Spieß Wolfgang Franke bringt Ordnung in die Schützenreihen
Lumpenorden und Plastikschaufeln

Albersloh -

Der Neue steht seinem Vorgänger in nichts nach. Spieß Wolfgang Franke ließ die Schützen auf der Wiemhove ordentlich strammstehen. 170 Schützen nahmen am traditionellen Auftakt zum Vogelschießen teil, bei dem Franke auch Lumpenorden verlieh – und zwar an schlecht gekleidete Schützen.

Sonntag, 03.07.2016, 18:07 Uhr

„Antreten“ hieß es auf der Wiemhove, und 170 Schützen fanden sich zum Appell ein.
„Antreten“ hieß es auf der Wiemhove, und 170 Schützen fanden sich zum Appell ein. Foto: Christiane Husmann

So gehört sich das: Pünktlich um 14 Uhr trafen sich die Schützenbrüder am Sonntag auf der Wiemhove und formierten sich in Reih und Glied. Diszipliniert folgten sie den Anweisungen der Obersten, die sich die nötige Autorität verschafften.

Zum ersten Mal übernahm Hauptfeldwebel Wolfgang Franke die Inspektion der Schützenbrüder. „Ich heiße Wolfgang Franke. Ich bin Bauer. Ich wohne mit Familie im Sunger. So, das muss reichen“, stellte sich der Spieß, der mit frenetischen „Wolle“-Rufen begrüßt worden war, knapp vor. „Ein ganz tolles Bild gebt ihr ab“, lobte Franke. „Das ist eindeutig der guten Arbeit meines Vorgängers Hubert Deventer zu verdanken. Seit dieser weiße Strich über die Wiemhove läuft, zeigt ihr euch wenigstens linientreu.“ Und auch die Musikzüge seien nach der Versorgung Deventers mit mineralischen Lecksteinen aufgeblüht. „Ihr sitzt rund und glatt im Fell“. Die Fahnengarde sehe sehr gut aus. „Ich weiß nicht, ob’s am Alter liegt, aber ich finde die Mädels werden immer schöner.“ Dann widmete sich der Hauptfeldwebel seinem „Sorgenkind“, der Ehrengarde, die sich bereits öfter nicht nur durch Uniformverluste, sondern auch durch unrühmliches Wildpinkeln hervorgetan habe. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass einem von euch bei einem nächtlichen Gefecht in Schusters Garten sogar schon Mal die Hose abhanden gekommen ist. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie der nach Hause gekommen ist.“

Doch das läge nun schon länger zurück, und das Benehmen der Garden habe sich dank Hubert Deventers autoritärem Einsatz deutlich verbessert. „Du hast gute Arbeit geleistet“, lobte der Spieß seinen Vorgänger, bevor er auch Bernhard Moss zu sich bat, der ebenfalls das Offizierskorps verlässt. Den beiden Zivilisten wurde mit viel Applaus und einem dreifachen „Horrido“ der Schützenbrüder und Garden gehuldigt. „Wegtreten und unter das gemeine Volk mischen“, lautete die Anweisung des Spießes an Moss und Deventer.

Dann widmete sich der Hauptfeldwebel wieder den Schützenbrüdern. „Ihr meint wohl, wir gehen an den Strand – oder warum seid ihr hier in Badelatschen und T-Shirt erschienen?“, motzte Franke, während sich auch der Himmel bedrohlich verfinsterte. Elf Schützenbrüder wurden nach vorne zitiert, um sich vom Spieß mit Lumpenorden und Schützenschäufelchen ausstaffieren zu lassen. „Solltet ihr gleich im Busch auf Unebenheiten stoßen, habt ihr die wegzuschaufeln“, ließ Franke wissen. Und als wolle Petrus dem ganzen Nachdruck verleihen, fing es auch noch an, wie aus Eimern zu schütten. Das nutzten nicht nur die Sandschaufelschützen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Mild stimmte den Spieß das selbstlose Handeln Heinz Rummelings. „Du bist nicht nur 50 Jahre im Verein, sondern hast auch schon einfach mal so ein Fass Bier spendiert – ohne dabei werbewirksam sein zu wollen“, lobte der Hauptfeldwebel. Klar, dass ein dreifaches „Horrido“ der Schützenbrüder nicht lange auf sich warten ließ.

Der „Frischling“ drohte noch mit einer Neuerung: „Ich erwarte Ruhe und Aufmerksamkeit, wenn am Montag beim Frühschoppen Reden gehalten und die Proklamation durchgeführt wird. Ich habe ein Büchlein angeschafft, in dem ich mir alle Schwätzer notiere. Und die müssen dann im nächsten Jahr beim Antreten singen.

Gründlich gewarnt machten sich die 170 Schützen und elf Sandschaufelschützen auf den Weg, das noch amtierende Königspaar Karl-Heinz Druffel und Beatrix Austermann abzuholen. Der Noch-König und seine Königin genossen den verdienten Respekt der Schützenbrüder und den Fahnenschlag der Garde, bevor es in der Kutsche gemeinsam mit dem Vorsitzenden Udo Borgmann, Bürgermeister Berthold Streffing und Pater Babu durch die mit Fahnen und Wimpeln geschmückten Straßen zu Telges Busch ging, wo die Schützenbrüder bei meist sonnigem Wetter, dem Federvieh an der Stange den Garaus machten.

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