen gut gestimmt und führte auf unkomplizierte und humorvoll launige Art durch das Programm.

Montag, 18.04.2016, 14:04 Uhr

Clive Carroll nahm seine Zuhörer mit auf eine fantasievolle musikalische Welt- und Zeitreise, die den Abend wie im Flug vergehen ließ.
Clive Carroll nahm seine Zuhörer mit auf eine fantasievolle musikalische Welt- und Zeitreise, die den Abend wie im Flug vergehen ließ. Foto: Heinz Braunsmann

„Does it sound expensive?“, fragte Clive Carroll beim ersten Stimmen seines Instrumentes das Publikum im Haus Siekmann . Ob er mit seinem eigenen, hoch gesteckten Anspruch kokettierte oder eine Anspielung auf den Eintrittspreis von 15 Euro machen wollte, blieb dabei offen. Aber gleich vorweg gesagt: Dieser Preis mutet lächerlich niedrig an, gemessen an dem, was in den folgenden zwei Stunden auf der Tenne geboten wurde. Das wussten natürlich auch die etwa 70, überwiegend von auswärts angereisten Zuhörer, die das Haus Siekmann füllten, wenngleich der Abend mehr Zuspruch verdient gehabt hätte.

Dass so ein Ausnahmemusiker, der zu Recht als einer der besten Gitarristen des Planeten bezeichnet werden darf, überhaupt auf dem Weg von Berlin in die USA auch in Sendenhorst Station macht, ist schon bemerkenswert genug und letztlich dem Engagement des Fördervereins unter seinem Vorsitzenden Jürgen Krass zu verdanken, der                                   nicht ohne Stolz in seiner Begrüßung auf das enorm hohe Niveau der Sendenhorster Konzerte anspielte.

Clive Carroll zeigte nicht nur seine Gitarre, sondern auch sich selbst ausgesprochen gut gestimmt und führte auf unkomplizierte und humorvoll launige Art durch das Programm, erläuterte die Stücke und die darin verwendeten musikalischen Besonderheiten verständlich, wobei ihm ständig der Schalk im Nacken saß. Gleich zu Beginn spielte er mit „Thaxted Town“ eine eher klassisch und sehr variabel gehaltene Komposition, zu der ihn der Komponist Gustav Holst inspiriert hatte. Bereits bei diesem Stück zelebrierte er auf seinem Instrument erstaunliche Klangfarben und unterstrich seine musikalische Emotionalität und Spielfreude, die er über den ganzen Abend aufrecht erhalten, ja sogar noch steigern konnte.

Seine ungeheure stilistische Vielfalt, die vom klassischen Gitarrenspiel über die verschiedenen Techniken aus dem Jazz- und Bluesbereich bis hin zu folkloristischen Spielarten aus allen Teilen des Erdballs reicht, erlaubt ihm, die Quellen der Inspiration, aus denen er die Ideen für seine kreativen Komposi­­          tionen schöpft, uneingeschränkt umzusetzen. In den nachfolgenden Stücken zeigte er, wie vielfältig diese Quellen sind, sie reichen von der Renaissance über die barocke Fuge bis zu rumänischer Volksmusik. Sie verbinden Einflüsse namhafter Komponisten wie Tschaikowsky oder                                         Schostakowitsch mit tänzerisch-rhythmischen Elementen wie einem Walzer oder einem Flamenco.

Titel wie „In The Deep“, der rumänisch beeinflusste „Prinzess Waltz“, das lateinamerikanisch angehauchte „Coffee Guadalupe“ oder der „Mississippi Blues“ sprachen für sich. Sehr einfühlsam und weltentrückt wirkte eine mit dezenten Perkussionseffekten angereicherte Komposition, die von einem Aufenthalt im kanadischen Inuvik nördlich des Polarkreises erzählte.

Wer einen reinen Jazz-Abend erwartet hatte, war ohnehin in der falschen Veranstaltung. Es war keines jener Konzerte, von denen man abends nach Hause kommt in dem Gefühl, eigentlich nur ein einziges Stück gehört zu haben. Es war vielmehr eine fantasievolle musikalische Welt- und Zeitreise, die den Abend wie im Flug vergehen ließ. Clive Carroll entfaltete mit seiner akustischen Gitarre ein Klangspektrum, das vom Kontrabass zu den hellsten Flageolett-Tönen alles enthielt, was man sich nur vorstellen kann, manchmal auch darüber hinaus. Fast war man geneigt sich zu fragen, wozu es eigentlich überhaupt noch andere Instrumente gibt.

Der zweite Teil begann mit einem Leckerbissen. Carroll musizierte eine fünfsätzige Renaissance-Suite für zwei Gitarren. Die zweite Gitarre – gespielt von ihm selbst – war als Playback eingespielt, was dem Interpreten maximale Konzentration im Zusammenspiel abverlangt.

Anschließend folgten einige „Cover-Songs“. Zunächst ein Medley mit interessant gestalteten Bearbeitungen bekannter Jazz-Titel, dann eine Adaption von Tschaikowskys 2. Klavierkonzert und der brasilianische Titel „Sid the Squid “. Den beeindruckenden Schlusspunkt setzte Clive Carroll mit einem selbst komponierten dreisätzigen „Irish Medley“, in dem er noch einmal seine technisch ausgefeilte Spielkunst unter Beweis stellen konnte. Es setzte den gelungenen Schlusspunkt unter einen unterhaltsamen und musikalisch hochwertigen Abend, der in den restlos begeisterten Zuhörern noch lange nachklingen wird. „Does ist sound expensive?” – „Yes, it does!”

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